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Was wir in der Corona-Krise tun. Beate Farakuoye aus dem Home Office in Uganda


Gestern berichtete Georg Zenk aus seinem Home Office in Deutschland, heute kommt unsere Kollegin Beate Farakuoye zu Wort. Sie ist in Uganda im Home Office. Auch ihr stellten wir die 3 Fragen.

Fotos: Das erste ist von einem Gendertraining für Führungspartizipation im Flüchtlingslager Imvepi. Das zweite ist von einem Gendertraining in Lobule. Und das letzte ist eine Frauengruppe in Amuria von einem Wirtschaftsempowermentprojekt.


Beate, was hat sich in Uganda durch die Corona-Epidemie verändert? Hast du Ergänzungen zum Lagebericht von Georg gestern?

Man könnte das Wort Lunchpakete durch Nahrungsmittelhilfe ersetzen. Es handelt sich um je 10-kg-Säcke mit Reis, Bohnen etc., die den Menschen versprochen wurden. Die Betonung liegt auf versprochen. Das Problem ist, dass an vielen Orten die Hilfe nicht ankommt, sondern am Weg oder wo auch immer versickert. Auf dem Land ist es besser, aber auch dort wird die Nahrung für die Ärmsten teilweise knapp. Es ist Regenzeit und planting season, sprich es nicht so viel zu ernten. Auch gibt es aktuell nicht so viel zu essen, besonders, wenn die Kinder von der Schule zu Hause bleiben müssen, wo sie normalerweise versorgt werden. Ich habe erst gestern von einem Freund im Osten gehört, dass manche Kinder dort derzeit maximal eine Mahlzeit pro Tag haben …

Wie reagiert deine Organisation auf die Veränderungen?

Das Forum for Women in Democracy (FOWODE) ist eine ugandische Frauenrechtsorganisation, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt und Frauen ermutigt und dabei unterstützt, tragende Rollen in der Gesellschaft einzunehmen. Ein Großteil der Arbeit besteht aus Trainings oder Zusammenkünften mit Menschen aus der Zivilgesellschaft, um sie über Geschlechtergerechtigkeit und ihre Rechte aufzuklären.

Aufgrund der Vorsorgemaßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, sind die meisten geplanten Aktvitiäten derzeit nicht möglich. FOWODE setzt ihre Arbeit aber über die Kanäle in den sozialen Medien fort. Gerade auf Twitter werden sehr viele gesellschaftspolitisch relevante Diskussionen geführt und der Austausch mit anderen NGOs und Entscheidungsträgern praktiziert, damit die Coronavorsorgemaßnahmen auch die Anliegen, Sicherheit und Versorgung von Frauen und Mädchen berücksichtigen.

Ein Beispiel ist die Maßnahme, dass Privatautos nur mit einer Ausnahmebestätigung der lokalen Behörden kranke und schwangere Frauen zu Untersuchungen, Behandlung oder Geburt ins Krankenhaus fahren durften. Um diese Bestätigung zu erhalten, mussten sich die Frauen persönlich oft den ganzen Tag lang bei den Behörden anstellen und dann war die Ausnahmeerlaubnis nur 10 Tage gültig. Nachdem die ugandischen Frauenorganisationen Alarm geschlagen haben, wurden Privatfahrten zur medizinischen Versorgung erlaubt.

Neben dem Einsatz für aktuelle Frauenanliegen arbeiten die MitarbeiterInnen von FOWODE unter den gegebenen Rahmenbedingungen im Homeoffice in ihren unterschiedlichen Bereichen weiter. Sei es, dass sie sich mit der strategischen Planung der Organisation beschäftigen, Projektberichte schreiben, mit Spenderorganisationen in Kontakt sind und sich für Frauenrechte in Uganda unter den aktuellen Bedingungen einsetzen oder für die Zeit nach Corona planen und sich um die Mittel dafür bemühen.

Was heißt das für deine Arbeit?

Wir arbeiten nun die sechste Woche in Home office, was für mich viel mehr Telefonkonferenzen und geplanten Austausch mit den KollegInnen bedeutet, was sonst spontan oder im Rahmen der täglichen Arbeit hätte stattfinden können. Aber es bedeutet auch fokussiertes Arbeiten an der Planung und an konkreten Strategien, die der Organisation mehr Struktur und gezieltere Projektimplementierung geben werden und das Berichtswesen verbessern.

Darüber hinaus wir arbeiten weiter daran, die Finanzierung der Arbeit zu sichern, damit wir in der Zeit nach der Coronaepidemie noch mehr Frauen erreichen können und verstärkt dafür eintreten können, dass alle Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit haben, die Schule zu besuchen, Frauen Zugang zu guter Gesundheitsversorgung haben und bessere Einkommensmöglichkeiten, um sich und ihre Familien zu versorgen.


Zur Person

Beate ist Psychologin und hat zusätzlich ein Masterstudium in Risiko-, Krisen- und Katastrophenmanagement abgeschlossen, ebenso wie eine Beratungsausbildung mit einem Schwerpunkt auf Resilienz und der Arbeit mit Menschen mit Traumerfahrungen absolviert. Sie war über 15 Jahre Fundraiserin in einer internationalen NGO und ist eine Expertin in Spenderakquise, -betreuung und -kommunikation. Im Rahmen der Umsetzung von Projekten mit internationalen Stakeholdern sammelte sie Fertigkeiten und Erfahrung in Projektmanagement sowie Monitoring und Evaluation und arbeitete auch in den Bereichen Organisationsentwicklung und Personalmanagement.

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