von Jana Ersfeld

Susanne Kummer im Interview über die KNOWLYMPICS


Seit 2015 veranstaltet HORIZONT3000 die „KNOWHOW3000 Spiele des Wissensaustausches“ – kurz KNOWYLIMPICS, bei denen Partnerorganisationen von HORIZONT3000 dazu aufgerufen werden, ihre (Projekt-) Erfahrungen aufzubereiten und bei diesem Wettbewerb einzureichen. Ziel ist es, Lern- und Austauschprozesse unter den Partnerorganisationen zu fördern. Im Jahr 2017 hat Susanne Kummer mit ihrer Organisation MIRIAM (Guatemala) gleich zwei Erfahrungen eingereicht und dabei ein Training für die Organisation gewonnen. Wir haben uns mit Susanne getroffen und mit ihr über ihre Teilnahme, den Preis und die diesjährigen KNOWLYMPICS gesprochen, die im August 2018 stattfinden werden.

Miriam ist die einzige Organisation, die gleich mit zwei Einreichungen an den KNOWLYMPICS 2017 teilgenommen hat. Was war die Motivation für eure Teilnahme?

Susanne: In erster Linie war es einfach mal interessant zu sehen, was andere Organisationen so machen. Ich glaube nämlich, dass es immer eine Hemmschwelle gibt bzw. man sich die Zeit nehmen muss, um sich die KNOW-HOW3000 Website anzusehen und sich zu informieren, was andere Organisationen machen. Es war einfach gut, durch die KNOWLYMPICS motiviert zu werden, die Homepage aufzumachen, zu schauen, was andere Organisationen machen und eben auch zu zeigen, was die eigene Organisation macht.

Erzähl uns doch ein bisschen was über den Prozess der Aufbereitung eurer Erfahrungen!

Susanne: Wir haben es uns ein bisschen einfacher gemacht als vielleicht von HORIZONT3000 erwartet wurde, weil eigentlich sollten die teilnehmenden Organisationen ja lernen Erfahrungen aufzubereiten, z.B. sie zu systematisieren [Anmerkung: Systematisierung ist eine spezielle Methode zur Aufbereitung von Erfahrungen, die hier genauer beschrieben ist]. Wir haben aber zwei Erfahrungen genommen, die bereits systematisiert waren und anhand dieser Dokumente den Fragebogen ausgefüllt, den wir von HORIZONT3000 geschickt bekommen haben. Was für uns sehr wichtig war, waren die Resultate dieses Prozesses – also wie der Fragebogen dann in Wien weiterverarbeitet wurde: Die schöne zweisprachige Aufarbeitung, eine lange und eine kurze Version von dem, was wir eingereicht haben [Anmerkung: das Erstellen von den at-a-glance und in-detail-Dokumenten].

Was waren die Herausforderungen und Schwierigkeiten?

Susanne: Ich habe das Gefühl, dass sich bei den KNOWLYMPCIS zwei Zielsetzungen von HORIZONT3000 mischen. Einerseits geht es darum, mit anderen Organisationen Erfahrungen zu teilen, und andererseits um einen internen Lernprozess innerhalb der Organisation. Das muss aber nicht immer gekoppelt sein, wobei das Format schon eher darauf angelegt ist, dass man seine Erfahrungen systematisiert und eben auch intern darüber diskutiert. Ich glaube, es ist wichtig, dass von vorneherein klar ist, was die Zielsetzungen für die eigene und für die anderen Organisationen sind. Wir haben uns im letzten Jahr zum Ziel gesetzt, anderen Organisationen mitzuteilen, was wir gemacht haben. Das heißt, wir haben uns gemeinsam hingesetzt und schon bestehende Dokumente durchgeschaut und aufgrund dieser unsere Erfahrung zusammengefasst und dann an HORIZONT3000 weitergeleitet.

Können andere Organisationen durch eure Erfahrungen in Bezug auf die Arbeit mit marginalisierten Frauen etwas lernen?

Susanne: Ganz sicher, jede Erfahrung die man erarbeitet, ist wichtig und sollte auch geteilt werden. Ich glaube, in unserer Arbeit gibt es sehr viel Duplizität und jeder versucht immer etwas neu zu erfinden. Es gibt sicherlich Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, aber so groß sind diese nicht. Daher ist es immer wichtig, dass die Erfahrungen, die gemacht werden nicht nur in irgendwelchen Berichten abgespeichert werden. Es muss auch anderen Organisationen gezeigt werden, was wir mit viel Mühe erarbeitet haben und als Impuls für neue Projektideen dienen – wie in unserem Fall zum Beispiel die Gender-Kurse: Wir wollen bald auf unserer Website alle Dokumente zur Verfügung stellen, die notwendig sind, um einen solchen Kurs durchzuführen. Solche Dokumente können ein Impuls sein bis hin zur Umsetzung des gleichen Kurses in einer anderen Organisation. Oder es kann auch einfach ein Anstoß zur Reflexion sein. Genauso wie es auch für uns interessant war zu sehen, was andere Organisationen machen, welche Schwerpunkte diese setzten und wie es ihnen damit ergeht. So können eventuelle Investitionen wie Zeit gespart werden, wenn man schon weiß, dass z.B. in Nicaragua etwas bereits gemacht wurde und nicht funktioniert oder aber super funktioniert hat.

Habt ihr euch auch andere Dokumente auf der KNOW-HOW3000-Plattform angeschaut? Konntet ihr von den Erfahrungen andere Organisationen profitieren?

Susanne: Ja, wir haben uns andere Dokumente angeschaut, aber es ist schwierig zu sagen, inwieweit wir davon profitiert haben. Wir haben in Guatemala ein Pilotprojekt gemacht (mit Überlebenden von Gewalt und in Bezug auf Berufsausbildung) und uns vorher Dokumente angeschaut von anderen Organisationen, vor allem aus Nicaragua. Ich kann jetzt nicht sagen, dass wir diese direkt umgesetzt haben, aber ich glaube die Ideen sind indirekt in unser Projekt mit eingeflossen.

Denkst du, dass die KNOWLYMPICS und die Plattform von KNOW-HOW3000 eine gute Möglichkeit sind, um den Austausch von Wissen und Erfahrungen zu fördern?

Susanne: Ich glaube einfach, dass es sehr schwer ist uns TAs [Technical Advisor/ Fachkräfte im Einsatz] für Wissensmanagement zu motivieren und uns neue Instrumente näher zu bringen. Oft ist man so in seine Arbeit eingebunden und damit beschäftigt die eigene Organisation kennenzulernen, dass man sich gar nicht fragt, was denn eigentlich die anderen Projekte und die KollegInnen in Wien machen. Aber dann kommt auch der Moment, wo man sich fragt: Wo ist der Austausch? Wieso arbeiten wir alle so voneinander abgegrenzt? Das war bei mir der Moment, in dem ich die Plattform wieder wahrgenommen habe und die Bemühungen gesehen habe, TAs mehr einzubringen und zu vernetzen. Es ist ja wirklich sinnlos, dass vielleicht zwei TAs zu ganz ähnlichen Themen arbeiten und dann kein Austausch stattfindet.

Vor allem die KNOWLYMPICS sind für uns eine Motivation uns da mehr einzubringen und nicht nur ab und zu mal ein Foto und einen Text nach Wien zu schicken, sondern auch zu zeigen was wir – bzw. unserer Organisationen – machen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Dieses Jahr werden wir wahrscheinlich eine Erfahrung einreichen, die nicht funktioniert hat [Anmerkung: hier ein Beispiel einer Learning from Failure Erfahrung]. Und da werden wir dann auch den entsprechenden Fragebogen von HORIZONT3000 anwenden. Den haben wir übrigens auch für ein anderes Projekt verwendet, ein Projekt über reproduktive Rechte.

Miriam hat bei den KNOWLYMPICS 2017 ein Training gewonnen. Erzähl uns ein bisschen was über dieses Training und wie es eure weitere Arbeit beeinflusst hat.

Susanne: Wir haben ein Training zum Thema „Biodanza“ gemacht. In unserer Arbeit ist das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele sehr wichtig, und wir machen viele Entspannungsübungen, damit sich Personen mit sich selbst in Verbindung setzen können. Das gesamte Team aus Guatemala ist für zwei Tage an den Strand gefahren um dort das Training zu machen. Viele der Workshops die MIRIAM gibt, werden vom eigenen Personal durchgeführt und es ist wichtig, solche Methoden wie Biodanza zu kennen. So laufen die eigenen Workshops dann auch nicht zu theoretisch ab, sondern die Frauen lernen sich wohlzufühlen und sich selbst und ihren Körper zu fühlen. Vor allem in Guatemala in den indigenen Kulturen ist dieses Gefühl lange unterdrückt worden, und die Frauen sind gewöhnt sich nur minimal zu bewegen. Der traditionelle Tanz in Guatemala ist zwar sehr rhythmisch aber beinhaltet nur ganz wenig Bewegung, so war es natürlich schön beim Biodanza zu lernen, seinen Emotionen durch den Tanz Ausdruck zu geben. Das was wir dort gelernt haben, wird in Zukunft Teil unserer Workshops sein.

Gibt es eurerseits noch weitere Kommentare für die KNOWLYMPICS?

Susanne: Es ist eine sehr wichtige Aktion, die uns die Möglichkeit gibt, uns besser zu vernetzen, sowohl die TAs als auch die Organisationen. Wir haben einfach die Tendenz, dass jeder für sich arbeitet und gar nicht so genau mitbekommt, was die anderen machen. Ich glaube auch, dass es einfach total wichtig ist, dass HORIZONT3000 diesbezüglich TAs motiviert und koordiniert. Man könnte eigentlich erwarten, dass TAs dies von sich aus machen, aber die KNOWLYMPICS und die Aussicht auf einen Preis sind dann natürlich ein guter Anstoß. Ich glaube, es zahlt sich wirklich aus teilzunehmen und die Möglichkeit wahrzunehmen, Erfahrungen aufzuarbeiten und an andere Organisationen weiterzugeben. Darüber hinaus wird man auch motiviert, die Erfahrungen von anderen zu lesen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch in diesem Jahr wieder teilnehmen werden und ich möchte HORIZONT3000 motivieren da weiterzumachen, es ist wirklich eine tolle Arbeit. Wir waren auch total begeistert, wie schön die Erfahrungen aufgearbeitet und auf der Plattform bereitgestellt wurden.

 

Susanne Kummer ist Politologin mit Spezialisierung in Genderstudien und Bildungsinnovation. Sie lebt seit 13 Jahren in Guatemala und ist seit Jänner 2016 technische Beraterin von HORIZONT3000 bei der guatemaltekischen Frauenorganisation MIRIAM. Sie unterstützt den Verein bei der institutionellen Stärkung und der Förderung des Rechtes der Frauen auf ein Leben ohne Gewalt und Rassismus.

 

MIRIAM-Guatemala wurde 1996 mit der Zielsetzung gegründet, sozial engagierten guatemaltekischen Frauen aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen, insbesondere indigenen Frauen der Volksgruppen der Mayas, Garífunas und Xincas, den Zugang zur Universität zu ermöglichen. Inzwischen ist Miriam eine national und international anerkannte Organisation der Förderung der Aus-, Fach-, und Weiterbildung von indigenen Frauen. Auch setzt sich MIRIAM für Gleichberechtigung, Frauenrechte und gegen Gewalt ein.

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