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Zurück vom Einsatz aus PNG: Martin Wolfer


Martin Wolfer aus Geislingen/Steige (Deutschland) erlernte das Tischlerhandwerk. Nach Ablegen der Meisterprüfung und Arbeit als Tischlermeister erfolgte ein erster Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit (mit dem DED in Westafrika). Danach war er als Tischlermeister in verschiedenen Betrieben tätig. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Ausbildner in einer berufsbildenden Einrichtung in Deutschland wechselte er erneut in die Entwicklungszusammenarbeit (mit der GIZ im Kongo). In Papua-Neuguinea beriet er die Bildungseinrichtung St. Joseph’s College 50 km nördlich von Arawa mit dem Ziel, ein Prüfungszentrum in Zimmerei und Holzbau zu errichten. Wir baten ihn zum Interview.

Martin, das war dein 3. Einsatz in deinem Berufsleben. Gibt es bei einer Rückkehr nach Deutschland noch so etwas wie einen reverse culture shock?

Martin: Die Auswahl in den Supermärkten erschlägt mich immer wieder aufs Neue. Die letzten zwei Jahre hatte ich die Wahl zwischen einer großen und einer kleinen Tube Zahnpasta. Und jetzt stehe ich vor dem Regal und frage mich, welche nehm‘ ich? Und dann gibt es verschiedene Dinge, die ich nachholen muss. Vor allem beim Essen – ich esse ja gerne: saure Kutteln etwa, oder Blutwurst. (er lacht)

Hast du dir deinen Einsatz in PNG, für dich ja ein neues Land, so vorgestellt?

Martin: Ich hatte mir gar nichts vorgestellt und das war gut so. So war ich für alles offen. Und auch immer wieder überrascht. Zum Beispiel darüber, wie viele Menschen in PNG Betelnuss kauen.

Dein persönliches Resümee – was bleibt von dir übrig auf beruflicher Ebene?

Martin: (überlegt) Also den Erfolg meines Einsatzes messbar zu machen, halte ich für sehr schwierig. Durch meine Arbeit konnte ich einige Dinge anstoßen, einiges vermitteln und wir haben im Team einige neue Methoden probiert. Die Schwierigkeit bei meinem Einsatz war, dass es Auffassungsunterschiede zwischen unserem Projektpartner, der Diözese, und dem Projektplatz, eine Schule der Diözese, gab.  Die Diözese hatte bestimmte Vorstellungen und die Schulleitung hatte ihre.

Nachvollziehbar für dich?

Martin: Ja, klar. Ich verstehe beide Seiten. Die eine Seite will Innovation, Veränderung, einen neuen Weg, die andere Seite will Beständigkeit und die Methode, die jahrelang angewandt wurde und auch ganz passabel gelaufen ist, weiterführen.

Und was hat der Einsatz persönlich mit dir gemacht?

Martin: Es hat meine innere Haltung gestärkt, immer offen zu bleiben. Für anderes, für neues. Und ich habe gelernt, dass PNG nicht vergleichbar ist mit den Ländern, die ich in Afrika kennengelernt habe. Das sind zwei komplett unterschiedliche Welten. In dem Zusammenhang ist mir auch deutlich geworden, wie wichtig es in neuen Kontexten ist, dass es Fixpunkte wie Reinhard Lorenz (ehemaliger H3-Kollege, der in PNG lebt) gibt. Also Menschen, die beide Kulturen kennen und Neulinge wie mich bei der Hand nehmen können. Einer, der dich hinweist, schau mal, da steckst du jetzt schon fast bis zu den Knien im Dreck, oder ja, das ist gut so, wie du das machst. Oder auch, pass auf, so wie du dich anstellst, geht das daneben.

Was war die größte Herausforderung für dich?

Martin: Die Ruhe bewahren in extremen Situationen.

Was gibst du Neuausreisenden auf den Weg mit?

Martin: Am Anfang alle Sinne öffnen, auch den Geist offen halten. Zuerst lernen und dann erst sachte einsteigen in die Projektarbeit.

Vielen Dank und alles Gute!

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