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Zurück vom Einsatz: Christine Bocksch


Christine, du bist seit kurzem zurück. Hat dich ein Kulturschock ereilt?

Christine: Das sommerliche Wetter hat mir die Rückkehr erleichtert. Doch war meine erste Station Zürich. In Zürich sind mir die Menschen als sehr unfreundlich aufgefallen. Jeder schaute vor sich her, keiner guckte mich an, keiner lächelte mich an, keiner grüsste mich. Da habe ich mich nach Papua-Neuguinea zurück gesehnt, da man dort immer von jedem freundlich angelacht wird.

Du warst dreieinhalb Jahre auf Einsatz. Was hast Du in Papua-Neuguinea gemacht?

Christine: Ich war in den ersten beiden Jahren in Kiunga, Western Province. Dort habe ich für die katholische Kirche im Education Office gearbeitet. Meine Aufgabe war zum einen, die Kapazitäten innerhalb des Education Office weiter zu entwickeln, zum anderen sollte ich Head Teachers im School Financial Management trainieren und coachen. Die letzten anderthalb Jahre war ich bei der Evangelical Lutheran Church in Lae beschäftigt. Dort habe ich sehr eng mit dem Provincial Education Department zusammen gearbeitet, d.h. ich habe die Schulinspektoren im Bereich School Financial Management unterstützt sowie ebenso Head Teachers trainiert und gecoacht.

Was war Deine größte Herausforderung oder Problem?

Christine: Ein halbes Jahr nach meiner Ankunft in Western Province gab es eine sehr grosse Dürre. Für längere Zeit hatte es nicht mehr geregnet. Der Wasserspiegel des Fly Rivers, der als Transportweg für Lebensmittel und Benzin gilt, sank immer mehr, so dass schliesslich keine Schiffe mehr Kiunga anfahren konnten. Die Menschen sind auf ihre Dörfer gegangen, weil man dort noch wusste, wo es Wasser gab. Auf dem Markt gab es immer weniger zu kaufen, die Geschäfte leerten sich, Schulen wurden geschlossen, Benzin verteuerte sich drastisch bzw Tankstellen schlossen ebenso. Kiunga glich immer mehr einer Geisterstadt. Immer wieder klopfte es an meine Tür, ob man nicht etwas zu essen übrig hätte. Das Gefühl nicht helfen zu können, war sehr erdrückend.

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig? Persönliches Resümee?

Christine: Ich hatte das grosse Glück, dass in meiner Einsatzzeit das National Department of Education einen neuen Vorstoss im Bereich Schulmanagement gemacht hat. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Schulinspektoren hoffe ich, dass auch in Zukunft Trainings durch geführt und Schulen weiterhin unterstützt werden.

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert?

Christine: Ich habe PNG oftmals wirklich verflucht, weil vieles einfach ewig dauert, weil die Strassen so kaputt sind, weil es laut ist, weil es zu viele Müllberge gibt, weil die Gewaltbereitschaft recht hoch ist, weil vieles unorganisiert, unstrukturiert und spontan geschieht. Doch bin ich in PNG auch einer unglaublichen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit begegnet. Ich habe Lehrer in sehr abgelegenen Gegenden kennen gelernt, die mit sehr kreativen Methoden unterrichten; Inspektoren, die sich dynamisch für eine bessere Bildung einsetzen sowie junge Start-Ups, die mit grossem Idealismus ihr Unternehmen aufbauen und betreiben. Ich habe Freunde gefunden, die mir durch ihre positive und gelassene Einstellung sehr imponiert haben.

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?

Christine: Manchmal kann die Arbeit vor Ort sehr frustrierend sein, da man nur wenige Umsetzungen sieht. Doch geht es in PNG alles viel langsamer voran und man muss sehr viel Geduld haben. Man findet immer wieder Menschen, die etwas machen wollen, die sollte man finden und versuchen mit ihnen zusammen zu arbeiten. Darüber hinaus hat man oftmals auch viel Zeit und kann sich mit anderen Dingen beschäftigen, die ausserhalb des vorgegeben „Logframes“ stehen. So habe ich u.a. ein Tourism Awareness Workshop in dem abgelegenem Dorf Kungim veranstaltet, ein Geschichtenwettbewerb, ein Theaterstück mit der St Brigid Parish inszeniert, Theaterworkshops abgehalten, Sprachtraining für angehende Radiosprecher gegeben, ein Mentorenprogramm mit Secondary Schüler aufgezogen und vieles mehr gemacht.

ZUR PERSON

Christine Bocksch hat Mathematik und Betriebswirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen studiert. Neben ihrer Arbeit als Chefdisponentin an diversen Theatern war sie als Dozentin für Theatermanagement an verschiedenen Hochschulen  in Frankfurt, München und Freiburg tätig. Arbeiten u. a. für die Goethe Institute in Indien, Thailand sowie Indonesien führten sie ins Ausland.

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