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Was wir in der Corona-Krise tun. Astrid Bliem aus Mosambik


Astrid Bliem ist Pädagogin und Sozialarbeiterin und berät die Partnerorganisation LeMuSiCa in Chimoio (MOZ) in psychosozialer Arbeit und Organisationsentwicklung. Wir fragten sie, wie sie zur Zeit arbeitet.

Foto 1: Im Eingangsbereich von LeMuSiCa, Mitarbeiterin mit zwei Frauen; Foto 2: erweiterte Hygienemaßnahmen in der Partnerorganisation; Foto 3 + 4: Planungstreffen der Freiwilligen bei LeMuSiCa; Foto 5: Maskenverkäufer vor meinem Haus


Was hat sich in Mosambik durch die Coronaepidemie verändert?

Mosambik befindet sich seit 1.4.2020 und mindestens noch bis 30.5.2020 im Ausnahmezustand. Alle Bildungseinrichtungen sind bereits seit 23.3.2020 geschlossen, teilweise wird online unterrichtet, Unterrichtseinheiten werden übers Fersehen übertragen und Übungsmaterial in den Schulen bereitgestellt. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist Maskenpflicht und vor Geschäften befinden sich Möglichkeiten die Hände zu waschen bzw. zu desinfiszieren. Grenzen sind für den Personenverkehr großteils geschlossen und Reisen zwischen den Provinzen sollen nur bei absoluter Notwendigkeit durchgeführt werden. Märkte dürfen nur mehr bis 17 Uhr geöffnet sein. Der Präsident appelliert ans Volk zuhause zu bleiben. Die Gefahr Hunger zu erleiden nimmt zu, je länger die Menschen zuhause bleiben sollen.

Sichtbare Veränderungen in Chimoio: Es sind keine Kinder und Jugendlichen mehr in Schuluniformen unterwegs, dafür tragen viele Menschen Maske: manche auf der Stirn, manche am Hals, manche in der Hand und Viele an der richtigen Stelle.

Wie reagiert deine Organisation auf die Veränderungen?

Der Kindergartenbetrieb der Partnerorganisation (LeMuSiCa) musste, wie in ganz Mosambik, eingestellt werden. Auch die Mädchenclubs in den Schulen und Veranstaltungen in den Communities können momentan nicht durchführt werden.

Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt, werden weiterhin begleitet und unterstützt. Auch die Versorgung der untergebrachten Frauen und Kinder bei LeMuSiCa ist sichergestellt, die Hygienemaßnahmen wurden stark erweitert. Alle MitarbeiterInnen sowie Frauen und Kinder, die bei LeMuSiCa wohnen, wurden mit Masken und Desinfektionsmittel ausgestattet. Neue Freizeitaktivitäten, wie die Herstellung von Stoffmasken wurden initiiert. Hilfesuchende, die sich an LeMuSiCa wenden, werden mit Masken ausgestattet und über Präventionsmaßnahmen informiert. Aktivitäten zur Prävention von Covid-19, auch außerhalb des Zentrums von LeMuSiCa, laufen an.

Es besteht die Befürchtung, dass Mädchen und Frauen vermehrt in eine schwierige Lage kommen könnten, sowie häusliche Gewalt aufgrund der durch die Pandemie verursachten sozialen Isolation weiter zunehmen könnte. Wenn die Opfer 24 Stunden am Tag mit ihrem Angreifer zusammen sind, ist es schwierig diesen anzuzeigen bzw. sich Hilfe zu suchen.

Was heißt das für deine Arbeit?

Meine Workshops und Fortbildungen werden derzeit nur geplant, aber noch nicht durchgeführt. Ich arbeite tageweise im Home Office und tageweise bei der Partnerorganisation vor Ort. Ein Rotationssystem zwischen den KollegInnen wurde eingeführt, pro Büro sitzen nun maximal zwei KollegInnen gemeinsam. Zusammenarbeit muss nun besser geplant werden, dafür ist aber mehr Zeit um Berichte, Planungen und andere Schriftstücke gemeinsam zu erstellen bzw. zu überarbeiten. Weiterhin wird den Kindern und Frauen bei LeMuSiCa psychosoziale Begleitung angeboten. Durch die Corona-Krise treten verstärkt Ängste auf, die ernst genommen und ausgesprochen werden wollen. Die KollegInnen werden in Einzelgesprächen gestärkt und unterstützt, die vorgegebenen Maßnahmen umzusetzen und Präventionsarbeit zu leisten.

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