von

Papua-Neuguinea – Carsten Klink im Gespräch


Kategorien interview

IMG_1122

Carsten Klink ist seit 2004 in Papua-Neuguinea und leitet seit 2011 das HORIZONT3000 Landesbüro. Davor hat er als Finanzberater des Lutherischen Entwicklungsdiensts, Trainings-Coordinator des School Management Programme Bougainville und Program Officer für Bougainville gearbeitet. Nun beendet er seinen Einsatz und kehrt nach Europa zurück. Beim Intercambio haben wir ihn interviewt, er gibt uns ein kurzes Stimmungsbild über seine Zeit und die letzten Entwicklungen im Landesbüro von Papua Neuguinea.


Was ist letztes Jahr so passiert in Papua-Neuguinea? Highlights, Veränderungen?

Carsten Klink: Letztes Jahr war der Tiefpunkt unserer Karriere (lacht), es gab mal Zeiten in denen 45 Personen in Papua-Neuguinea waren, letztes Jahre waren wir sechseinhalb Personen. Gleichzeitg gab es deutliche Signale, dass unser Programm wichtig ist, die Dreikönigsaktion hat sich sehr viel stärker engagiert und baut ihr Papua-Neuguinea-Programm aus und arbeitet jetzt sehr viel enger und personell mit dem HORIZONT3000-Büro in Madang zusammen. Wir haben die Möglichkeit weiter auszubauen und fokussieren uns jetzt viel mehr als früher.

In Papua-Neuguinea hat HORIZONT3000 eigene Schwerpunkte …

Carsten Klink: Also zum einen: Die Personelle Entwicklungszusammenarbeit ist für uns der wichtigste Bereich, also die Arbeit von ProjektmitarbeiterInnen in Partnerorganisationen. Zum anderen sind 80% unserer Einsätze im Sektor Bildung und Berufsbildung angesiedelt.

Welche Job-Profile sind gesucht für Papua-Neuguinea?

Carsten Klink: Wir arbeiten in zwei Bereichen, einerseits suchen wir Handwerker, Holzhandwerker, Tischler, Zimmerer aber auch andere Berufsgruppen, da wir sehr stark in der handwerklichen Berufsschulausbildung tätig sind. Wir sind die einzige europäische Organisation, die stark in diesem Bereich aktiv ist. Der zweite Bereich, in dem wir Leute suchen, ist für Organisationsentwicklung, Organisationsberatung, Managementberatung, Schul-Management.

Wie kann ich mir so einen Einsatz vorstellen?

Carsten Klink: Die Einsätze sind hauptsächlich in Schulen und Bildungseinrichtungen, Bildungsbehörden und kirchlichen Bildungsagenturen. Die Kirchen spielen in PNG eine viel größere Rolle, es gibt die Idee der State Church Partnership, kirchliche und staatliche Institutionen arbeiten zusammen, das heißt, wenn es eine Provinzbildungsbehörde gibt, dann gibt es immer eine katholische und/oder eine evangelische Bildungsagentur, die ähnliche Aufgaben hat und sehr eng mit der staatlichen Institution zusammenarbeitet, die gemeinsam die Schulen verwalten. Zum größeren Teil sind das kirchliche Schulen, die Lehrer werden jedoch vom Staat bezahlt, Curricula und Lehrpläne werden vom Staat gemacht, die Umsetzung liegt dann in den Schulen. Wir arbeiten sowohl mit staatlichen als auch mit kirchlichen Institutionen zusammen.

Wie funktioniert das Staatswesen in Papua-Neuguinea? Stichwort Steuersystem?

Carsten Klink: Der informelle Sektor in PNG ist sehr viel stärker, es gibt natürlich ein Steuersystem und es gibt natürlich Unternehmen, die dann Steuern bezahlen, es funktioniert auch um einiges besser als vor 10 Jahren. Nur, in diesem formellen Sektor arbeiten vielleicht 10 % der Bevölkerung. Von den restlichen 90 % betreibt die Mehrheit Subsistenzlandwirtschaft für den Eigenverbrauch, ergänzt durch kommerziellen Anbau von Feldfrüchten, Kakao, Kaffee und Kokosnuss für den Export oder die lokalen Märkte. Diese Bereiche werden nur dann besteuert, wenn man exportiert. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist unter 20 Jahre alt, geht aber oft nicht zur Schule, bzw hat die Schule frühzeitig abgebrochen.

Du bist seit 2004 in Papua Neuguinea, jetzt geht’s zurück. Wie geht’s weiter in Papua Neuguinea wie auch hier mit dir?

Carsten Klink: Ich bin verheiratet. Meine Frau kommt aus Papua-Neuguinea und wir haben zusammen zwei Kinder. Wir müssen unseren älteren Sohn einschulen und für den jüngeren brauchen wir einen Kindergartenplatz.

Was wünschst du deinem Nachfolger?

Carsten Klink: Viel Energie und Engagement. Es ist eine sehr anspruchsvolle Stelle, wir sind wirklich von der östlichsten bis zur westlichsten Provinz vertreten. Und viel Interesse an Menschen, ja, und die Fähigkeiten, die man benötigt um ein Büro zu leiten, um mit einem Team von sehr unterschiedlichen, hoch spezialisierten Menschen aus Österreich, Deutschland und Papua-Neuguinea zusammenzuarbeiten. Es ist eine sehr interessante Stelle.

Danke für das Gespräch!

Mitgliedsorganisationen