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Was wir in der Corona-Krise tun. Lisa Nixdorf aus Kenia


Auch in Kenia arbeiten wir mit unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Lisa Nixdorf berät mehrere Organisationen im Aufbau nachhaltiger Finanz- und Finanzierungsstrukturen. Was sie im Moment tut und wie sich Ihre Arbeit verändert hat, berichtet sie uns in einem Q&A-Beitrag.

Foto: Projektbesuch vor der Covid-19 Krise


Was hat sich in Kenia durch die Coronaepidemie verändert?

Seitdem es am 13. März den ersten Corona-Fall in Kenia gab, hat sich das öffentliche Leben rasant verändert. Kenia hat sehr schnell auf die Corona-Pandemie reagiert. Schulen und Kindergärten wurden sofort geschlossen und Menschen dazu aufgefordert, im Home Office zu arbeiten. Ein Einreisestopp für Nicht-KenianerInnen und Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung wurde eingeführt, der wenig später in eine Schließung aller internationalen Flughäfen mündete. Inzwischen sind Versammlungen verboten, es gibt eine Maskenpflicht, eine nächtliche Ausgangssperre und ein Ein-und Ausreiseverbot aus Nairobi. Dies sind nur einige der Maßnahmen, die in Kenia getroffen wurden. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat man deutlich weniger Menschen und Autos bemerkt, inzwischen scheinen sich die Menschen aber an die neue Realität angepasst zu haben.

Die Corona-Pandemie bedeutet vor allem für Menschen aus dem informellen Sektor, dass sie ihre Einkommensquellen verlieren. Dies ist im Straßenbild sehr präsent, da die Zahl der „Mama Fua“ (Frauen die am Straßenrand ihre Hilfe im Haushalt auf Tagelöhnerbasis anbieten) und auch der BettlerInnen sich stark erhöht hat. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kenias Niedrigeinkommenssektor sind jetzt schon deutlich sichtbar. Was in Kenia Hoffnung gibt, ist das Engagement der Leute. So sind auch durch nur langsamem Anlaufen und Ineffizienz von Regierungsinitiativen, viele organisierte Initiativen aus dem Boden geschossen, um KenianerInnen in prekären Situationen mit Lebensmitteln zu unterstützen. Diese Art der Soforthilfe hat in Kenia Tradition und man sammelt oft große Summen an Geld, meist durch das telefonbasierte Bezahlsystem M-Pesa.

Wie reagiert deine Organisation auf die Veränderungen?

Ich arbeite als „Flying Technical Advisor“, also in mehreren Partnerorganisationen, an der Entwicklung von Strategien für finanzielle Nachhaltigkeit und Sozialunternehmen. Auf Anweisung der Regierung haben alle Organisationen mit dem Home Office begonnen. Dies stellt die Organisationen vor besondere Herausforderungen, da viele MitarbeiterInnen keinen Laptop und keinen unbegrenzten Internetzugang haben. So ist es für viele schwierig, überhaupt ihre Arbeit weiterzuführen. Darüber hinaus sind einige der Organisationen in Soforthilfe-Initiativen involviert, um ihre lokale Umgebung mit Lebensmitteln zu versorgen, oder damit beschäftigt, ihre Zielgruppe vor Corona-Infektionen zu schützen. Da rücken natürlich strategische Planung und Verfassen von Strategien am Computer erstmal in den Hintergrund.

Was heißt das für deine Arbeit?

Für meine Arbeit bedeutet dies, dass Prozesse für strategische Planung umgestaltet werden müssen. Mit einer Organisation entwickle ich beispielsweise gerade eine Strategie für finanzielle Nachhaltigkeit. Unter normalen Umständen wäre dieser Prozess partizipativ in vielen Workshops gestaltet worden. Es hat sich herausgestellt, dass es unmöglich ist, diese Workshops online abzuhalten, da viele Mitarbeiter keinen unbegrenzten Internetzugang haben und so die Verbindung zu langsam ist und oft abbricht. So haben wir statt dessen kleinere Arbeitsgruppen gebildet und treffen uns nur wöchentlich in einem Plenum, um Ergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Bei anderen Organisationen haben sich die Aufgabenpakete ganz verschoben, da Fundraising-Events und Konferenzen nun nicht mehr stattfinden können. So unterstütze ich beispielsweise beim Schreiben von Projektanträgen. Darüber hinaus konzentriere ich mich darauf, Prozesse für die Zeit nach der Corona-Pandemie zu entwickeln. Durch die Corona-Pandemie haben viele Organisationen ihre Einkommensquellen verloren und so ist es besonders wichtig, ihre finanzielle Nachhaltigkeit zu stärken.


Zur Person

Lisa Nixdorf studierte Afrikanistik und VWL in Leipzig und Dar es Salaam und arbeitete danach mehrere Jahre in Tansania und Kenia für internationale und deutsche Organisationen, bevor sie sich als freie Beraterin und Unternehmerin selbstständig machte. Im Zuge dessen arbeitete sie im Management eines Sozialunternehmens zur Unterstützung von Kleinst-Unternehmen im Bausektor im ländlichen Tansania und gründete ein erfolgreiches Sozialunternehmen zur Förderung der Wertschöpfung im Textilsektor in Tansania. Ihre Schwerpunktthemen sind Kleinst- und Mittelunternehmen in Afrika, Social Entrepreneurship, Wertschöpfungskettenförderung, Handelsnetzwerke und Industriepolitik. Darüber hinaus interessiert sie sich für zeitgenössische afrikanische Musik und hat zum Thema Hip Hop in Tansania publiziert und auf Konferenzen gesprochen.

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