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Systematisieren: Lernen statt bewerten


2013 führte ich mit Petra Herout (Koppensteiner), die bei HORIZONT3000 fürs Wissensmanagement zuständig ist, ein Interview über Systematisierung, das damals im Newsletter erschien. Weil die Thematik zeitlos spannend ist, gibt es das Interview jetzt auch hier auf dem Blog.

HORIZONT3000 hat sein KKW-Projekt (Kapazitätenentwicklung, Know-How-Transfer und Wissensmanagement) selbst dieser Methode unterzogen. Die Systematisierung ist abgeschlossen, der Endbericht fertig. Hat es sich gelohnt?

Petra: Auf jeden Fall! Wir bekamen eine Fülle an Bestätigungen und kritische Hinterfragungen, die ohne den unterschiedlichen Blickwinkeln und der konzentrierten Auseinandersetzung mit den selbst gemachten Erfahrungen nicht möglich gewesen wäre. Darüber hinaus haben die verschiedenen Wahrnehmungen ein- und desselben Vorgangs (von Projektpartnern der verschiedenen Regionen, KollegInnen aus den Mitgliedsorganisationen und den verschiedenen Abteilungen von HORIZONT3000 sowie von sonstigen Kooperationspartnern) das gegenseitige Verständnis für die jeweils anderen Standpunkte erhöht. Dies hat eine sehr gute Basis für die Umsetzung des neuen Wissensmanagement-Projektes KNOW-HOW3000 geschaffen, das zur Zeit läuft.

Systematisierung ist ja eine Form der Selbstevaluierung. Was ist der entscheidende Vorteil zu einer externen Evaluierung?

Petra: Systematisieren ist ein interner Lernprozess, mit der Absicht, gemachte Erfahrungen (z. B. in Projekten) zu verstehen um den Prozess in Zukunft zu verbessern – der Fokus liegt bei der Aufarbeitung des WIE und WARUM. Im Gegensatz dazu werden bei einer Evaluierung die Ergebnisse eines Projektes untersucht und bewertet – der Fokus liegt bei der Bewertung der Zielerreichung und Effizienz eines Projektes. Der Vorteil eines Systematisierungsprozesses liegt meiner Meinung darin, dass das LERNEN in den Vordergrund gesetzt wird und nicht das BE-WERTEN. Ein Systematisierungsprozess kann daher einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung von Projekten, Teams und Organisationen liefern.

Hast du auch Nachteile ausgemacht?

Petra: Die Art der Systematisierung, die HORIZONT3000 anwendet, ist vor allem partizipativ. Gerade bei einem überregionalen Projekt wie dem unseres Wissensmanagements, bedeutet dies, dass viele Stakeholder mehrere Regionen (mit unterschiedlichen Sprachen) in den Systematisierungsprozess eingebunden werden mussten. Das ist sehr schwierig. Wir haben aber versucht, die Meinungen über Emails oder Interviews einzuholen, um die Stimmen aller Stakeholdergruppen zu integrieren.

Die wievielte Systematisierung im HORIZONT3000-Umfeld war das jetzt?

Petra: Die genaue Zahl weiß ich nicht, da die Methode bereits seit Jahrzehnten in den Partnerländern von HORIZONT3000 in Zentral- und Südamerika angewendet wird. Aber alleine in den Jahren 2010 bis 2012 fanden um die zwanzig Systematisierungsprozesse statt.

Das heißt, es gibt auch schon Partnerorganisationen, die damit arbeiten.

Petra: Ja, in Zentralamerika – wie bereits gesagt – schon seit Jahrzehnten. In den Partnerländern in Afrika wurde die Methode seit 2010 über das das KKW-Projekt eingeführt.

Welchen Nutzen sehen die Partner darin?

Petra: Vor allem im Lern-Effekt. Schlagwort: Lernende Organisationen. Es ist einigen Partnerorganisationen in Ostafrika gelungen, erfolgreiche Projektansätze zu institutionalisieren.

Stell dir vor, du müsstest die Methode der Systematisierung an mich verkaufen. Wie würdest du mich überzeugen?

Petra: „Erfahrung wäre von Nöten, bevor man sie gemacht hat.“ Das hat ein Schweizer Wissenschaftler bei den Wissensmanagement-Tagen in Krems sehr gut auf den Punkt gebracht. Eine Systematisierung schafft es, den Schatz an Erfahrungswissen, der innerhalb von Teams und Organisationen angesammelt wird, „anzuzapfen“, zu analysieren und zu dokumentieren. Denn nur wenn man es schafft, Erfahrungen aufzuarbeiten und als Wissen zu dokumentieren, kann man dieses in neue Projekte einbeziehen und mit anderen Organisationen teilen.

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