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Politikdialog – Pilotprojekt für politisches Engagement


P1030949Der Politikdialog wurde 2014 als Konsortialprojekt zwischen Caritas, SOS Kinderdorf, dem Österreichischen Roten Kreuz, CARE Österreich und HORIZONT3000 ins Leben gerufen. Die Kick-Off-Veranstaltung fand im Februar in Kenia statt, am 20. 05. gibt es zum Projekt einen KICK-OFF Workshop in Wien. Um was es sich beim Politikdialog genau handelt, verrät uns Petra Herout im Interview.

Worum geht’s beim Projekt Politikdialog?

Petra Herout: Begonnen hat das Ganze mit einer Evaluierung zum Thema „Wie findet der begleitete Politikdialog im Süden statt“, die die österreichische, die schwedische und die dänische Entwicklungszusammenarbeit in Auftrag gegeben hat. Bei dieser Evaluierung wurden Empfehlungen augesprochen – wie kann man NGOs stärken, dieses Thema kennen zu lernen, sich zu vernetzen und Dinge auszuprobieren. Das war der Anlass, dass von der OEZA ein Projektbudget zur Verfügung gestellt wurde, um österreichische NGOs und deren Partner im Süden diese Arbeit zu ermöglichen. Von den NGOs kam dann die Idee, dieses Projekt nicht einzeln einzureichen, sondern gemeinsam in einem Konsortium, um auch hier das gegenseitige Lernen zu stärken.

Warum habeb sich gerade diese Organisationen zusammengeschlossen?

Petra Herout: Weil alle diese Organisationen in Ostafrika (Kenia, Tansania und Uganda) Partnerorganisationen haben, die bereits Aktivitäten zum Thema Advocacy und Lobbying gemacht haben, zur Zeit durchführen oder das gerne tun würden.

Welches Ziel steht hinter der Kooperation?

Petra Herout: Sieben ostafrikanischen Partnerorganisationen (zwei Partner von HORIZONT3000, zwei Partner von CARE, SOS Kinderdorf Tansania, Kenya Red Cross sowie ein lokaler Partner der CARITAS) sollen zum Thema Politikdialog gestärkt werden. Wie kann man sich effizient einbringen, das heißt, wie kann man es schaffen, dass die Themen der marginalisierten Bevölkerung, mit denen wir und unsere Partnerorganisationen arbeiten, auch in der Politik gehört werden. Im besten Fall finden diese dann auch im Budget der Regierung Platz.

Wie sieht der Input des österreichischen Konsortiums aus? Welche Rolle hat es?

Petra Herout: Ein Ziel ist, dass auch die österreichischen Organisationen lernen, worum es bei diesem Thema geht. Man braucht hier andere Zugänge als bei klassischen Finanzierungsprojekten, weil Politikdialog einem längerfristigeren Zyklus unterliegt. Im Projekt gilt es, die Kenntnisse bei den lokalen Parnterorganisationen aufzubauen, aber auch in Österreich die Erfahrungen zu teilen und zu lernen, welche Rolle wir nördlichen NGOs haben. In weiterer Folge müssen die Empfehlungen, wie derartige Projekte in Zukunft gestaltet werden sollen, bei den Geldgebern ankommen.

Wie sieht die konkrete Umsetzung aus?P1030969

Petra Herout: Jeder lokale Projektpartner bekam einen kleinen Fonds für Aktivitäten im Bereich Politikdialog. Für die Medienarbeit zur Zusammenarbeit mit JournalistInnen etwa, oder für die Erarbeitung von Themen, mit der auf lokaler Ebene Advocady betrieben werden kann. Gestartet wurde das Projekt mit einem Training der ostafrikanischen Partner und einem Kick-Off-Workshop in Nairobi. Es ging um die Ausbildung der Partner, vor allem das Ausprobieren von Instrumenten und Methoden. Wie interveniere ich bei der lokalen Regierung, dass sich mein Anliegen im Budget widerspiegelt. Wie muss ich mit Medien zusammenarbeiten, damit die Themen der NGO aufgegriffen werden. Ein großes Thema war auch Evidence Based Research. Es wird der Frage nachgegangen, wie man Daten sammeln kann, die gegenüber offiziellen Institutionen halten und nicht einfach vom Tisch gewischt werden können. Ein Argument, das laut unseren Partnern immer wieder kommt, ist: Wen vertretet ihr überhaupt und woher sind eure Daten? Hat das Hand und Fuss?

Was ist noch geplant, wie lange geht das Projekt?

Petra Herout: Das Projekt läuft für zwei Jahre. Es soll neben dem Aktivitätenfonds für lokale Partnerorganisationen auch Trainings zum Thema Medien, zum Thema Planung von Policiy Dialog und Advocacy und Evidence Based Research geben. Darüber hinaus können sich die Partner gegenseitig coachen, bei einzelnen Themen begleiten und die Erfahrungen miteinander teilen.

Der Kick-Off in Kenia hat, wie du bereits erwähnt hast, schon stattgefunden, wie war’s?

Petra Herout: Ich habe den Workshop mit einem kenianischen Policy-Dialog-Experten geleitet. Es haben VertreterInnen aller 7 lokalen Partnerorganisationen sowie 2 weitere VertreterInnen vom österreichischsen Konsortium (Rotes Kreuz und Caritas) teilgenommen. Parallel dazu haben wir jetzt eine Kick-Off-Veranstaltung in Österreich vorbereitet, um das Projekt in der Szene vorzustellen und zu schauen, wer zusätzlich noch Interesse hat sich auszutauschen und mitzudenken. Wir wollen die Ergebnisse des Workshops in Nairobi präsentieren. Die lokalen NGOs haben einen Vorschlag zu Guidelines für Zivilgesellschaftsorganisationen erarbeitet und diese werden in Wien präsentieren. Ausserdem wollen wir die Rolle der Nord-NGOs in diesem Setting diskutieren. Was heißt das für uns im Norden, wenn wir diese Prozesse im Süden unterstützen wollen.

Das ist also ein öffentlicher Workshop?

Petra Herout: Ja, der Workshop ist offen, nicht nur für die Konsortialpartner, es sind auch Vorträge von der Dreikönigsaktion und Licht für die Welt am Programm, damit wir die Erkenntnisse anderer NGOs auch reinholen, die zu diesem Thema arbeiten.

Gibt’s schon Feedback aus dem Projektteam?

Petra Herout: Die Rückmeldung eines lokalen Partners war beispielsweise: Die Arbeit als Konsortium ist etwas Neues, da die Organisationen normalerweise als KonkurrentInnen um Fördermittel auftreten. Der Mehrwert, den sie gleich beim ersten Workshop gesehen haben ist, dass Potenzial für Peer Learning da ist, das heißt, eine Organisation kann von der anderen lernen, das kommt viel billiger und hat mehr Substanz als ein Einzelprojekt pro Partner.

Siehst du weitere Stärken?

Petra Herout: Durch die Zusammenarbeit in einem Projekt lernt man auch die anderen Organisationen und ihre Strukturen kennen und kann das eigene Tun reflektieren.

Der KICK-OFF WORKSHOP zu diesem Projekt findet am 20.05.2015 von 14-18 Uhr im C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Alois-Wagner Saal, statt.

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