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Zurück vom Einsatz: Pamela Kultscher (BFA)


Du bist seit kurzem zurück. Hattest du nach deiner Rückkehr einen Kulturschock?

Pamela: Eigentlich nicht, ich hatte bloß einen Temperaturschock. Von 40 auf 5°C zu wechseln war am Anfang nicht so leicht. Sonst hat sich nicht viel verändert hier, Wien bleibt Wien.

Du warst 2 Jahre im Einsatz. War es so, wie du dir die Sache davor vorgestellt hast?

Pamela: Ja und nein. Nein, weil die Dinge nie so sind wie man sie sich vorstellt. Im Projekt gab es anfänglich größere Herausforderungen als gedacht, der Umstieg von Europa auf Afrika dauerte länger als ich mir das vorstellen konnte, und danach ist das Leben dann doch nicht so anders als man sich das gedacht hatte.
Ja in dem Sinn, als ich mit vielen jungen Menschen vor Ort meine Begeisterung für gute Küche teilen konnte und sich mein Horizont durch das längere Eintauchen in eine mir völlig unbekannte Kultur enorm erweitert hat.

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig? Persönliches Resumee?

Pamela: Die Partnerorganisation hat jetzt eine Unterrichtsküche, in der die SchülerInnen der Kochschule mehrmals pro Woche mit professionellem Material praktischen Kochunterricht haben, und ein Lehrrestaurant, in welchem sie ihre Fähigkeiten „on the job“ vertiefen können. Außerdem habe ich an der Erstellung des Curriculums für das BAC Pro Cuisine (also die staatliche Matura in Kochen) mitgearbeitet, das die nächsten Jahrzehnte die Ausbildung im Land mitprägen wird. Ich bin sehr zufrieden mit den erreichten Ergebnissen und bin schon gespannt, wie es mit der Kochschule und „meinen“ SchülerInnen weitergeht.

Deine größte Herausforderungen, Hindernisse, Probleme?

Pamela: Ich denke, die größte Herausforderung war für mich die Eingewöhnungsphase. Ich bin ein sehr selbständiger Mensch und finde sehr leicht Kontakt mit anderen Menschen. Dort ist mir das aber schwerer gefallen und ich habe die ersten vier Monate eigentlich keine Bekanntschaften außerhalb der Arbeit gemacht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass es keine anderen TAs von HORIZONT3000 und sehr wenige ÖsterreicherInnen in Burkina Faso gab und mich die Partnerorganisation am Anfang ein bisschen überbehütet hat. Danach ging aber alles sehr schnell, ich habe tolle FreundInnen gefunden und hatte eine wirklich geniale Zeit in Ouagadougou.

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert?

Pamela: Ich habe in den zwei Jahren viel über mich selbst und meine Sichtweise auf die Welt gelernt. Eine Situation die ich nie vergessen werde war, als ich ein kleines Mädchen auf meinem Schoß sitzen hatte und sie angefangen hat, an meinem Unterarm zu rubbeln. Ich fragte, was sie da mache und sie meinte: „Ich putz dir die weiße Farbe runter“. Für sie war ich wie sie, bloß hell angemalt. Mir ist in diesem Moment bewusst geworden, dass wir in Europa es wahrscheinlich andersrum sehen würden, dass die dunkle Farbe „aufgemalt“ sein muss. Diese und ähnliche Situationen haben mich an die kulturelle Brille erinnert, durch die wir die Welt betrachten und die wir immer mitbedenken müssen, wenn uns Dinge seltsam erscheinen.

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?

Pamela: Stress dich nicht, vor allem am Anfang. Wenn du in der Einsatzvorbereitung hörst, dass es sechs Monate dauern kann, bis du dich eingewöhnt hast, dann aus gutem Grund. Natürlich bist du voller Tatendrang, aber am besten arbeitest du mit deinen KollegInnen zusammen, wenn du die Dinge ein bisschen aus ihrer Perspektive betrachten kannst und das musst du erst lernen.

Pamela Kultscher hat nach ihrer gastronomischen Ausbildung in der HLW St. Pölten an der Universität Wien Romanistik und Politikwissenschaft studiert. Zudem war sie lange Zeit im Weltcafé in Wien tätig, wo sie nicht nur die Arbeit in einem gastronomischen Betrieb auf allen Ebenen kennenlernte, sondern auch intensiv in Kontakt mit den Prinzipien des fairen Handels, der biologischen Landwirtschaft und Nachhaltigkeit kam.

Die Organisation Catholique pour le Développement et la Solidarité Caritas Burkina (OCADES) wurde 1998 von der burkinische Bischofskonferenz ins Leben gerufen. Die Mission von OCADES ist die Förderung der Solidarität und der gesellschaftlich ganzheitlichen Entwicklung des Menschen. Darüber hinaus ist OCADES auch im Aufbau von lokalen Kapazitäten aktiv. Die Programme und Projekte der Organisation umfassen verschiedene Gebiete, wie beispielsweise Landwirtschaft, die Katastrophenhilfe und humanitäre Hilfe, den Zugang zu grundlegenden sozialen Diensten und die Förderung von Frauen.

OCADES – Caritas Burkina Faso eröffnete mit dem Schuljahr 2016/17 eine Fachschule für Gastronomie, die jungen Menschen aus einkommensschwachen Familien eine der lokalen Situation angepasste Kochausbildung ermöglichen soll. Die Dauer der Ausbildung beträgt 2 Jahre, die Klassenstärke beträgt 20 SchülerInnen. Das Ziel des Personaleinsatzes ist es, die Kapazitäten des Lehrkörpers zu stärken und insbesondere den praktischen Teil der Ausbildung im schuleigenen Lehrrestaurant zu unterstützen.

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