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El Salvador: Neues Zentrum für bedrohte Aktivistinnen


Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation sind 35 Prozent aller Frauen von Gewalt oder sexuellen Übergriffen betroffen. Machistische Gewalt gibt es in allen Staaten, Kulturen und Gesellschaftsschichten, doch in Entwicklungsländern ist das Ausmaß ungleich höher. Während in Westeuropa etwa 23 Prozent der Frauen betroffen sind, liegt der Schnitt in ärmeren Gegenden deutlich über einem Drittel.

Eines dieser Länder ist El Salvador. Reisende verschlägt es nur vereinzelt in den kleinen Staat in Mittelamerika, dabei hätte er einiges zu bieten: malerische Küsten, exzellenten Kaffee und gastfreundliche Menschen. Doch traurige Berühmtheit hat das Land vor allem durch seine ausufernde Bandenkriminalität erlangt. El Salvador hat eine der höchsten Mordraten der Welt.

Im Vergleich zum Rest des Landes ist die Sicherheitslage im kolonialen Städtchen Suchitoto deutlich besser. Doch auch hier leiden viele Frauen unter Gewalt und Unterdrückung. Vor sechs Jahren hat deshalb eine Handvoll Frauen die „Colectiva Feminista“ gegründet – ein Verein, der Gewaltopfer juristisch, psychologisch und finanziell unterstützt. „Die meisten von uns haben sehr schlimme Dinge erlebt. Aber das ist vorbei, wir konnten uns befreien. Heute sehe ich es als meine Aufgabe anderen Frauen zu helfen, die nicht den Mut oder das Wissen dazu haben“, sagt eine der Aktivistinnen.

suchitoto stencil 2Bekanntheit erlangte das Kollektiv vor allem durch seine groß angelegten Graffiti-Aktionen: „In diesem Haus wollen wir ein Leben ohne Gewalt gegen Frauen“ ist an unzähligen Häuserfronten in Suchitoto zu lesen. Wegen ihres Engagements für Frauenrechte gilt die Stadt heute als Vorbild in Lateinamerika. Früher wurde bei Gewalttaten oft den Opfern die Schuld gegeben und Anzeigen wurden einfach fallen gelassen. Doch das hat sich geändert, seitdem es – dank der Colectiva Feminista – speziell ausgebildetes Personal bei der Polizei von Suchitoto gibt. „Wir achten sehr genau darauf, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird”, meint Veronica Salazar, eine der Leiterinnen des Vereins.

Doch Frauen die aufbegehren, setzen sich natürlich der Gefahr von Racheakten aus. Das gilt besonders auch für jene, die in Frauenorganisationen arbeiten. In Suchitoto gibt es deshalb ab sofort die Möglichkeit, dass jene Frauen aus Mittelamerika, die auf Grund ihres Engagements in eine riskante Situation kommen, kurzfristig mit ihrer Familie Unterschlupf finden. Ein Frauenhaus, speziell für Aktivistinnen.

IMG_6626Veronica Salazar präsentiert stolz das neue Gebäude. „Wir wollten auch ein schönes, ungewöhnliches Design. So haben wir uns letztendlich für die Bauweise mit Lehm und Bambus entschieden. Die Verwendung des Naturmaterials hat zudem Kosten gespart und das Grundstück wurde uns von der Regierung zur Verfügung gestellt.“ Neben der Frauenherberge befinden sich auch Büros und ein Konferenzraum in dem Gebäude, ein Café ist in Planung. Diese Kombination soll zur finanziellen Unabhängigkeit der Organisation beitragen.

Unterstützung bekommt die Colectiva Feminista auch von der Gemeinde Suchitoto. Pedrina Rivera ist die erste BürgermeisterIN und das Frauenthema ist ihr – trotz eines sehr engen Budgets – ein persönliches Anliegen. „Für uns ist es ein Privileg, dass wir mit einer so guten Organisation zusammenarbeiten können. Und wir sind natürlich auch der internationalen Kooperation sehr dankbar.“ Co-Finanziert wurde das Zentrum von der Europäischen Union, der Austrian Development Agency, der katholischen Frauenbewegung und HORIZONT3000 begleitet das Projekt.

Hier ein paar Eindrücke von der „inoffiziellen Eröffnung“ des „Zentrums für eine integrale Entwicklung von Frauen“. Der offizielle Festakt fand am 08. März, dem Weltfrauentag statt.

Projekt: “Protección integral a defensoras de DDHH y luchadoras sociales salvadoreñas” (IFS-RRM/2014/353-004)

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