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Richtigstellung von Zahlen in Standard-Artikel


Offener Leserbrief (Richtigstellung) von Thomas Vogel zu folgendem Artikel der Tageszeitung Der Standard:

http://derstandard.at/2000017028727/Die-Partner-der-Oesterreichischen-Entwicklungszusammenarbeit

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Standard-Abonnent seit 2004 und schätze die Qualität Ihrer Zeitung grundsätzlich sehr. In Ihrem Online-Artikel „Die Partner der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit“ sind aber einige Zahlen und Fakten äußerst schlampig recherchiert worden, sodass ich mich in meiner Eigenschaft als Leiter des Bereichs Programme und Projekte bei HORIZONT3000 zu folgenden Kommentaren zu einigen der im Artikel getätigten Aussagen genötigt sehe:

** „Nichtregierungsorganisationen erhalten etwa zwei Drittel der Projektförderungen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit“ – Diese Darstellung ist überhaupt nicht nachvollziehbar! Die Gesamtleistungen der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) schwankten zwischen 2010 und 2014 zwischen 800 und 900 Mio Euro jährlich. Die Auszahlungen an Österreichische Nichtregierungsorganisationen (NRO) sanken im selben Zeitraum von rund 27 Mio Euro (2010) auf mittlerweile deutlich unter 20 Mio Euro. Selbst wenn als „Österreichische Entwicklungszusammenarbeit“ nur die über die Austrian Development Agency (ADA) abgewickelten Mittel herangezogen würden (was, wohlgemerkt, nicht richtig wäre), betrüge der NRO-Anteil immer noch keine zwei Drittel, sondern nur rund ein Viertel.

** „Mit 25 Projekten und einer Fördersumme von 49 Mio Euro ist Horizont 3000 der größte Projektpartner“ Wenn das doch nur die Wahrheit wäre! HORIZONT3000 bezog vom 1.1.2010 bis 31.12.2015, für alle Programme und Projekte, insgesamt rund € 31,1 Mio an OEZA-Förderung. Bis Jahresmitte 2015 wird der  Betrag auf ca. 34 Mio angestiegen sein (genaue Daten sind erst nach erfolgter Abrechnung und Audit möglich). Gefördert wurden damit aber nicht 25 Projekte, sondern mehr als das Zehnfache, nämlich rund 300 Projekte. (Auch hier ist die genaue Zahl aufgrund verschiedener Projektlaufzeiten nur mit einigem Aufwand zu eruieren, den ich mir an dieser Stelle erspare, da es mir nur darum geht, Ihnen zu zeigen, in welchen Größenordnungen Ihr Artikel falsch liegt.

** „Die Organisation finanzierte damit Projekte in Lateinamerika und erhielt eine Grundförderung“ – Eine Grundförderung wäre in der Tat eine tolle Sache, aber leider gibt es von der OEZA so etwas für HORIZONT3000 nicht. Wäre interessant zu wissen, wo der Autor diese Information her hat und welche Definition von „Grundförderung“ da zugrunde liegt. Und HORIZONT3000 war zu keiner Zeit seiner Geschichte auf die Region Lateinamerika beschränkt, sondern unterstützte bzw. unterstützt auch weiterhin Programme und Projekte in Afrika, Asien, Ozeanien und Europa.

Sollten Sie an Daten und Fakten über die Projektarbeit von HORIZONT3000 interessiert sein, stehe ich gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung. Zu Details der Finanzierungen im Rahmen der OEZA kann ich Ihnen als Experten Dr. Michael Obrovsky von der Österreichischen Forschungsstiftung für Entwicklung (ÖFSE) empfehlen.

Mit besten Grüßen

Thomas Vogel (Bereichsleitung Programme und Projekte HORIZONT3000)

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