von Hans Tatzl

Im Einsatz in Ecuador


Jedes Mal ist es wieder ein Abschiednehmen von Familie und Freunden, wenn ich nach einiger Zeit in Österreich erneut auf Einsatz nach Ecuador fahre. Aber es ist gleichzeitig auch ein Zurückkommen in ein Land, das mir im Laufe der Jahr sehr vertraut und zu einer zweiten Heimat geworden ist. Ich fahre zurück auf die andere Seite der Erde zu Menschen  deren Kultur und Lebensweise komplett unterschiedlich ist zu der unseren, deren Leben sich zumeist sehr einfach und ohne materielle Güter abspielt, aber nicht minder fröhlich.
Und die mich trotz meiner „Andersartigkeit“ in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben.

Pedro Carbo

Das INESEM in Pedro Carbo, die Schule für geistig behinderte und gehörlose Kinder, hat  sich im Verlauf der Jahre sehr gut entwickelt. Durch das große Engagement der leitenden südkoreanischen Schwestern und mit Hilfe finanzieller Untertützung aus Südkorea konnten verschiedene bauliche Erweiterungen und Modernisierungen durchgeführt werden. Unter anderem war es dieses Jahr mögich Nähmaschinen und einen Backofen für Arbeitswerkstätten anzuschaffen, in denen die Jugendlichen im Hinblick auf Berufsmöglichkeiten geschult werden.

Der Kinderspielpatz, seit mehreren Jahren desolat und mit zum Teil kaputten Geräten, konnte heuer mit Hilfe der Erzdiözese Wien komplett neu und kindergerecht gestaltet werden.

Nach vielen Diskussionen mit dem Ministerium um die Gestaltung des Vertragstextes ist es im Frühjahr in letzter Minute endlich gelungen den Vertrag zwischen Österreich und der Einsatzstelle INESEM zu erstellen, womit die Entsendung von freiwilligen Burschen und Mädchen, die inzwischen eine gute Unterstützung und wertvolle Bereicherung im Schulbetrieb darstellen, auch in den nächsten Jahren sichergestellt ist.

Immer wieder vor neue Herausforderungen stellt mich die Beschaffung der Visa für die Freiwilligen, da sich die Anforderungen seitens Ecuador laufend ändern und verkomplizieren und das Beschaffen sämtlicher Unterlagen, trotz tatkräftiger Unterstützund der Erzdiözese Guayaquil und des österr. Konsulates, zu einem ziemlich komplexen und zeitintensiven Prozess geworden ist.
Ich strebe für die Zukunft eine einheitliche und koordinierte Vorgehensweise für sämtliche Freiwillige der Caritas in Ecuador an.

Durch Delegation von Klassen an die Freiwilligen ist es mir möglich, mich verstärkt anderen Projekten zu widmen. Ich habe mir im INESEM einige „Key-Klassen“ behalten und gebe nach wie vor die inhaltliche Ausrichtung der von uns Österreichern betreuten Gegenstände vor. Mir ist es wichtig neue Ideen und Methoden in den Unterricht einzubringen, die Jugendlichen (und Professoren) mit neuem Wissen zu konfrontieren und sie vor neuartige Anforderungen zu stellen.

Computerwissen ist in Ecuador noch sehr minimal, weshalb schon Basiskenntnisse in diesem Bereich ein echtes Stück Zukunft für die Jugendlichen bedeuten. Ganz besonders in entlegenen Regionen fehlt es an Wissen und an Geräten und mit einem Rucksack voll Laptops, mit dem ich von Schule zu Schule ziehe und Professoren wie Schüler unterrichte, kann ich – zumindest in kleinem Rahmen – Unterstützung leisten.

 

Die Ecuadorianer (besonders hier im Küstentiefland) sind es nicht gewohnt zu reisen bzw sich ausserhalb ihrer vertrauten Umgebung aufzuhalten. Der Selva (Urwald), obwohl lediglich einige hundert Kilometer entfernt, ist ihnen ebenso unbekannt wie in der Regel uns Europäern. Aus diesem Bewusstsein heraus ist in Zusammenarbeit mit der Professorin eines Colegios die Idee entstanden, den Jugendlichen in einer Foto-Präsentation von meinem Leben und meiner Arbeit dort zu erzählen und ihnen die Kultur, Lebensgewohnheiten und Probleme der dort lebenden Bevölkerung näherzubringen.

Es war ein schöner Erfolg, das Interesse der Schüler war sehr gross und die Klasse wollte spontan unterstützen. Sie haben mir mehrere Säcke Kleidungsstücke die sie gesammelt haben für San Miguel übergeben, was mich im Hinblick auf den Transport aller meiner Sachen vor ein gewisses logistisches Problem gestellt hat 😉

Die Idee, mit der gesamten Klasse für ein paar Tage nach San Miguel zu fahren um die Bilder die sie gesehen und Informationen die sie bekommen haben selbst zu erleben ist leider, trotzdem die Finanzierung gesichert war, letztlich an dem Widerstand der Eltern gescheitert. Die Bedenken vor der langen Reise und dem Urwald waren zu gross.

Mit Hilfe von Spenden aus Österreich habe ich schon vor mehreren Jahren im INESEM einen Fond geschaffen, der zur direkten Unterstützung und Förderung der Schüler gedacht ist. So ist es unter anderem möglich Patenschaften für einzelne bedürftige Kinder zu übernehmen und sie mit Fahrtkosten und Schulmaterialen zu unterstützen.
Seit heuer arbeite ich mit der Schulpsychologin einer weiteren Schule zusammen, um auch hier Familien in Notsituationen zu helfen.

San Miguel / Rio Cayapas

Die beiden neuen Freiwilligen (ehemals „Zivildiener“) die Ende August aus Österreich gekommen sind, sind  im INESEM eingeschult, die Planung der Klassen für das 2. Semester erstellt – Zeit für mich noch 1 Monat nach San Miguel zu fahren bevor ich Mitte November wieder nach Österreich zurückfliege.

Die Dorfbewohner freuen sich, dass ich wieder gekommen bin – es ist schön wieder hier zu sein.

Der Computerraum eines Colegios weiter unten am Fluss ist verwahrlost, die PCs fast unbrauchbar. Es gibt schon seit einiger Zeit keinen Computerlehrer mehr, es wird aber dringend einer gesucht. Das war der Stand als ich voriges Jahr die Schule besucht habe. Es war eines meiner Vorhaben mich bei meinem nächsten Aufenthalt in San Miguel darum zu kümmern.

Der Zufall ist mir zu Hilfe gekommen in Form von Roberto, einem jungen ambitionierten Computerlehrer der, frisch von der Universität kommend, kurz vorher die Stelle im Colegio Loma Linda übernommen und bei mir in San Miguel gewohnt hat. Wir haben in der Folge sehr gut zusammengearbeitet, ich konnte ihn bei der Jahresplanung seiner Klassen sowie beim Unterrichten mit Methoden und Übungen gut unterstützen.

Nach einer sofort eingeleiteten Komplettreinigung des „Laboratoriums“ war es möglich 4 funktionierende PCs aus 15 kaputten zusammenzubasteln, angesichts der Klassengrößen von 35 Schülern äusserst bescheiden. Aber mit den 3 von mir mitgebrachten Laptops und dem eigenen von Roberto sind wir doch auf 8 Computer gekommen – immer noch weit entfernt von dem von mir immer angestrebten Verhältnis von 1:1.

Wir haben Fortschritte erzielt, es hätten aber mehr sein können, wären da nicht die unzähligen Gründe warum Unterricht ausfällt, oder es gibt einfach keinen Strom. Aber zumindest in dieser Hinsicht konnte ich mit dem Direktor die Lösung finden, dass in Zukunft in solchen Fällen ein Generator eingesetzt wird.

Das Interesse an Computer bei den Kindern und Jugendlichen in San Miguel ist seit meinem letzten Besuch erfreulich weiter gestiegen und, war der Unterricht bisher eine „Männerdomäne“, so ist der Anteil an Mädchen und Burschen jetzt ziemlich ausgeglichen. Da diesmal Vormittag Schule ist, unterrichte ich in SM am Nachmittag. Immer wieder kommen auch neue Jugendliche bei mir vorbei und fragen ob sie nicht ebenfalls Computerunterricht haben können.

Eines meiner Anliegen ist es, Voraussetzungen für Öko-Tourismus in der Region zu schaffen und zu fördern. Dazu gehört ein Angebot an unterschiedlichen Aktivitäten, die Besucher im unittelbaren Umfeld des Dorfes durchführen können, ebenso wie Möglichkeiten den Urwald und andere indigene Dörfer und Lebensformen im Zuge von neu zu eröffnenden Pfaden in einer sehr autentischen Art und Weise kennenzulernen.

Insbesondere möchte ich 2 Flussgebiete (Rio Cayapas, Rio Santiago), die mit San Miguel und Playa de Oro über zwei für den Tourismus interessante Orte mit bereits bestehender Infrastruktur verfügen, mittels eines Pfades durch den Urwald miteinander verbinden.

Ziel ist es, unter Einbeziehung weiterer am Weg liegender indigener Comunidades, innerhalb der Region verstärkt Angebote für einen individuellen Tourismus zu schaffen und die  Lebensgrundlage der dort lebenden Bevölkerung durch alternative Einkommen zu verbessern.

Aus Quito konnte ich mir detaillierte Militärkarten des Gebietes besorgen an Hand derer ich den Weg durch den Selva geplant und die Koordinaten ins GPS eingetragen habe. Somit habe ich einmal einen roten Faden dem ich folgen kann, wie es in der Natur dann tatsächlich aussieht wird sich zeigen – nächstes Jahr würde ich gerne damit beginnen.

 

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