von Corinna Mittlbach

Mein erster Schulbesuch – den Fly-River flussabwärts …


Letzte Woche war es endlich soweit, mein erster Schulbesuch mit meinen KollegInnen fand statt. Da es hier gerade durchgehend regnet, mussten wir ihn um zwei Tage verschieben. Der Regen hat mittlerweile auch dazu geführt, dass die Hauptstraße in die Stadt überflutet ist und die Leute sich hier gegenseitig mit Bootsüberfahrten helfen.

Dem Regen zu Trotz machten wir uns letzte Woche auf den Weg nach Moian. Vom Office wurden wir mit dem Truck zur Bootsanlegestelle gebracht, da wir das Benzin für die Fahrt erst von der Benzinstelle der Diözese holen mussten. Eine Fahrt nach Moian und wieder retour kann bis zu €100 kosten. Für die Menschen hier ein Vermögen. Außer man hat jemanden aus seinem Wantok der ein Boot hat. Dann kriegt man auch schon mal den Wantok-Preis. Wantok (One Talk) sind die Menschen die zur größeren Familie oder der Ortschaft gehören aus der man kommt, aber auch FreundInnen oder Bekannte. Ich gehöre hier schon zum Wanwok (One Work) im Education Office und somit passt man hier auch schon auf mich auf….

Zurück zum Schulbesuch. An der Stelle wo die Boote anlegen und wir auf unseren Bootsfahrer warten, haben in der Zwischenzeit andere Boote mit getrockneten Fischen und Gemüse angelegt. Die Menschen hängen sich die schweren Säcke um und tragen sie weiter zum Markt. Unser Boot kommt und ich versuche nicht ganz so auffällig hineinzusteigen, ohne, dass sich meine KollegInnen für die ausländische Mitarbeiterin genieren müssen. Ganz gelingt es mir nicht, aber es wird mir nicht übel genommen, sondern mit mir gelacht. Mein Kollege sagt mir zum 3. Mal bereits, dass ich Acht geben soll und mich doch bitte in die Mitte vom Boot setzen soll, da es hier am sichersten ist. Alle anderen die mitfahren sitzen oben an der Bootskante. (Wie ihr im Bild unten seht) Ich wäre auch gern an der Kante gesessen, aber ich wäre mit ziemlicher Sicherheit über Board gegangen….

Auf unserer Fahrt auf dem Fly River nehmen wir auch Abkürzungen die man nur bei Hochwasser befahren kann. Das war dann für mich schon sehr abenteuerlich, da man direkt durch den Dschungel mit dem Boot fährt. Leider habe ich noch keine Krokodile (Pukpuk) gesehen, aber mein Kollege hat mir versprochen, dass wir sie in der Trockensaison auf den Sandbänken im Fluss liegen sehen werden. Als wir gerade in unsere zweite Abkürzung einbiegen wollen kommt uns plötzlich ein Boot entgegen. Es folgt viel Gewinke, Gelächter und mein Kollege beginnt mit einem Mann in kurzer Hose, Shirt und Hut ein Gespräch. Ich verstehe nur Bruchteile, da mein Tok Pisin noch nicht ganz alltagstauglich ist. Aber irgendwas mit: Ihr wolltet gestern kommen; Regen; wir kommen heute.

Da steigt auf einmal dieser Mann mit Hut in unser Boot und setzt sich zu uns. Er reicht mir die Hand und stellt sich als der Schulleiter vor, der nun mit uns zurück ins Dorf kommt. Im Dorf angekommen bin ich nur fast ins Wasser gefallen, ich konnte mich noch rechtzeitig abstützen, aber ich bin sicher ich werde nach meinem Einsatz hier die perfekte Bootsmitfahrerin werden.

Der Schulleiter zeigt uns die Schule, die Bibliothek und die Lehrerhäuschen. Die Schule selbst wurde von seinem Vater in den 60er Jahren gebaut. Wir setzen uns mit dem

Leiter zusammen und die Mitglieder des Schulvorstandes kommen auch dazu. Wir fragen um die Buchhaltungsunterlagen und den Lernentwicklungsplan. Infos werden ausgetauscht, Einzelheiten erklärt und Lösungen für Probleme gesucht. Wir weisen auf die Schulleiterkonferenz im August hin und mir wird dann noch die Schule gezeigt. Die Schule für die älteren Kinder besteht aus zwei Räumen für insgesamt 44 Kinder. Die Kinder sitzen in ihren Schuluniformen gerade über ihren „Social Science“ Büchern. Daneben steht ein Haus für die Volksschule, ebenfalls mit zwei Räumen. Die Toilette ist eine Holzhütte ca. 20m entfernt von der Schule. Dann werde ich noch durch den Ort geführt. Elektrizität gibt es im Ort nur für das Ärztehaus. Die Heimreise steht bevor und ein Lehrer schenkt mir noch einen Sack voll Bananen, weil er gehört hat, dass ich gerne Bananen esse.

Für die Heimreise setze ich mich wieder brav in die Mitte des Bootes. Kurz darauf wäre ich dann gerne außerhalb des Bootes gesessen. Unterwegs stoppen wir auf dem Fluss bei einem Holzboot in dem eine Familie sitzt. Meine Kollegin kauft ihnen einen großen und vier kleinere Fische ab, die zu mir in die Bootsmitte geworfen werden. Zum Glück nicht direkt auf mich, sondern in den vorderen Teil des Bootes. Nun war zwar zwischen mir und den, mit dem Tode ringenden, Fischen eine kleine Holzabsperrung,…. aber Fische können springen!

Ich war dann sehr froh als wir angelegt hatten und die Fische verteilt wurden. Auf den letzten hundert Metern hat es dann zu regnen begonnen. Aber tropischer Regen ist anders als unser Stadtregen. Der tropische Regen kommt auf einmal runter, so scheint es. Jedoch das gute an dem Regen hier, man stinkt nicht so eigenartig wie bei einem Stadtregen…. Und man erspart sich das Waschen am Abend …

Hier geht’s zum Blog von HORIZONT3000-TA Corinna Mittlbach:

Source: Mein erster Schulbesuch – den Fly-River flussabwärts …

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