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Aus dem Westbalkanprojekt „Ich konnte Leute sensibilisieren“


Aus dem Westbalkanprojekt: In unregelmäßiger Folge stellen wir unsere Projektpartner im Westbalkanprojekt und die Hintergründe ihrer Arbeit vor. Simona Ognenovska ist Koordinatorin des Projektes in Mazedonien der Organisation Macedonian Center for International Cooperation (MCIC). MCIC ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die für Wandel und Lösungen für soziale Herausforderungen steht.  Im Rahmen des Westbalkanprojekts fand kürzlich die Abschlussveranstaltung, ein Runder Tisch mit wichtigen InteressensvertrterInnen Mazedoniens.

 

Simona, wie war der Runde Tisch in Mazedonien?

Die Abschlussveranstaltung des Westbalkanprojekts, der Runde Tisch in Mazedonien, fand am 7. September 2017 statt. Ziel war es, verschiedenste AkteurInnen zusammenzubringen: zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs), öffentliche Institutionen, internationale Organisationen und Geber, um den Stand der Entwicklungszusammenarbeit in Mazedonien zu diskutieren. Einerseits ging es um Mazedonien als Empfängerland, aber auch darum, das Potential der staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft unter die Lupe zu nehmen, sich gemeinsam für die Entwicklung qualitätsvoller Grundlagen für eine Entwicklungspolitik zu engagieren, welche für einen EU-Beitritt relevant sind.

Es wurde lebendig diskutiert. Einige TeilnehmerInnen argumentierten, dass es zu früh sei, sich über diese Fragen Gedanken zu machen und gingen sogar so weit zu sagen, dass es unmöglich sei, jetzt überhaupt schon über die Rolle als Geber nachzudenken. Andere hielten dagegen, dass diese Fragen auch als Empfängerland relevant seien, denn CSOs hätten das Wissen und könnten die Wirksamkeit der erhaltenen Mittel überwachen. Laut dem Leiter der EU Delegation in Skopje, Nicola Bertolini sollten CSOs Druck auf die Regierung ausüben, ein für die Entwicklung der Zivilgesellschaft günstiges Umfeld zu fördern und gleichzeitig in die Schaffung von Wissen investieren, das wir exportieren können. Ein UNDP-Repräsentant forderte, Nichtregierungsorganisationen sollten die Institutionen dazu drängen, in SDGs-Planungen einbezogen zu werden, da der Prozess recht bürokratisch sei. Darüber hinaus seien die SDGs wesentlich weiter gefasst als die EU-Beitrittsbedingungen zur Entwicklungspolitik. Einem CSO-Vertreter zufolge ginge es bei den ganzen entwicklungspolitischen Fragen um viele kleine Veränderung im täglichen Leben und darum, sich selbst in globalen Fragen weiterzubilden.

 

Wie ist der Stand der Entwicklungszusammenarbeit in Mazedonien und was war in Deinen Augen der Beitrag des Projektes?

In den letzten zwei Jahren hat Mazedonien eine neue Regierung bekommen, und diese neue Regierung sieht sich großen Herausforderungen gegenüber auf dem Weg der Harmonisierung der EU-Gesetzgebung auch hinsichtlich der Entwicklungspolitik bis Ende 2017. Es gab vor allem in den letzten fünf Jahren keinen Fortschritt in diesem Bereich seitens der vorigen Regierung. Allerdings scheint es, als würde das Außenministerium auch jetzt noch auf günstigere Bedingungen im Ministerium warten. Ebenso gibt es ein Zögern nach außen in ihrem Engagement mit der Zivilgesellschaft und anderen Akteuren.

Durch die Aktivitäten im Westbalkanprojekt wurde das Außenministerium sensibilisiert, da die beteiligten CSOs immer wieder gezeigt haben, dass sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben und die Institutionen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit unterstützen würden. CSOs auf der anderen Seite wollten unbedingt mehr lernen und am Westbalkanprojekt teilnehmen. MCIC hat 19 Organisationen beschrieben, die bereits entwicklungspolitisch engagiert oder interessiert sind, von denen 15 an den verschiedenen Projektaktivitäten teilnahmen. Ihr Engagement und ihre positive Energie wird hoffentlich nach Projektabschluss fortleben und sie werden Bereitschaft zeigen, staatliche Institutionen zu unterstützen, aber auch deren Arbeit zu überwachen, und daran mitarbeiten, die SDGs umzusetzen.  Es gab auch umfangreiche Diskussionen über die Schaffung eines Netzwerks für die Umsetzung aller SDGs, doch das ist noch ganz am Anfang. Gegenwärtig gibt es wenig Einbeziehung der Zivilgesellschaft in diese Prozesse und das sollte ein klare Aufforderung sein, aktiv zu werden.

 

Was nimmst Du persönlich mit?  

Zu Beginn des Projekts in Mazedonien wusste ich sehr wenig über Entwicklungszusammenarbeit, kannte mich aber ganz gut mit dem NGO-Umfeld der Zivilgesellschaft und seinen Herausforderungen aus und wusste um die vergangenen Anstrengungen und Perspektiven meiner Organisation Bescheid. Vor zwei Jahren, als ich mit meiner Kollegin Ilina Nesikj von BCSDN über die Bedeutung des Themas sprach und wo Mazedonien steht, oder wie CSOs in anderen Ländern ihren Beitrag leisten können, war ich mir sicher, dass dieses Projekt eine interessante Reise sein würde, vor allem angesichts der bisher tiefsten politischen Krise in meinem Land. Seit diesem Tag bin ich gemeinsam mit anderen weit gekommen. Einige inspirierende Leute von anderen CSOs haben mich da begleitet und werden hoffentlich weitermachen mit ihren Organisationen. Was ich schätze ist, dass ich Leute in Diskussionen anregen und dafür sensibilisieren konnte, wie ein Entwicklungsland wie unseres selbst einen Beitrag für die globale Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit leisten kann. Dazu gehört auch, was zivilgesellschaftliche Organisationen tun können, insbesondere, wenn es um eine sinnvolle Einbeziehung in die SDGs geht. Mir ist bewusst, dass ich nach zwei Jahren gerade mal an der Oberfläche dieses dynamischen Konzepts von Entwicklungszusammenarbeit kratze, genauso wie die Regierung von Mazedonien auch. Ich glaube aber auch, dass es nie zu früh ist, sich Wissen über globale entwicklungspolitische Zusammenhänge anzueignen und zu teilen.

Vielen Dank für das Interview!

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