von Ulrike Bey

Entwicklungszusammenarbeit in Serbien


Kategorien interview, vor ort

In unregelmäßiger Folge stellen wir unsere Projektpartner im Westbalkanprojekt und Hintergründe ihrer Arbeit vor.

Đurđa Đukić von Civic Initiatives ist eine der beiden ProjektkoordinatorInnen in Serbien. Civic Initiatives ist ein Zusammenschluss von BürgerInnen für Demokratie und bürgerliche Erziehung. Seit über 20 Jahren engagiert sich Civic Initiatives für die Stärkung der Zivilgesellschaft durch Bildung, Demokratieförderung und Förderung einer aktiven Gesellschaft.

 

 

Wie steht es um Entwicklungszusammenarbeit in Serbien?

Serbien hat eine wichtige aber etwas in Vergessenheit geratene Tradition der Entwicklungszusammenarbeit. Beispielsweise war das Land als Teil des ehemaligen Jugoslawiens und seiner Entwicklungszusammenarbeit in den 1970er und 1980er Jahren führend im Rahmen der Blockfreien Bewegung, vor allem in Afrika.

Heute gibt es keine Kapazitäten und Erfahrungen in der Zivilgesellschaft bezüglich der praktischen Entwicklungszusammenarbeit. Überdies kennen sich Regierungsinstitutionen mit dem Thema und der Rolle des Staates als Geber noch nicht aus und das Ganze ist ziemlich weit unten auf der politischen Agenda. Serbien hat aber sehr viel Erfahrung als Empfängerland und NGOs und Regierung besitzen Expertise in der Programmierung internationaler Entwicklungszusammenarbeit, ein Mehrwert, der in zukünftige Strategien und Gesetze einfließen sollte.

 

Serbien befindet sich im Prozess der Beitrittsverhandlungen mit der EU und und muss Gesetze und Richtlinien entwickeln. Welche Rolle spielen die Sustainable Development Goals dabei?

Die Frage der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe wird im Kapitel 30 im EU-Verhandlungsprozess diskutiert. In diesem Prozess ist Serbien bereit, Entwicklungspolitik und ergänzende Gesetzgebung zu erarbeiten, eine von der Regierung gebildete Arbeitsgruppe soll jetzt das Gesetz dazu entwerfen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, eine Strategie zu erarbeiten, welche die Richtlinien im Bereich Entwicklungszusammenarbeit weiter definiert. Kapitel 30 wird voraussichtlich Ende 2017 oder Anfang 2018 geschlossen, das heißt es ist jetzt die Gelegenheit für CSOs sich aktiv einzubringen.

Die SDG Agenda bildet einen wichtigen Rahmen und zukünftige Entwicklungsstrategien sollten damit verknüpft werden. Allerdings hat Serbien hierbei noch nichts erreicht, eine Sektor übergreifende Arbeitsgruppe wurde eingerichtet, um die Umsetzung zu koordinieren und zu überwachen. Von CSO ExpertInnengruppen gibt es einige Analysen, wie die SDGs im serbischen Kontext angewandt werden können.

Da Serbien noch am Anfang von sowohl Umsetzung des entwicklungspolitischen Rahmens der EU als auch der SDGs steht, wäre es wichtig, die Prozesses des EU-Beitritts und Umsetzung der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu verknüpfen. Denn dadurch würden Serbiens Prioritäten mit zwei wesentlichen Rahmenwerken verbunden und kohärente Entwicklungsstrategien und –politiken gefördert werden.

Was hat das Westbalkanprojekt der serbischen Zivilgesellschaft gebracht?

Die bisherigen Erweiterungswellen bieten wertvolle Lektionen, um die Herausforderungen hinsichtlich Entwicklungszusammenarbeit und Humanitärer Hilfe im Kontext der EU-Erweiterung zu meistern, insbesondere die Erfahrungen aus Kroatien und Slowenien. Das Westbalkanprojekt hat Gelegenheiten für den Erfahrungsaustausch zwischen beteiligten CSO-ExpertInnen geschaffen.

Der Hauptfokus der Projektaktivitäten waren Bewusstseinsbildung und Kapazitätsentwicklung für serbische NGOs, um eine kritische Masse dafür zu bilden. Ein Multiplikatoreffekt ist durch die Verbindung mit CSOs in der Arbeitsgruppe 30 innerhalb des Nationalkonvents für die EU entstanden, dem offiziell anerkannten Mechanismus für CSOs, sich in den Verhandlungsprozess einzubringen.

Das informelle CSO Netzwerk als ein Ergebnis des Projektes bringt sich weiter ein bei der Formulierung des Gesetzes und der Strategie zur Entwicklungszusammenarbeit sowie durch Einflussnahme auf den Verhandlungsprozess. Es ist auch total wichtig, den begonnenen Dialog mit der Regierung, insbesondere dem Außenministerium und anderen relevanten Stellen  noch zu verbessern.

Zukünftige Projekte legen den Schwerpunkt auf das Monitoring der erhaltenen Entwicklungshilfe und die Aufbereitung von Lessons Learnt als Empfehlung für die Gestaltung der Entwicklungsprioritäten in der Zukunft. Der Plan ist, auf regionaler und europäischer Ebene durch die Teilnahme an Projekten präsent zu bleiben, um den Erfahrungsaustausch weiter zu fördern.

Eine der wichtigsten Aufgaben ist es aber, eine größere Beteiligung der Menschen zu erreichen und zu einem Bewusstseinswandel beizutragen, und zwar durch eine Investition in entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Mitgliedsorganisationen