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Die Weberinnen vom Lago Atitlán


In keinem Land Mittelamerikas wird so konsequent und stolz Tracht getragen wie in Guatemala. Ein Zentrum der Webkunst sind die Maya-Dörfer rund um den malerischen Atitlán-See. Das Gewässer ist heute allerdings so stark verschmutzt, dass es zu kippen droht. Eine Gruppe von Weberinnen verbindet Tradition mit Umweltschutz.

Alexander von Humboldt nannte den auf 1600 Metern gelegenen Lago Atitlán einst „den schönsten See der Welt“. An seinem Ufer liegen fünfzehn beschauliche Dörfer, die hauptsächlich von Nachkommen der Maya besiedelt sind. Für Reisende aus aller Welt ist die Region ein Fixpunkt und zahlreiche AussteigerInnen haben sich mit einem Café, Hostal oder einer Yoga-Schule eine bescheidene Existenz aufgebaut. Doch das vermeintliche Paradies ist in Gefahr. Die Bauern verwenden reichlich Kunstdünger und Pestizide, die mit dem Regen in den See gelangen. Das Gewässer hat keinen natürlichen Abfluss und so sammeln sich immer mehr Schadstoffe an. Zudem ist Guatemala in der Hand einiger weniger Familienclans, die wenig Sinn für das Gemeinwohl haben. So verwundert es nicht, dass Müll wild deponiert wird und Abwässer ungeklärt in den See fließen. Die Institutionen sind schwach und öffentliche Mittel fehlen. Wegen der Verschmutzung breiten sich – besonders in der Trockenzeit – Blaualgen explosionsartig aus. Die Algenplage hat die indigene Bevölkerung zutiefst erschüttert und langsam setzt ein Umdenken in Umweltfragen ein. So wurde in San Pedro de la Laguna gegen den Widerstand der Kunststofflobby ein komplettes Verbot von Plastikverpackungen erlassen. Zudem gibt es immer mehr Initiativen für eine ökologische, nachhaltige Landwirtschaft, die auch von HORIZONT3000 unterstützt werden.

Kunsthandwerk ohne Chemie

Mit ihren bunten Farben stechen die traditionellen Trachten der Mayas ins Auge. In die Stoffe werden oft Motive ihrer Kosmovision eingestickt, etwa Tiere oder Symbole aus der Natur. Getragen werden die Trachten vor allem von Frauen und Mädchen. Je nach Dorf und Region gibt es verschiedene Elemente, die variieren. In San Juan de la Laguna haben sich die Frauen zur Kooperative ACOPROA zusammengeschlossen. In Gemeinschaftsarbeit werden Decken, Blusen und Schals hergestellt. Farbspender sind immer Pflanzen und Rinden. „Wir arbeiten ohne Chemie, so wie unsere Vorfahren“, sagt Juana Mendoza. Chemische Textilfarbstoffe sind zwar kostengünstig und praktisch. Doch nicht wenige sind krebserregend oder biologisch nicht abbaubar. Immerhin drei Tage Arbeit sind notwendig, um die Fäden auf natürliche Weise einzufärben. Doch der Aufwand lohnt sich auch finanziell. „Es gibt heutzutage viele billige Imitate unserer Tracht. Aber man sieht den Unterschied. Viele Touristen sind bereit, etwas mehr für höhere Qualität und eine nachhaltige Herstellung auszugeben“, erklärt Juana Mendoza.

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