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Klaus Brunner nach 7 Jahren Nicaragua wieder zurück


Klaus Brunner, ein TA mit dem wir von der Öffentlichkeitsarbeit viel Kontakt hatten über die Jahre, allein schon weil Klaus als Journalist gearbeitet hat, bevor er mit HORIZONT3ooo nach Nicaragua gegangen ist und ein Aug‘ für schöne Bilder hat. Aber nicht nur Fotos haben wir von ihm bekommen, sondern auch jede Menge Videos: Filme die er mit und für verschiedenste Partnerorganisationen gedreht hat, aber auch für Mitgliedsorganisationen wie die kfb oder für HORIZONT3000 hier in Wien.
Hier geht’s zum Überblick der Videos.

 

Als Klaus beim Debriefing in Wien im Büro war, haben wir die Gelegenheit für ein Interview genutzt:

Wie geht es Dir damit, nach sovielen Jahren Nicaragua zu verlassen?

Klaus: Ein lachendes ein weinendes Aug! Ich werde mit Nicaragua immer verbunden bleiben, aber es passt schon, dass jetzt wieder eine neue Etappe anfängt. Das war jetzt ein guter Zeitpunkt; ich denke wenn ich länger geblieben wäre, dann schafft man den Absprung nicht mehr. So passt das, jetzt kann ich in Österreich etwas Neues beginnen.

Hast Du jetzt Zeit für Dich?

Ich beginne mit 1. Februar schon in meinem neuen Job bei der Tirol Werbung. Was meinen beruflichen Weg angeht, war Nicaragua eine wahnsinnige Bereicherung. Ich war davor für FM4 Salzburg-Korrespondent, in Nicaragua waren meine Themen dann natürlich ganz andere, wie ich finde auch viel wichtigere und größere Themen die da plötzlich in Mittelamerika aufgetaucht sind (Anm.: Klaus war als Berater für Kommunikation im ganzen Land unterwegs und hat so Einlicke in verschiedenste Realitäten erhalten und diese auch abgebildet).

Was auch vor Ort gewachsen ist, sind Deine Video-Skills!

Ja auf jeden Fall. Vom ersten Workshop an, den ich gehalten habe, hat es immer geheißen: wir wollen Videos machen! Also habe ich mich selber immer mehr in das Thema reingefuchst und es ist dann eigentlich der wichtigste Teil geworden.

 

Was waren zu Beginn Deiner Zeit als TA die größten Herausforderungen? Was war anders als Du es dir vorgestellt hast?

Am Anfang natürlich die Sprachbarriere, wie soll ich sagen, ich finde es sehr wichtig, dass nur Leute geschickt werden, die ein gewisses Niveau haben. Die Sprache ist der Schlüssel zu allem. Ich hatte den Vorteil, dass ich vorher schon eine Zeitlang in Nicaragua war, bevor der Einsatz losgegangen ist. Wenn dem nicht so gewesen wäre, dann wäre es wirklich sehr, sehr schwierig gewesen. Die Sprache zu beherrschen ist wirklich eine ganz wichtige Schlüsselqualifikation.

Dann war natürlich das Thema Konflikt sehr interessant am Anfang: laut werden, sich aufregen, das bringt eigentlich in den seltensten Fällen irgendwas, also meistens einfach nix. In Nicaragua werden Unstimmigkeiten viel indirekter und passiver oder auch gar nicht gelöst. Es wird nichts laut ausgestritten und dann eine Lösung gesucht; die Leute sind schon ein bisschen Obrigkeitshörig …

… wie in Österreich …

… (lacht) drum verstehen wir uns gut: die Nicas und die Ösis. Also das Klischee vom rabiaten heißblütigen Latino, das gibt es in Nicaragua zumindest weniger. Das heißt jetzt nicht, dass niemand laut wird, oder es einmal Streit gibt – aber die Grundtendenz ist so.

Schwierig als TA, der ja immer auch Veränderung bringt, wenn Missstimmungen nicht angesprochen werden, oder?

Genau, aber ich hab‘ den riesen Vorteil gehabt, dass ich was angeboten habe, nachdem es eine große Nachfrage gab. Ein weiterer Vorteil für mich war, dass ich mit mehreren Partnerorganisationen zusammengearbeitet habe, das heißt, wenn ich irgendwo gemerkt habe – da geht nichts weiter – dann habe ich die Flexibilität gehabt zu sagen: ok, dann intensivieren wir die Arbeit eben woanders. So hat sich dann sehr schnell herauskristallisiert mit wem man gut arbeiten kann und das war dann auch sehr fruchtbar. Dieses Springer-Konzept (jetzt „Flying TA“) war damals sehr neu, das hat Pedro Rupilius (Leiter des HORIZONT3000 Büros in Mittelamerika) erst kurz zuvor eingeführt.

Wie ist die Lebensqualität für dich in Nicaragua gewesen?

In Managua gitb es alles. Hier zu wohnen bedeutet eigentlich keine Entbehrungen hinnehmen zu müssen. Anders sieht es in den Einsatzgebieten an der Karibikküste aus.

Gab es zwischen den TAs in Zentralamerika einen Austausch, ein Netzwerk?

Ja klar! Zwar nichts Offizielles, aber mit manchen versteht man sich gut, knüpft Freundschaften, trifft sich regelmäßig.

Was wirst du am meisten vermissen aus Nicaragua?

Ich werde ich das Spontane und Unkomplizierte vermissen, natürlich auch das warme Wetter. Meinen Job werde ich auf jeden Fall vermissen, meinen beruflichen Alltag in Nicaragua.

Wie überzeugt bist Du nach deinen Erlebnissen vom Konzept des Personellen Einsatzes?

Prinzipiell glaube ich, dass es schon sinnvoll ist, aber zumindest in Lateinamerika ist es ein Auslaufmodell, glaube ich. Weil inzwischen einfach mehr als genug lokale Kapazitäten da sind. Wenn von politischer Seite überhaupt der Wille da ist, das die EZA weitergeführt wird in der Form, dann glaube ich persönlich, dass es eher so in die Richtig Süd-Süd Einsatze gehen könnte, weil statt einem Österreicher könnte man sicher auch einen Menschen vor Ort oder aus dem lateinamerikanischen Raum finden, der qualifiziert ist.

Was schon wichtig ist und schwer zu ersetzen, ist die Brückenbau-Funktion. Also auch das Bewusstsein in Österreich zu schaffen, dass man keine Angst vor „den Anderen“ zu haben braucht. Das ist natürlich ein großer Benefit, wenn  Menschen die auf Einsatz waren wieder zurückkommen und Erfahrungen aus erste Hand teilen. Also nicht nur der Output im Projekt, sondern auch die Erfahrungen die mitgenommen werden sind Entwicklungszusamenarbeit.

Noch ein Tipp für kommende TAs?

Geduld haben, ganz viel Geduld haben!

Wie hat dich dein Einsatz verändert?

Meine Wertschätzung gewisser Dinge hat sich erhöht; die harte Realität vieler Menschen die ich kennengelernt habe, lässt mich die Lebensbedingungen in Europa, aber auch in Managua in einem anderen Licht betrachten.
Empathie: wenn du woanders hingehst, keinen Menschen kennst, dich eine andere Kultur, eine andere Sprache umgibt – man geht dann glaube ich anders auf Leute zu.

Und fachlich, journalistisch habe ich durch das Thema Video sehr viel dazugelernt.

 

Wir danken Dir sehr für deine unermüdliche Arbeit mit unseren Partnern vor Ort und dein Engagement für HORIZONT3000! Alles Gute für Deine Zukunft.

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