von

Markus Kapl zurück in Österreich


 

Du bist seit kurzem zurück. Hattest du nach deiner Rückkehr einen Kulturschock?

Richtig, ich bin erst seit kurzem wieder zurück. Nein, bis jetzt noch nicht …mal schauen! (lacht)

 

Bist du alleine oder mit Partnerin ausgereist?

Acht Monate nach mir ist auch meine Freundin Anna-Maria nach Papua-Neuguinea gekommen. Sie hat ihre Bildungskarenz für einen Fernlehrgang genutzt und zusätzlich konnte sie halbtags unseren Projektpartner, die katholische Diözese Daru-Kiunga im Bereich Callan-Service unterstützen. Das Callan-Service arbeitet mit und für behinderte Menschen und wurde vor vielen Jahren aufgebaut, dort arbeitete Anna-Maria als Assistentin der lokalen Leiterin.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation, der Diözese?

Ich war sehr positiv überrascht von der Arbeit der Diözese und dem Bischof Gilles Cotes. Zu Beginn war ich ein wenig nervös wie das kirchliche Umfeld reagieren würde, weil ich noch unverheiratet mit meiner Freundin am Gelände der Diözese wohnte. Eine katholische Schwester überraschte mich mit ihrer aufgeschlossenen Art: „Ich finde es  gut, dass ihr  euch noch Zeit lasst mit dem Heiraten! Man muss ja schließlich erst herausfinden ob man zueinanderpasst. Wir haben doch schon genug Scheidungen heutzutage.“ Natürlich würde sie sich später mal über Hochzeitsfotos freuen.

Nach all den positiven Erfahrungen der letzten zwei Jahre und allem was die katholische Kirche hier leistet, habe ich ein ganz anderes Bild der Kirche als zuvor.

 

Überhaupt haben christliche Kirchen in Papua-Neuguinea ein sehr gutes Standing. Da staatliche Strukturen eher schwach ausgeprägt sind, haben sich die Leute schon seit langem daran gewöhnt das Missionare und Laien-Missionare wichtige Arbeit leisten. Dieser Beitrag wird geschätzt in der Bevölkerung.

 

Du warst 2 Jahre im Einsatz. War es so, wie du dir die Sache davor vorgestellt hast?

Ich habe mir schwer getan, mir konkret Vorzustellungen zu machen. Natürlich habe ich davor mit Menschen gesprochen, die schon mal im Einsatz waren, auch hatte ich Kontakt zu meinem Projekt-Vorgänger. Das sind aber alles subjektive Eindrücke und Erzählungen. Allgemein habe ich versucht meine Vorstellungen und vor allem die Erwartungshaltungen niedrig zu halten bzw. mit einer offenen Einstellung an die Dinge heranzugehen. Das verringert, meiner Meinung nach, das Risiko enttäuscht aus einem Einsatz zurück zu kommen.

 

War es schwierig eine Beziehung aufzubauen zu den neuen KollegInnen vor Ort?

Nein gar nicht, das war überraschend einfach. Die meisten meiner KollegInnen konnten Englisch. Das hat mit den kanadischen Missionaren zu tun, die vor gut 50 Jahren die Diözese gegründet haben. Außerdem waren vor mir schon einige HORIZONT3000-MitarbeiterInnen hier auf Einsatz. Mein Counterpart vor Ort, der Kollege den ich beratend unterstützt habe, Celestinus, arbeitet auch schon sehr lange in seinem Bereich. Das heißt die Strukturen waren schon gut etabliert. Nur in den Dörfern brauchten wir manchmal Übersetzer, da hier in Papua-Neuguinea eine hohe Dichte an verschiedenen Sprachen vorhanden ist. Es werden über 700 eigenständige Sprachen gesprochen!

 

Was war Deine größte Herausforderung oder Problem?

Das war glaube ich, dass es in meinem Einsatzort Kiunga einfach nicht so viele Freizeit- oder „Ablenkungsmöglichkeiten“ gegeben hat. Auch war es schwierig mal übers Wochenende einen Ausflug zu machen, da der Transport sehr teuer ist und auch die Möglichkeiten begrenzt sind. Meine Batterien habe ich durch regelmäßiges Laufen, auf der Landebahn des kleinen, lokalen Flughafens, wieder aufgeladen.

 

Wie sind die Verkehrsverbindungen vor Ort?

Nicht sehr gut ausgebaut. Es gibt in der Region in der ich gelebt habe genau eine Straße die Kiunga mit der Minenstadt Tabubil verbindet, eine 140 km lange Schotterpiste. Für größere Distanzen gibt es das Buschflugzeug. Daneben ist der Fly-River eine „Hauptverkehrsader“. Er ist der längste Fluss im Land und wir waren viel mit dem Dinghi unterwegs. Auf diesen Fahrten konnte man auch hautnah erleben was der Gold- und Kupferabbau anrichten: teilweise war die ganze Flora in Ufernähe zerstört und vergiftet. Kein schöner Anblick.

 

Ist der Rohstoffabbau in Papua-Neuguinea ein Problem?

Die riesigen Minen dominieren in vielerlei Hinsicht das Land: von der Umweltzerstörung bis zu den Mietpreisen. Da die großen Konzerne für ihre Mitarbeiter sehr hohe Mieten zahlen, ist es normal einigeTausend Euro pro Monat hinzulegen. Deshalb werden Unterkünfte für Mitarbeiter auch meistens zur Verfügung gestellt. Auch ständiger Helikopter-Verkehr gehört in Kiunga zum Alltag; die Firmen transportieren so ihre Mitarbeiter und Materialien. Neben den Minen sind vor allem internationale Öl- und Gas-Multis vor Ort stark vertreten.

 

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig? Persönliches Resümee?

Als Berater für Infrastruktur ging es vor allem darum, gemeinsam mit meinem lokalen Counterpart Bauprojekte im Bildungs- und Gesundheitsbereich für die katholische Diözese in der Western Provinz von PNG, umzusetzen. Somit kann ich ein positives Resümee ziehen. Es stehen heute mehr Gebäude der lokalen Community zur Verfügung, als noch vor 2 Jahren.

 

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert?

Das würde ich nicht an einem bestimmten Ereignis oder einer Erfahrung festmachen wollen, von denen es jede Menge gibt. Der Umstand, dass ich 2 Jahre in einer völlig anderen Kultur gelebt habe und ich mich solidarisch einbringen durfte, hat sicher einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen.

 

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?

Ein Spruch meiner Mutter passt hier sehr gut im Kontext von zwischenmenschlichen Interaktionen und speziell im interkulturellen Zusammenhang: „Ungebetene Rat-Schläge sind Schläge.“

 

 

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