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Zurück vom Einsatz: Interview mit Martina Marschal


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Als Physiotherapeutin war Martina Marschal an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde am AKH Wien und in einem Kinderambulatorium in Niederösterreich tätig. Vor ihrem Einsatz in Kenia und Uganda arbeitete sie in einem orthopädischen Rehabilitationszentrum in Kärnten. Die direkte Arbeit mit den Menschen und interkulturelle Begegnungen sieht sie als große Bereicherung. Sie liebt die Natur, die kulturelle Vielfalt, fotografiert und reist gerne.

Die Niederösterreicherin war in ihrem Einsatz für die Stärkung der Kapazitäten des Physiotherapeuten zuständig und und stellte das Angebot der Physiotherapie in allen Abteilungen des Lubaga Hospitals gezielt vor, um mehr Patientenzuweisungen von den jeweiligen Ärzten zu erhalten.


 

Was war deine Erwartung, als du vor 2 Jahren deinen Dienst angetreten hast? Wie war deine Jobdescription?

Martina Marschal: Ich war ja zuerst 7 Monate in Kenia in einem Heim mit körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen und dort sollte ich lokale Freiwillige speziell für diese Kinder und Jugendlichen ausbilden, damit sie danach die physiotherapeutische Betreuung übernehmen können. Geeignete Freiwillige zu finden und diese auch im Projekt zu halten hat sich aber als nicht realisierbar herausgestellt. Dies und noch viele andere Gründe haben mich dazu gebracht nach Uganda zu wechseln.

Du bist dann im Lubaga Hospital gewesen, wie kam es dazu?

Martina Marschal: Ich bin dann nach Kampala gekommen und das Lubaga Hospital war bei HORIZONT3000 bereits als Projektpartner bekannt. Lydia Obernosterer war dort bis Sommer 2013 als Ärztin tätig. Das Lubaga Hospital hatte ein ganz kleines Phisiozimmer, einen ausgebildeten Physiotherapeuten und eine angelernte Kraft. Ein ganz kleiner Raum der war voll mit Kabeln, Betten, Paravans man konnte sich kaum umdrehen. Sie waren aber gerade im Begriff eine neue Phisiotherapiestation zu bauen und da bin ich dann eingestiegen. Ich war dann von Beginn an dabei, bei der Gestaltung des Departments, hab die Beratung für die Einrichtung des Raumes gemacht, dabei geholfen geeignete Materialien zu finden. Da haben wir viel Unterstützung von HORIZONT3000 und auch der OEZA (Österreichische Entwicklungszusammenarbeit) bekommen. Das war echt super, und jetzt gibt’s eine echt tollen Raum.

Wie lief das konkret ab, erzähl was aus der Praxis?

Martina Marschal: Ich hatte laut Job Description 3 Ziele, das erste war das das Department läuft. Die Einrichtung des Raumes, das alles passt, das ein Dokumentationssystem erstellt wird, die Patientenerfassung gemacht wird, Befunde erhoben werden und eben auch das die Therapeuten in physiotherapeutischen Behandlungstechniken ausgebildet werden. Das zweite Ziel war Awareness Raising, das die Ärzte im Spital die Stärken der Phisiotherapie kennen lernen und vor allem auch wie sie sie in die Behandlung einbauen können. Der dritte Teil war die Implementierung der Phisiotherapie in die Lubaga Training School, wo Hebammen, Krankenschwestern und Operationsgehilfen ausbildet.

Wie ist des Bewusstsein zur Physiotherapie allgemein?

Martina Marschal: Nicht sehr hoch als ich gekommen bin. Das lag aber auch ein bisschen an den Counterparts, da war die Motivation nicht so hoch seinen Aktionsradius zu erhöhen. Wir haben viele Poster, Behandlungspläne entworfen, zb über das Handling nach einem Schlaganfall oder ein Poster wo Eltern selbst checken können ob sich ihr Baby motorisch normal entwickelt. Gegen Projektende ist es uns sogar gelungen einen Imagefilm über die Physiotherapieabteilung zu drehen. Das war ein großer Wunsch des Geschäftsführers und meiner Counterparts. Heute sieht man den Film auf Fernsehern, die in den Wartezonen verteilt sind. Auch sonst ist heute an vielen Wänden ein Poster zu finden, was wir zusammen entworfen haben. Ich bin sehr stolz drauf was sich hier in so kurzer Zeit entwickelt hat.

Wie ist so der Alltag in einem afrikanischen Krankenhaus?

Martina Marschal: Der Patient kommt und bekommt ein Zimmer, es sind meistens 6 Bett Zimmer, jeder hat seinen privaten Bereich mit einem Vorhang. Die Familienmitglieder liegen dann rund um das Bett. Der Patient kriegt gar nichts vom Krankenhaus, nicht einmal ein Leintuch. Er muss wirklich mit Sack und Pack anreisen. Die Familienmitglieder kochen dann dort und kümmern sich um den Patienten, auch die Körperpflege müssen die Verwandten machen. Die Krankenschwester teilen hauptsächlich Medikamente aus und für den Rest sind die Familien und Verwandten zuständig. Man bekommt wirklich nur die rein medizinische Versorgung vom Spital.

Das Problem in Afrika ist, dass die Patienten meistens schon sehr krank sind bevor sie zum Arzt gehen, weil sie sich das nicht leisten können oder sie einem Heiler im Dorf mehr vertrauen. Da würde es oft viele Therapieeinheiten brauchen um es erfolgreich zu therapieren, aber kaum bessert sich der Zustand kommen sie meist nicht wieder. Daher ist es fast nie möglich einen gezielten Therapieplan zu erstellen, wie es in Österreich üblich ist. Man lebt ausschließlich im Hier und Jetzt. Was jetzt nicht getan wird, wird voraussichtlich nie getan.

Wie war das Leben in Kampala generell?

Martina Marschal: Laut und busy. Kampala ist irre, so viel Verkehr, sehr staubig.

Wie viele Einwohner hat Kampala?

Martina Marschal: Mein Projekt ist super angelaufen und hätte super weiter geführt werden können und das Leben in Kampala ist einfach irre. Ich habe regelmässige Pausen gebraucht, ich musste regelmäßig weg. Zu Beginn in Kenia hatte ich nie das Bedürfnis Erholung zu brauchen. Da war ich in einer Kleinstadt am Lande, da hat sich nicht viel gerührt. Aber in Kampala war das permanent so.

Wie siehst jetzt deinen Einsatz rückblickend, im Gesamten?

Martina Marschal: Mein Projekt ist super angelaufen und kann auch super weitergeführt werden. Das Leben in Kampala ist einfach irre. Ich habe regelmässi Pausen gebraucht, ich musste regelmäßig weg. Zu Beginn in Kenia hatte ich nie das Bedürfnis Erholung zu brauchen, aber in Kampala war das permanent so.

Warst du mal zuhause? Wie war der Wechsel zwischen den Welten?

Ja zweimal, das erste Mal gleich nach 4 Monaten und letztes Jahr gleich 3 Wochen und es war immer komisch im Urlaub. Ich hatte da nie wirklich Zeit um drüber nachzudenken, es war immer vollgepackt mit Terminen. Es war schwieriger nach Österreich zu kommen als zurück nach Afrika. Dann in Afrika hab ich schon immer stark nachgedacht, wie das sein kann, dass es so anders ist. Das hat sich dann immer nach 2 Wochen wieder normalisiert, als ob die ganze Welt so wäre. Man vergisst schnell, dass es auch was anderes gibt.

Wie schauts mit Deiner Zukunft aus?

Martina Marschal: Ich werde wieder nach Villach gehen, wo ich eine Phisiotherapiepraxis aufbauen will. Wenn das nicht klappt, zieht es mich sicher wieder in die Ferne.

Danke fürs Gespräch!

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