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Zurück vom Einsatz: Interview mit Raphael Seiwald


Kategorien interview, personalia

Im Zuge des Studiums spezialisierte sich Raphael Seiwald auf internationale Themenstellungen der Entwicklungszusammenarbeit und ihre sozialen Dimensionen. Nach den ersten Studienabschlüssen in Soziologie und Internationale Entwicklung war Raphael als Auslandszivildiener im Vor-Ort-Büro von HORIZONT3000 in Nicaragua tätig und konnte bereits erste konkrete Arbeitserfahrung im Projektmanagement machen. Durch einen weiteren Masterstudiengang in Sozialer Ökologie spezialisierte er sich auf Themen der nachhaltigen Entwicklung. Dem folgte eine weitere Auslandstätigkeit in der Dominikanischen Republik, wo er unter anderem für NRO-Förderungsprojekte in den Bereichen lokale Entwicklung, Dezentralisierung und Umwelt tätig war.

In Mosambik arbeitete Raphael für die Umweltorganisation AMA (Associação do meio ambiente) im Norden des Landes um effektive Monitoring- und Evaluierungsinstrumente gemeinsam mit dem Projektleitungsteam zu implementieren. Die mosambikanische Umweltorganisation AMA – associação do meio ambiente – arbeitet seit 1990 in der nördlichsten Provinz, Cabo Delgado mit dem Ziel das Bewusstsein für eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen zu erhöhen, lokal passende Strategien und Technologien zu fördern und die Stimme der ländlichen Gemeinden zu stärken. Ziel des Personaleinsatzes ist das Projektmanagement der Partnerorganisation zu verbessern, angepasste Monitoring- und Evaluierungssysteme einzuführen und umzusetzen, durch Capacity Building die lokalen MitarbeiterInnen in den Fachbereichen zu stärken und Professionalität, Transparenz und Kooperation zu erhöhen.

Wir baten ihn zu einem kurzen Interview.


Mit welchem Gefühl bist du zurück? Hast du mit deinem Projektpartner die Ziele, die man sich erwartet hatte, erreicht?

Raphael Seiwald: Auf jeden Fall, die Projektziele sind erfüllt. In manchen Bereichen haben wir sehr tolle Ergebnisse erzielt. Ich bin sehr zufrieden.

Was waren die Ziele?

Raphael Seiwald: Ich habe im Projektmanagement gearbeitet. Ziel war die Erarbeitung eines Instruments zu Monitoring und Evaluierung, das für alle Projekte anwendbar ist. Mein Projektpartner AMA hat über 50 MitarbeiterInnen, ist auch die stärkste NGO in Cabo Delgado und hat daher auch jährlich an die 10 Projekte von internationalen Gebern, für deren Implementierung AMA zuständig ist. Das hat aber auch zur Folge, dass es viele unterschiedliche Berichtsformate gibt – jeder Geber hat sein eigenes System. Wir haben im Team ein Tool erarbeitet, das in Monitoring und Evaluierung einheitlich verwendet werden kann. Darüber hinaus haben wir bei den Zielgruppen im Feld selbst Daten erhoben, also Interviews geführt, Beobachtungen angestellt und sie in Tabellen und Grafiken aufbereitet.

Wie sinnvoll hältst du die Entwicklungszusammenarbeit?

Raphael Seiwald: Es kommt oft die Kritik, dass man durch die EZA Anhängigkeiten schafft, aber auch in Österreich bzw. in Europa gibt es viele Sektoren, die von öffentlichen Gebern abhängig sind. Der Gesundheitsbereich oder die Bildung, um zwei Beispiele zu nennen, würden sonst nicht funktionieren.

Wie siehst du einen Personaleinsatz in einer Organisation, die hauptsächlich mit Finanzierungsprojekten zu tun hat?

Raphael Seiwald: Viele Geber erwarten sich von der Partnerorganisation vor Ort professionelle Implementierung von Projekten, geben also Mittel, schauen aber nicht, ob auch die Qualität im Projektmanagement gegeben ist. Geber wie Nehmer legen daher oft den Fokus auf die Aktivitäten, vernachlässigen aber oft das Rundherum im Projektmanagement; wie liest man neue Verträge, wie macht man Bilanzen, wie setzt man Projekte an? Wie leitet man aus der Strategie Programme ab, wie formuliert man Logframes, wie definiert man Indikatoren? Das sind alles Skills, die man sich nicht erlesen kann, da braucht es Personaleinsätze, wo in der täglichen Interaktion spezifisches Capacity Building entstehen kann.

Du hast vor einigen Jahren im HORIZONT3000-Regionalbüro in Nicaragua einen „Auslandszivildienst“ geleistet und warst jetzt selbst in einem „richtigen“ Personaleinsatz. Wo liegen die qualiativen Unterschiede?

Raphael Seiwald: Ich hatte als Auslandszivildiener schon einen Studienabschluss und wurde daher in Nicaragua nicht geschont. (lacht) Was gut war, denn so konnte ich sehr viel lernen. Es war aber eher ein Herantasten an die Projektarbeit, wohingegen in Mosambik von mir volles Engagement und volle Verantwortung erwartet wurde. Das war für mich der qualitative Unterschied.

Wie sieht deine berufliche Zukunft aus?

Raphael Seiwald: Ich bleibe in der internationalen EZA, wechsle aber auf eine andere Ebene. Ich werde mit einem vom österreichischen Finanzministerium geförderten Jungakademikerprogramm für zwei Jahre nach Washington gehen und in der Evaluierungsabteilung der Interamerikanischen Entwicklungsbank arbeiten.

Noch ein Tipp für Neuausreisende?

Raphael Seiwald: Alles wird anders, als man sich vorher gedacht hat.

Vielen Dank für das Interview!

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