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Bianca Wulz ist zurück und schon wieder weg!


Die Kärntnerin Bianca Wulz befand sich seit Ende Oktober 2015 bis Ende Oktober 2018 mit HORIZONT3000 auf Projekteinsatz in El Salvador, Zentralamerika. Dort arbeitete die Sozialarbeiterin in der Partnerorganisation FUNDESYRAM (Fundación para el Desarrollo Socioecónomico y la Restauración Ambiental), die sich den Schwerpunkt zur Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung im Westen von El Salvador gesetzt hat.

Bianca, du bist seit kurzem zurück. Hat dich ein Kulturschock ereilt?

Nein, ganz und gar nicht denn ich bin nur auf Urlaub zurück in Österreich. Anschliessend geht es für mich wieder zurück nach El Salvador und dann weiter nach Costa Rica. Das kalte Wetter bin ich von meinem Bergdorf in El Salvador gewöhnt und in der Urlaubsphase freut eine sich über gutes Essen, gute Schockolade, Familie und gute Freunde und Freundinnen.

Du warst fast 3 Jahre in El Salvador, überwiegt der Wehmut oder Freude? Wie war dein Gefühl zum Abschied?

Mir hat mein Leben in El Salvador sehr viel Spass gemacht. Genauso Beruflich wie auch Privat habe ich die Zeit sehr genossen, gut genutzt und viel gelernt. El Salvador ist unglaublich vielfältig – genauso wie meine Arbeit. Ich gehe eindeutig mit Wehmut aber auch mit Vorfreude auf Costa Rica.

Deine positivste Erinnerung…. Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wir haben es in den letzten drei Jahren bestimmt geschafft die Jugendgruppen mehr zu vernetzen. Es war bereits ein Jugendnetzwerk vorhanden und gemeinsam mit meinen Kolleginnen gründeten wir ortsbezogene Sub-Netzwerke die unabhängig von dem großen Netzwerk funktionieren – aber gemeinsam der Kern des Jugendnetzwerkes sind. Und wir schafften es das Jugendnetzwerk als NGO zu legalisieren. Ebenfalls konnten einige Ausbildungsplätze und Kurse für Jugendliche und Frauen gefunden und genutzt werden, was mich persönlich am meisten freut, da sie durch ihre Weiterbildung Chancen auf ein eigenes Einkommen und somit finanzielle Unabhängigkeit bekommen. Für die meisten Jugendlichen ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt sehr schwer da die Ausbildung am Land meist mit der Grundschule endet. Frauen werden von ihren Partnern oft daran gehindert ein eigenes Einkommen zu erwerben um ihre Unabhängigkeit zu verhindern. Es braucht sehr viel Arbeit und Zeit diese machistischen Strukturen zu bearbeiten bzw. zu verändern und Frauen genauso wie Männern ihre Rechte zuzusprechen, wahrzunehmen und einzufordern.

Was war Deine größte Herausforderung oder Problem?

Die größte Herausforderung für mich war es mich in ein Team der Partnerorganisation FUNDESYRAMs zu integrieren. Mein Arbeitsauftrag war es mit Jugend- und Frauengruppen des gesamten Westens zu arbeiten. Insgesamt hat die Partnerorganisation drei Standorte im Westen und ich hüpfte das erste Jahr zwischen den drei verschiedenen Büros und den jeweils umliegenden Dörfern wo sich die Zielgruppen befinden umher. Nachdem mir etwas schwindlig wurde von dem ganzen hin und her, beschlossen wir das ich mich fix in ein einziges Team integriere und von da an machte mir meine Arbeit noch mehr Spaß und ich konnte gezielter mitwirken.

Persönliches Resümee?

Mein persönliches Resümee ist, dass die Projektarbeit und die Umsetzungsweise von der Partnerorganisation FUNDESYRAM sehr sinnbringend ist und ich persönlich es gut geschafft habe mich in ein Team zu integrieren um bei der Durchführung der Projekte mitzuwirken und verschiedene Prozesse anzuregen. Meine Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht, mir wurde viel Freiheit und Vertrauen in der Umsetzung zugesprochen und ich habe unglaublich viel Gelernt. Dafür bin ich FUNDESYRAM sehr dankbar.

Was hat dich an der Projektarbeit persönlich bewegt, geprägt oder verändert?

Die Nähe, Offenheit und Begeisterung der Menschen. Wenn eine bedenkt das ich vom anderen Ende der Welt komme, ist es ein unglaubliches Privileg in den verschiedenen Dörfern willkommen zu sein und darüber hinaus das Vertrauen der Leute geschenkt zu bekommen mit ihnen über ihren Alltag und über ihre Probleme zu reden bis über die finanzielle Situation der Familie und wie diese verbessert werden könnte. Die Leute in El Salvador sind unglaublich zielstrebig und ausdauernd beim Arbeiten, versuchen jede Idee umzusetzen ohne zu wissen ob es wirklich bezahlt macht oder nicht. Diese Eigenschaft, nichts unversucht zu lassen, sehe ich als unglaublich Wertvoll an und hat mich sicherlich verändert und geprägt.

 Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?

Seid neugierig und vorsichtig. Neugierig weil das Land und die Natur einfach wunderschön sind und es unglaublich viel Freizeitangebote gibt und ebenfalls neugierig in der Projektarbeit um verschiedene Prozesse verstehen zu können und Veränderungen anstoßen zu können. Vorsichtig, da die Bandenkriminalität leider nicht zu unterschätzen ist – jedoch lernt eine schnell damit umzugehen. Mit eigenem Auto lassen sich Risiken sehr minimieren und außerdem sind die öffentlichen Verkehrsmittel nicht so gut ausgebaut und sehr Zeitaufwendig.
Das wichtigste jedoch ist: Genießt die Zeit und das Land in vollen Zügen.

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