von Jasmin Thomas

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…  Schwierigkeiten den Titel zu entziffern? So ähnlich muss es sein, wenn man kein Schild, keinen Hinweis, nichts Geschriebenes lesen kann. Viele Kleinbäuerinnen in ländlichen Regionen schlagen sich mit einer großen Portion Lebenserfahrung auch ohne diese Fähigkeiten durch.  HORIZONT3000 arbeitet gemeinsam mit Partnern vor Ort daran diese Situation zu verändern.

Ismael Ndao Programmkoordinator von HORIZONT3000 im Senegal erzählt von der Arbeit vor Ort:

In welchem Bereich siehst du in der aktuellen Programmphase die größten Fortschritte? Kannst du uns ein Beispiel aus den Projekten geben?

Die größten Fortschritte in der aktuellen Phase des Senegal Programms (2016-18) sehe ich in der funktionalen Alphabetisierung für Frauen und junge Menschen. Ich bin wirklich stolz darauf, was die Partnerorganisationen und die Zielgruppen in dieser kurzen Zeit bereits erreicht haben. Im Bereich der Alphabetisierung arbeiten wir mit der senegalesischen, auf funktionale Alphabetisierung spezialisierten, Organisation ALPHADEV zusammen. Sie bilden die AnimateurInnen sowie die VermittlerInnen aus und besuchen die Alphabetisierungszentren regelmäßig, um die Qualität der Ausbildung zu gewährleisten.

Der Ansatz, mit dem sie arbeiten ist sehr partizipativ und richtet sich nach dem Lebensalltag sowie den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen. Die Schulungen finden in den Nationalsprachen Wolof, Serer und Mandingue statt und in den Kursen werden auch Inhalte wie Gemüseanbau, Vermarktung der Produkte, Umweltschutz und Hygiene vermittelt und diskutiert. In den 5 Regionen, in denen wir tätig sind, betreuen unsere Partnerorganisationen bereits 15 solcher Alphabetisierungsklassen mit über 600 Lernenden. Die Gruppen üben außerdem Einkommen generierende Tätigkeiten aus, wie etwa Weiterverarbeitung und Verkauf von Getreide, Obst und Gemüse, und unterstützen sich gegenseitig mit Kleinstkrediten.

 

Warum ist Alphabetisierung für die Verbesserung der Ernährungssicherung wichtig?

Die funktionale Alphabetisierung vermittelt den Lernenden einerseits bessere Kenntnisse in den Bereichen des Gemüseanbaus und der Vermarktung ihrer Produkte und ermöglicht somit ein besseres Management ihrer ökonomischen Aktivitäten, sowie der Verwaltung ihres Haushaltes (Errechnen von Investitionen, Ausgaben, Einnahmen etc.). Andererseits führt die Alphabetisierung der Frauen zu einer größeren Unabhängigkeit der Frauen, sie können Geschäfte abwickeln ohne ihre Ehemänner und Kinder um Hilfe zu fragen.

 

Welche Herausforderungen siehst du in diesem Zusammenhang noch?

Herausforderungen gibt es viele. Einerseits ist es wichtig, dass diese Klassen sich selbst finanzieren können und nicht von einem Projekt abhängig sind. Die Schwierigkeit stellt sich vor allem bei Kauf der Materialien, da diese speziell für die partizipativen Methoden angeschafft wurden und nicht so billig sind. Außerdem ist es wichtig, dass die AnimateurInnen genug Erfahrung in der funktionalen Alphabetisierung sowie in der Ausbildung sammeln, um selbst LehrerInnen ausbilden und supervisieren zu können. Organisationen wie ALPHADEV sind sehr wichtig, um das nötige Knowhow zu bekommen, aber es ist genauso wichtig Strategien zu finden, dass die Klassen sich selbst tragen können und nicht von Projekten oder ExpertInnen abhängig sind. Daran wollen wir in der nächsten Phase des Programms arbeiten.

Danke für das Interview!

 

Einmal im Jahr, meist im September, findet eine Senegal-Programmbesprechung statt. HORIZONT3000 diskutiert dort gemeinsam mit dem WELTHAUS Graz und dem LED (Liechtensteinischer Entwicklungsdienst) die Fortschritte und Herausforderungen des Programms. Dieses Jahr fand das Treffen in Schaan, Liechtenstein statt. Auch der Programmkoordinator von HORIZONT3000 Senegal Ismael Ndao war dabei.

Auf dem Foto v.l.n.r.: Ute Mayer (LED), Stefan Biedermann (LED), Claudia Foser-Laternser (LED), Tamara Büchel (LED), Gabi Gmeindl (Welthaus Graz),  Eva Scheibreithner (HORIZONT3000),  Jasmin Thomas (HORIZONT3000), Heinz Dünser (LED), Peter Ritter (LED) Ismael Ndao (Horizont3000)

 

Das Programm von HORIZONT3000 im Senegal:

Die Programmintervention von HORIZONT3000 im Senegal integriert mehrere Interventionsebenen im Bereich der ländlichen Entwicklung und Stärkung der lokalen Zivilgesellschaft um einen gesamtheitlichen und nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation und -grundlage der ländlichen Bevölkerung zu leisten. Mit insgesamt 7 Projekten der ländlichen Entwicklung, die von lokalen Partnerorganisationen in 5 Regionen umgesetzt werden, leistet das Programm einen signifikanten Beitrag, alternative Lebensmöglichkeiten im ländlichen Raum zu schaffen und somit Landflucht und Migration entgegenzuwirken.

Es setzt an lokalen Potentialen an und versucht das lokale Knowhow an neue Gegebenheiten – wie etwa den spürbaren und immer stärker werdenden Auswirkungen des Klimawandels im Senegal – anzupassen. Die vielseitigen Aktivitäten des Programms entlang der fünf Programmresultate beinhalten beispielsweise die Förderung des ländlichen Unternehmertums, Unterstützung von KleinproduzentInnen, Diversifizierung der produzierten Nahrungsmittel, umweltschützende Maßnahmen, funktionale Alphabetisierung, Sensibilisierungen zu den Themen HIV/AIDS und Landraub.

Mitgliedsorganisationen