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Coronabedingt zurück vom Einsatz: Johann Mandlberger (NIC)


War dein Zeit im Einsatz so, wie du dir die Sache davor vorgestellt hast?
Johann: Im Grunde ja, da ich ja schon viele Jahre auf Einsatz war und ich auch weiß, dass gewisse Sachen nicht vorhersehbar und planbar sind, auch mit der besten Planung im Rucksack. Wir haben dies ohne Zweifel in den letzten Jahren in Nicaragua erlebt. Meine Partnerorganisation ist eine erfahrene Organisation die schon einiges an Jahren hinter sich hat und auch mit der internationalen Kooperation zusammengearbeitet hat.
Ich kann auch von einer guten Vorbereitung von Seiten unserem HORIZONT3000 berichten. Das Team Wien und alle Sachen, die darüber abgehandelt werden mussten, und unser Regionalbüro, welches die entsprechenden Richtlinien vorgibt. Dann die Ergebnisse der entsprechenden Vorarbeiten, aber auch die entsprechende Flexibilität, auf nötige Änderungen zu reagieren und darauf einzugehen um mit allen involvierten die entsprechenden Ziele zu erreichen. Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld waren für mich ausreichend und gut bestückt. Da ja auch ein guter Teil meiner Arbeit in den Naturschutzreservaten war, hatte ich (wennst‘ das Landleben magst …) optimale Bedingungen.
Im Endeffekt lässt es sich auf Wesentliche reduzieren: Passt das Team, passt der Rest. Zum Glück gibt es noch Momente, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht.

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig?
Johann: Was bleibt? Für mich, Genugtuung, dass meine aufgewendete Kraft und mein Einsatz einem Teil der Menschheit im Einsatzland und auch in Österreich nutzt und genützt hat.
Was bleibt? Verschiedenste Elemente, Hardware wie Software, angefangen von Solartrockner in den Kaffeegebieten, eine Honig-Abfüllanlage in einem Reservat, Imker und ihre Bienenvölker, Kurse und Workshops verschiedenster Themengebiete, die organisiert und abgehalten wurden und vieles mehr.
Was bleibt ist auch, in einer Organisation mitgearbeitet und diese beraten zu haben, in der freiwilliger Naturschutz in Einbeziehung des Menschen oberstes Ziel ist. Auch wenn es eine Herausforderung bleibt, ihre Programme wie Umwelterziehung, nachhaltige Produktion, Tourismus, Monitorstationen für Biodiversität und die damit verbundene Arbeitsplatzschaffung in und um die Naturschutzgebiete umzusetzen.
Solange diese Organisation bestehen bleibt, in der es gilt die Umwelt, die Habitate der darin lebenden Lebewesen – also auch uns Menschen – zu erhalten und zu schützen, bleibt ein Teil meiner Arbeit vor Ort.
Doch … solange wir den Satz von Einstein nicht verstehen oder verstehen wollen, in dem er uns relativ klar sagt, dass, sollte die Biene aussterben, die Menschheit nur noch vier Jahre hat, ist es umso wichtiger neben allen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen und Ansatzpunkten diesen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren … denn alle Erfolge auf politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ebenen sind null und nichtig, wenn‘s keine Bienen mehr gibt.

Deine größte Herausforderungen, Hindernisse, Probleme?
Johann: Die sozialpolitische Krise in Nicaragua, die im Arbil 2018 begonnen hat und noch immer präsent ist. Und die damit einhergehenden Veränderungen im Leben und Arbeitsalltag, z. B. blieb mein Arbeitsauto nach einem Arbeitseinsatz, drei Monate an der Atlantikküste eingesperrt oder ausgesperrt von Rest Nicaraguas, je nach Standpunkt. Ich konnte an diesen Tagen auf dem Landweg nicht mehr zurück nach Hause. Tage danach flog ich zurück, das Auto blieb.
Und jetzt, mit Corona, zu wissen, dass wir nicht einfach reisen können, dich nicht in den Flieger setzen und zu den Deinen fliegen zu können.

Was hat dich am meisten persönlich bewegt?
Johann: Meine Eltern sind in den letzten Jahren während meines Einsatzes von uns gegangen.

Was nimmst du als Lernerfahrung mit nach Hause?
Johann: Toleranz, Geduld, ein beidseitiges Lernen und Respekt, und es gibt „das Gute“!

Was machst du als nächstes?
Johann: Einen Kurs auf der Universität: „Management von Naturschutzgebieten“.

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?
Johann: Offen sein. Vorurteile in der Schublade lassen. Positiv sein und positiv denken, auch wenn vieles nicht so geht, wie man will. Wir sind Gast und bleiben Gast. Du sein … die anderen spüren sowieso, wer‘s bist.


Zur Person
Nach der Ausbildung zum Möbel- und Innenausbauer hat Johann Mandlberger schon früh den ersten Schritt nach Nicaragua gesetzt und Tischlereigenossenschaften beraten. Danach arbeitete er als Berater für eine Stiftung einer technischen Schule und begleitete diese, gemeinsam mit lokalen Organisationen und Betrieben, bei der Zertifizierung mit FSC. Darüber hinaus unterstützte er die Wertschöpfungskette Holz und die Genossenschaftsentwicklung Nicaraguas. Weiteres arbeitete er als Berater für lokale Forstbewirtschaftungsmodelle mit Bürgermeistereien in der Atlantik Region Nicaraguas.

Ziel der Personaleinsatze
„Private Naturschutzgebiete“ stehen für die Erhaltung der Artenvielfalt, eine umfassende nachhaltige Entwicklung und als Referenz zur Erhaltung unseres Naturerbes für die nächsten Generationen.
Ziel ist es Initiativen von Geschäftsideen und die Gründung von Unternehmen mit Privaten Naturschutzgebieten (RSP) und anderen AkteurInnen in Schutzgebieten und biologische Korridore zu unterstützen, Arbeitsplätze vor Ort zu generieren und Einkommen für die lokalen Akteure zu schaffen. Weiteres werden Mechanismen erarbeitet um die Beratung und Begleitung von Betriebsgründungen zur Stärkung und selbstständige Tätigkeiten auf lokaler und nationaler Ebene zu fördern und zu verbreiten.

Partnerorganisation
Die Organisation RED de Reservas Silvestres Privadas ist eine Körperschaft von Privaten Naturschutzgebieten. Die Eigentümer dieser privaten Immobilien haben ein starkes Interesse für Umweltschutz und haben sich für die Erhaltung, den Schutz und die Wiederherstellung der natürlichen Ressourcen in ihrer lokalen Umgebung entschieden.
Von Seiten des Ministeriums für Umweltschutz und natürliche Ressourcen (MARENA) gibt es eine Verordnung, welche private Initiativen zur freiwilligen Einhaltung von Naturschutzauflagen akkreditiert und überwacht.
Durch die Erfüllung der Auflagen und der Vergabe des Rechtstitels „Private Naturschutzgebiete“ sind sie Teil des Nationalen Systems von Naturschutzgebieten (SINAP) Nicaraguas und tragen, obwohl privat, direkt zu einem öffentlichen Zweck bei.
Das Engagement ist das natürliche und kulturelle Erbe zu erhalten, ein Modell mit ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung zu entwickeln und durch die ökonomische Vernetzung die Lebensbedingungen der umliegenden Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.
Das RED hat verschiedene Strategien zur Erhaltung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit entwickelt. In diesem Sinne fördert das RED innovative Wege für lokale Akteure Einkommen zu generieren, ihre Lebensqualität zu verbessern und die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen zu verringern.

Mitgliedsorganisationen