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Coronabedingt zurück vom Einsatz: Anita Langthaller (UGA & TZN)


Anita, du warst 4 Jahre im Einsatz. Hattest du nach hattest deiner Rückkehr einen Kulturschock?
Anita: Es ist vielleicht weniger ein Kulturschock, mehr ein Bewusstsein wie konsumorientiert unsere Gesellschaft ist und in welchem Überfluss wir leben. Auch geht mir die Freundlchkeit und Offenheit ab, das Lächeln und der kurzer Tratsch auf der Straße, im Bus, beim Einkaufen, mit Leuten, die ich gar nicht kenne. Hier sind die Leute einfach zu beschäftigt, der Tag, die Woche, das Monat sind vorgeplant, und jede Unterbrechung reduziert die mögliche Effizienz.

Field Trip with a the two most active Land Rights Monitors in Iringa.

Du warst zuerst in Uganda und dann in Tanzania. War es so, wie du dir die Sache davor vorgestellt hast?
Anita: Da ich ja schon seit 2012 in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig bin, wusste ich, was mich beruflich erwartet. Es sind aber immer die Menschen, die landesüblichen Verhalten, Normen und politische Interessen, die die gemeinschaftliche Arbeit prägen. Somit ist ein Einsatz auch ein ständiges Lernen und Adaptieren, und genau das macht dies Arbeit ja auch spannend.

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig?
Anita: Dieses Thema wird von uns selbst oft diskutiert, da es nicht immer klar ist, was von unserem Beitrag bleibt. Change Management, das Ändern von Organisationsstrukturen und -praktiken dauern sehr lange und hängen vom Willen der Beteiligten und dem Führungsstil der jeweiligen Organisationsleitung ab. Manchmal werden die empfohlenen Änderungen gleich umgesetzt, manchmal zögernd und erst viel später oder alles wird vergessen oder nicht mehr gemacht, sobald die Beraterin nicht mehr da ist. Wie es auch ist, die MitarbeiterInnen selbst erweitern jedenfalls ihr Wissen und ihre Methoden. Allen voran die Counterparts, mit denen wir ja die meiste Zeit in jeder Organisation verbringen. Der Wissenstransfer, die Chance, einen Mentor zu haben, wird sehr gut angenommen. Wir bleiben auch oft lange nach der Einsatzzeit in Verbindung. Viele der Counterparts suchen sich einen höhergestellten Job in einer anderen Organisation, was zwar ein Verlust für die Partnerorganisation ist, aber das Wissen wird dann auch auf andere Menschen und Organisationen übertragen.

Deine größten Herausforderungen, Hindernisse, Probleme?
Anita: ZEIT und WILLE. Im Bereich Organisationsentwicklung, und besonders Monitoring und Evaluation, ist es wichtig, dass das ganze Team dazu beiträgt, nicht nur der M&E Officer. Das betrifft ein Verständnis für die Theory of Change des Projektes zu vermitteln, gemeinsames Planen realistischer Indikatoren und der Datensammlung, sowie genügend Zeit zu haben Resultate zu diskutieren und wenn nötig, Verbesserungen einzuführen. In vielen kleineren Organisationen, mit wenigen Leuten ist aber die Programimplementierung das Wichtigste, da ja die Aktivitäten mit dem Geldgebervertrag eng verbunden sind und dadurch die Zeit für Training, Planung und Reflektion oft nicht budgetiert und verfügbar ist und somit die Veränderungen verzögert und weniger nachhaltig macht.

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert?
Anita: Das Treffen der Landbevölkerung, der Zielgruppen vor Ort, ist für mich am einflussreichsten und verstärkt immer meinen Willen weiterzumachen. Zum Beispiel wenn wir Situationsanalysen oder Monitoringsbesuche in entlegenen Dörfern machen, sehe ich den Bedarf und die Veränderung; aber auch Vertrauen und Freundschaften werden geknüpft. Es ist ein Privileg dabeizusein und zu beobachten, wie Frauen sich trauen, endlich auch in der Gruppe aufzustehen und über ihre Probleme zusprechen. Oder wie sie anderen Frauen zur Selbsthilfe anleiten um Ungerechtes zu überwinden. Oder wenn Männer in sehr traditionellen Gesellschaften die Rechte von Frauen verteidigen oder beginnen unfaire kommunale Entscheidungen lokaler Führer zu diskutieren und anzufechten.

Was machst du als nächstes?
Anita: Das ist noch nicht ganz klar, aber ich will auf jeden Fall noch weiter in diesem Bereich tätig sein, sei es als Technischer Berator oder oder Evaluator.

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?
Anita: Am wichtigsten ist wohl das Zuhören. Nichts zu übereilen, Vertrauen und Respekt zu ermöglichen und mitzuarbeiten. Es ist aber auch wichtig, den Wissensreichtum, die Erfahrungen und die Lösungskompetenzen der KollegInnen in den Partnerorganisationen nicht zu übersehen. Es ist immer mehr Wissen da als erwaehnt wird …


Zur Person
Anita Langthaller studierte Soziologie und Ethnologie in Wien. Sie war in den letzten 20 Jahren vor allem als Sozialforscherin in Neuseeland tätig mit Schwerpunkt Monitoring & Evaluierung im Justiz- und Gesundheitsbereich. Die Projekte reichten von staatlichen landesweiten Programmen zu medizinischen Interventionen. Anita leitete auch für mehrere Jahre die Entwicklung der Knowledge Exchange, eines Wissensmanagement Web Portals für den neuseeländischen Mental Health Sektor. Ihre Personaleinsätze in Papua Neuguinea und Uganda fokussierten auf Organisationsentwicklung.

Ziel der Personaleinsatze
Das Ziel der Einsätze war die Entwicklung von Monitoring and Evaluierungskapazitäten der MitarbeiterInnen und die Verbesserung von Knowledge Management Systemen um die Messung und das Lernen von Wirkungen effizienter und nachhaltiger zu machen.

Partnerorganisationen

2016-2018: Die NGO Uganda Women’s Network (UWONET) ist ein Interessenvertretungsnetz für Frauenrechte mit der Aufgabe, das Handeln zwischen UWONET-Mitgliedern (16 Frauenorganisationen) und ausgewählten Stakeholdern zu koordinieren. Ziel ist eine lebendige Frauenbewegung, die sich in Politik und Gesetzgebung engagiert um die Gleichstellung der Frau durchzusetzen. UWONET arbeitet mit 30 Distrikt-Frauen-Netzwerken, Mitgliedern und nationalen und internationalen Partnern zusammen um Programme in vier Themenbereichen umzusetzen: a) Women’s Leadership and demokratische Regierungsführung; b) Frauenrechte; c) wirtschaftliche Gerechtigkeit und Empowerment; d) Institutionelle und organisationelle Entwicklung

2018-2020: HAKI ARDHI / LARRRI (Land Rights Research & Resources Institute) wurde 1994 als NGO gegründet um die Landrechte der Landbevölkerung zu stärken. Zu den Aktivitäten der 9 MitarbeiterInnen und 25 Mitglieder gehören die Aufklärung von Landrechten bzw. Wissensverbreitung und die Stärkung von Gemeindevertretern (Elders, Leaders), Frauen und Jugendlichen um an Entscheidungsprozessen teilnehmen zu können, um persönliches oder Gemeinschaftsland zu schützen und um die Vergaben zu beinflussen. Außerdem bietet Haki Ardhi Rechtsbeistand und Beratung bei Landkonflikten an und betreibt Landrechteforschung um die Programme der Regierung und anderer Stakeholder besser zu unterstützen.

Mitgliedsorganisationen