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Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung – FGM ist niemals sicher und immer eine Menschenrechtsverletzung


Diesjähriger Schwerpunkt auf „Medizinisierung“ von Weiblicher Genitalverstümmelung – Es braucht „politischen Willen“ um gegen FGM vorzugehen

Wien (OTS/SK) – In einer Pressekonferenz anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) am 6. Februar hat SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung und Gründerin der Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung Petra Bayr heute Montag, gemeinsam mit Petra Navara von der NGO Horizont3000 über die Gefahr der so genannten „medicalisation of FGM“, also der Genitalverstümmelung unter medizinischer Aufsicht, aufmerksam gemacht. „FGM ist niemals sicher. FGM ist immer eine Menschenrechtsverletzung, ein massiver Einschnitt in die sexuellen und reproduktiven Rechte und die Gesundheit von Frauen und immer eine massive Verletzung des sexuellen Empfindens von Frauen“, betonte Bayr. ****

Da sich viele Kampagnen gegen FGM lange Zeit auf die medizinischen Risiken konzentrierten, wird in manchen Ländern weibliche Genitalverstümmelung nun vermehrt unter medizinischer Aufsicht durchgeführt. Diese Medizinisierung bedeute jedoch oftmals „ein Hemmnis, damit aufzuhören“, da ein falscher Eindruck über die gesundheitliche Sicherheit dieser Praktik vermittelt werde, so Bayr. „FGM ist aber nie sicher, weil es keine medizinische Begründung für die Tradition gibt. Selbst wenn FGM unter hygienischen Umständen durchgeführt wird, gibt es keine Rechtfertigung. Es bleibt eine grobe Menschenrechtsverletzung“, stellt die SPÖ-Bereichssprecherin klar. Die Problematik dieser „medicalisation“ zeige sich am Beispiel Indonesiens, wo FGM bis 2010 gesetzlich verboten war, dieses Gesetz jedoch durch eine Weisung des Gesundheitsministeriums über die korrekte medizinische Durchführung von FGM de facto aufgehoben wurde. Etwa 40 Millionen indonesische Frauen leiden unter den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung, so Bayr.

Um gegen weibliche Genitalverstümmelung vorzugehen, sei „eines der wichtigsten Dinge der politische Wille, FGM zu verbieten“ und diese Gesetze auch flächendeckend zu implementieren sowie die „Finanzierung von bewusstseinsbildenden Programmen“ zu fördern, erklärt die SPÖ-Bereichssprecherin. Bei letzteren dürfe auch nicht auf das FGM-praktizierende Gesundheitspersonal vergessen werden, da dieses weibliche Genitalverstümmelung oftmals aus eigenen kulturellen Vorstellungen unterstützen bzw. als Einkommensquelle sieht. Ein gutes Beispiel wie gegen FGM und vor allem gegen die Medizinisierung vorgegangen werden kann, liefere Äthiopien, so Bayr: „Dort ist FGM nicht nur an sich per Gesetz gebannt, es ist dem Gesundheitspersonal ausdrücklich verboten, sich an Verstümmelungen zu beteiligen und es wurde auch das konkrete Ziel gesteckt, bis 2025 FGM komplett zu beenden.“

HORIZONT3000 unterstützt gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation HEfDA (Harmee Education for Development Association) dieses Ziel in Äthiopien. „FGM ist eine Tradition, die eng verwoben ist mit Mythen, Aberglaube, Vorurteilen und jeder Menge Beharrlichkeit. Man muss ihr mit Aufklärungs- und Informationsarbeit entgegentreten“, erklärt Petra Navara von HORIZONT3000. Deswegen werden in einem ab 6. Februar startenden Projekt 2.000 MulitplikatorInnen in Äthiopien eingebunden, die über einen dreijährigen Zeitraum intensive bewusstseinsbildende Arbeit vor Ort leisten. Insgesamt richtet sich dieses Programm gegen FGM an 21.000 Frauen und 12.500 Männer im Wirkungskreis dieser MultiplikatorInnen aus dem HEfDA Netzwerk in Äthiopien und soll vor allem Bewusstsein schaffen bzw. dieses schärfen. „Damit soll Frauen das Werkzeug in die Hand gegeben werden, sich gegen Beschneidung zu wehren und Mütter mit Argumentationen befähigt werden, eine bewusste und selbstbestimmte Entscheidung gegen die Beschneidung ihrer Töchter zu treffen“, so Petra Navara.

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