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Hannes Eder nach 5 Jahren zurück aus Kenia


Du bist seit kurzem zurück. Hattest du nach deiner Rückkehr einen Kulturschock?

Hannes Eder: Ich hatte zweimal einen Kulturschock, das erste Mal als ich nach 13 Monaten zurück nach Österreich kam – ich war noch nie solange weg – und am Flughafen in München gleich wieder umdrehen wollte. Ich hab das ganze Leben bei uns wieder gesehen, wie alle gestresst sind und durch den Flughafen rennen. Dann bin ich weiter nach Hause und nachdem ich ein paar Tage dort war hab ich mir gedacht, ich kann da nie wieder runterfahren (Anm. nach Kenia). Also das war ganz wild. Aber nach 2 Wochen hab ich mich dann wieder richtig gefreut, dass ich wieder nach Kenia fahren darf.
Jetzt nach 5 Jahren Einsatz ist es schlimmer – aber nicht weil ich von unserer Kultur geschockt bin – sondern da ich einfach weiß, dass es jetzt zu Ende ist. Und ich fühl mich das erste Mal heimatlos und hab fast das Gefühl, dass meine Heimat – müsste ich mich entscheiden – eher Afrika ist. Aber ich kann ja privat runter fahren und dort Urlaub machen.
Das Leben in Afrika geht mir ab, ich hab viele afrikanische Freunde und ich glaub mich haben in Kitale viele Leute gekannt, da ich einfach auf der Straße jeden gegrüßt hab, und es gab nicht so viele Mzungus (Anm. „Weiße“) in Kitale. Meine erste Bewerbung vor 21 Jahren war schon beim ÖED – bei der Vorgängerorganisation von HORIZONT3000 – und sie haben damals zu mir gesagt, ich brauche Berufserfahrung und 16 Jahre später hab ich dann die Arbeit bekommen, die ich von Anfang an wollte.

Erwartungen vs. Realität nach 5 Jahren Einsatz?

Hannes Eder: Ich hatte sehr wenige Vorstellungen wie das dann wirklich ablaufen wird, auch wenn ich mich vorher intensiv informiert hab. Ich hab mir versucht eine Struktur zurecht zulegen, wie ich die Bauern im Marketing unterrichten könnte, bin aber nach einiger Zeit draufgekommen, dass das zu tief greift. Die grundsätzliche Herausforderung war, dass die Bauern erst einmal ihre Tätigkeit als Beruf sehen und nicht einfach als das, was sie tun. Einfach einen Stolz für ihre Arbeit zu entwickeln und natürlich auch für ihre organischen Produkte, die sie am Markt anbieten und nicht einfach hinlegen und warten, bis ein Kunde sie möchte. Ich hab ihnen gesagt, dass ich das nicht kann und dass das eine Fähigkeit ist, die ich nicht habe, auch wenn ich vielleicht andere Fähigkeiten habe. Ich hab dann Beispiele aus Europa gebracht, wo Menschen in Büros bei schlechtem Licht sitzen und keine gute Luft atmen, und welche Vorteile es haben kann, in der freien Natur zu arbeiten, sein eigener Herr zu sein und von niemandem abhängig zu sein, außer vom Wetter – aber das war in meiner Gegend kein Thema, da es so viel regnete.

Was bleibt von deiner Arbeit?

Hannes Eder: Ich hoffe vieles, materielles und imaterielles. Viele schöne zwischenmenschliche Gefühle, und ein paar Dinge wie das Guesthouse, ein Auto und ein Motorrad, da ich im Fund-raising für die Organisation tätig war, sowie unzählige Dokumente, Fotos und die Website.

Größte Herausforderung?

Hannes Eder: Bei vielen Schicksals- und Krankheitsfällen im Umfeld nicht eingreifen zu können, da das alle finanziellen Möglichkeiten bei weitem sprengt. Ansonsten vor allem Korruption, Korruption und wieder Korruption – es gibt fast keinen öffentlichen Bereich, der von ihr nicht erfasst ist, sei es die Polizei, Krankenhäuser, Schulen oder die Wasser- und Stromversorgung. Ich bin immer mit dem Motorrad gefahren, da einen die Polizei dann nicht aufhält, aber mit dem Auto wird man häufig willkürlich bestraft. Andere Herausforderungen im täglichen Leben waren zum Beispiel kein fliessendes Wasser oder neun Monate Regen im Jahr, aber daran gewöhnt man sich.

Was hast du jetzt vor?

Hannes Eder: Ich wollte mir eine Auszeit nehmen und Spanisch lernen, mein Französisch auffrischen und auch wieder was für meinen Körper tun, da es in meiner Gegend kaum Bewegungsmöglichkeiten gab – freie Flächen darf man wegen Trespassing (Anm. unerlaubtes Betreten eines Grundstücks) nicht betreten und dann bleiben nur die Straßen – wo man natürlich alle paar Meter angesprochen wird und manchmal stehen bleiben muss, also bleiben nur die Nationalparks, und ich wollte nicht immer in den gleichen fahren.

Was würdest du einem Ausreisenden auf den Weg mitgeben?

Hannes Eder: Alles was die Leute vor Ort tun hat einen Grund und einen Sinn, das ist ja bei uns auch nicht anders, und solange man den Grund nicht verstanden hat ist es vorteilhaft, sich zurückzuhalten und nicht gleich loszulegen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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