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Stimmen aus dem Einsatz während der Coronakrise – Nicaragua


Nach einem Aufruf an die Kolleg_innen in Zentralamerika, über ihre momentane Situation und die Einschätzung der Lage im Einsatzland zu berichten, haben wir Nachrichten aus El Salvador, Nicaragua und Guatemala erhalten. Die Berichte zeigen, wie wichtig Solidarität und die Arbeit der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort ist, nicht nur AUCH sonder vor allem WEGEN der Krise, welche die vulnerablen Gruppen am härtesten trifft.

Danke an die TAs vor Ort für eure Worte!

Markus Lemke, TA in Nicaragua, Bluefields

Die allgemeine Situation an der Karibikküste Nicaraguas

Bisher ist es in Bluefields (noch) relativ entspannt und es herrscht ein reger Verkehr. Es ist beruhigend zu sehen, dass die meisten Menschen die Pandemie ernstnehmen und beispielsweise einen Mundschutz tragen. Auf Reisen — insbesondere in die Hauptstadt Managua — werden weitestgehend verzichtet. Einige wenige Busse fahren, wennauch fast leer.  Die meisten Menschen arbeiten dennoch normal, da der informelle Sektor, in dem ca. 80% de Bevölkerung beschäftigt ist, sehr groß ist. Einige Restaurants bieten nur noch den Verkauf zum Mitnehmen an, vor den Geschäften wird ein Waschbecken gestellt und zum Händewaschen aufgefordert. Durch den Kontakt von Freunden und KollegInnen bekomme ich auch so manche Gerüchte über Covid-19-Fälle in Bluefields mit. Soweit ich von einer Ärztin informiert wurde, werden jedoch alle PatientInnen mit Verdacht auf den Virus zu öffentlichen Spitälern weitergeleitet, die Verdachtsfälle dem Gesundheitsministerium (MINSA) melden. Das MINSA wiederum veröffentlicht die offiziellen Krankheitszahlen. Da diese aber viel zurückhalten kann man durch die Erfahrung der zentralamerikanischen Nachbarländer nur mutmaßen, wie die tatsächlichen Zahlen wohl aussehen. Es wird offiziell nicht ausreichend auf Covid-19 getestet. Für uns persönlich stellt dies zwar eine gewisse Unsicherheit und auch ein Risiko für die Bevölkerung dar. Aber wir versuchen das Beste daraus zu machen und uns an die neue Normalität anzupassen. Auch in Bezug auf meine Arbeit stellt sich natürlich die Frage, ob und wie ich bald wieder meinen Einsatz auf dem Feld aufnehmen kann. Für meine Partnerorganisation war es anfangs schwierig zu verstehen, dass ich nicht — so wie sie — normal arbeite. Mittlerweile haben auch sie Maßnahmen getroffen, die den Verkehr zu meiner Arbeitsstelle im Naturschutzgebiet Wawashang im Landkreis Laguna de Perlas stark einschränkt.

Das ist völlig angemessen, da es in den nächsten Wochen mit einer starken Zunahme von Covid-19-Fällen zu rechnen ist. Das Ausbildungszentrum mit knapp 200 SchülerInnen, in dem ich tätig bin, sowie die benachbarten sehr rural gelegenen Gemeinden, sollen so im Zuge der raschen Ausbreitung geschützt werden. Für meine Partnerorganisation gilt es neben der Gesundheitskrise auch eine existenzielle Krise zu bewältigen. Derweil füllt sich auch in Bluefields, dem Knotenpunkt der südlichen Atlantikregion, allmählich das Krankenhaus. Zumindest weisen darauf einige Gerüchte hin. Freunde berichten vom Verlust von mehreren Familienmitgliedern oder Nachbarn.

Unter Umständen wird es in naher Zukunft möglich sein, meine Arbeit auf dem Feld wieder aufzunehmen. Zurzeit  unterstütze ich meine Partnerorganisation FADCANIC an ihrem Hauptverwaltungsstandort in Bluefields und gehe dafür ein bis zwei Mal in der Woche ins Büro. Glücklicherweise liegt dieses lediglich einen Katzensprung von meinem Wohnort entfernt. Momentan arbeiten wir daran, Finanzmittel für ein Projekt des Ausbildungszentrums im Bereich Lebensmittelverarbeitung zu akquirieren. Zu guter Letzt ist die Kinderbetreuung, die meine Frau und ich zurzeit alleine übernehmen, ein wichtiges Thema.

 

 

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