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Zurück vom Einsatz: Corinna Mittlbach (PNG)


Corinna Mittlbach beriet in den letzten beiden Jahre das School Management Programme (SMP), Teil der Catholic Education Agency (CEA) der Diözese Kiunga-Daru in der Western Province, Papua-Neuguinea. Die CEA bietet mit ihren 4 MitarbeiterInnen derzeit für über 60 Schulen, von denen viele in abgelegenen Gebieten liegen und nur schwer zu erreichen sind, unter anderem Trainings und Workshops in den Bereichen Schulverwaltung und Finanzmanagement an.

Der Einsatz unterstützte das School Management Programme in der Entwicklung von Schulplänen, im Erstellen von Jahresbudgets und in buchhalterischen Dingen. Darüber hinaus wurden für SchulleiterInnen Konferenzen zum Erfahrungsaustausch abgehalten, Computerkurse angeboten und pädagogische Trainings entwickelt.

Corinna Mittlbach studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien und absolvierte ein Auslandssemester in Finnland. Sie vertiefte sich in Internationale Entwicklung und Politikwissenschaft. Sie ist ausgebildete Mediatorin und war einige Jahre im NGO-Bereich tätig. In den letzten vier Jahren arbeitete sie als Lehrerin.

Corinna, du bist seit 2 Wochen wieder in Österreich. Traf dich nach der Rückkehr der berühmte reverse culture shock?

Corinna (lacht): Ja, zum Teil. Das erste Mal wieder U-Bahn fahren. Die vielen Menschen auf einen Fleck. Das ist schon herausfordernd. – Ich habe auch einen gewissen Aufholbedarf, es hat sich viel verändert, Wien hat sich verändert. Ich muss die Stadt erst wieder kennenlernen.

Hast du dir deinen Einsatz in PNG vor 2 Jahren so vorgestellt, wie er dann schließlich war?

Corinna: Jetzt weiß ich, dass ich es mir nicht vorstellen hätte können, wie es sein wird. Man fühlt sich wie ein Kleinkind, wenn man neu ankommt, man spricht die Sprache nicht, alles ist neu, man versucht sich zurechtzufinden. Mit der Erfahrung, die ich jetzt habe, würde ich die Dinge natürlich ganz anders angehen.

Bist du mit einer Erwartungshaltung ausgereist?

Corinna: Ja, schon, ich hatte selbst den hohen Anspruch, möglichst rasch und möglichst viel im Projekt an Input zu geben.

Und haben sich die Erwartungen auch erfüllt?

Corinna: Zum Teil. Es haben sich aber auch ganz andere Dinge ergeben. Man lernt ja erst vor Ort, was es bedeutet als Beraterin zu arbeiten. Und was dazu notwendig ist. Man hat zwar die Vorbereitung, den Logframe und den Arbeitsauftrag, aber in meinem Fall musste der Logframe nach einem halben Jahr angepasst werden, weil sich die Bedürfnisse der Partnerorganisation geändert hatten. Und auch die Partnerorganisation braucht Zeit um einen kennenzulernen.

Am Anfang war es schon schwierig, aber das ist auch das spannende an einem Einsatz. Ich hatte am Anfang Zweifel, ob ich das 2 Jahre lang schaffen würde. Es dauert einfach, bis das permanent Neue zur Routine wird und man dadurch gefestigt wird.

Was genau hast du als schwierig empfunden?

Corinna: Die Partnerorganisation hatte vor mir schon 2 Fachkräfte und dachte sich daher, dass ich kommen würde und nahtlos an die Arbeit der beiden anschließen könne. Es war die Erwartung da, dass ich gleich wüsste, wie der Hase läuft. Da gab es auch bei der Partnerorganisation eine Erwartungshaltung, die nicht erfüllbar war.

Schwierig war es auch für mich, zu akzeptieren, dass ich erst lernen musste, erstmals anzukommen und zu beobachten, wie das Leben und Arbeiten hier funktioniert und was ich dazu beitragen kann. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich wirklich angekommen war und Anschluss gefunden hatte.

Aus persönlicher Erfahrung würde ich sagen, ganz normal …

Corinna: Ja, das wurde mir auch bewusst, als ich beim In Country Training 2 KollegInnen kennengelernt habe, die mir das gesagt haben und mich dadurch auch aufgefangen haben. Das hat sehr geholfen. Ich würde diesen Rat auch jedem Neuausreisenden mitgeben: Die erste Zeit ist schwierig, viel Zeit lassen und sich von der Idee verabschieden, das man gleich mit Arbeiten und seinem Projekt starten kann. In PNG läuft vieles über die Beziehungsaufbau und es braucht einfach einige Zeit, bis die Menschen, mit denen man zu tun hat, einem vertrauen. Das Leben ist in PNG einfach ganz anders, als wir es in Österreich gewohnt sind.

Was ist zum Beispiel so anders?

Corinna (lacht): Coconut time zum Beispiel. Zeit wird anders wahrgenommen und nimmt eine andere Bedeutung ein. In Österreich ist in der Regel alles getaktet, Planungen verlaufen linear. Und das erscheint uns dann vollkommen logisch. Aber in PNG wird das normalerweise nicht als logisch gesehen. Daher schauen Planungen auch anders aus, vieles läuft nebeneinander und hüpft auch vor und zurück. Das hat damit zu tun, dass man viel improvisieren muss, weil Dinge nicht so funktionieren, wie man es geplant hatte. Es heißt ja in PNG, „expect the unexpected“ – also diese Unsicherheit muss in der Planung berücksichtigt werden. Und weil das gemacht wird, funktioniert die Organisation auch. In Österreich würde man an einem bestimmten Punkt sagen, ok, wir blasen die Sache für heute ab, da geht nichts mehr. In PNG wird weitergetan und es funktioniert dann schließlich. Anders als erwartet, aber es funktioniert. Es ist schwierig, das zu erklären, weil es für uns nicht logisch erscheint. (lacht)

Ein anderes Beispiel drückt sich durch den Ausspruch „easy, easy“ aus. Alles in Ruhe angehen, nur kein Stress. Es wird auch nicht oft verstanden, warum wir so einen Stress machen. Lehrreich, denn man hinterfragt das dann selber. Wieso stressen wir uns bei allem so? Es geht auch einfach. (lacht)

Ist das eine Weisheit, die du persönlich von deinem Einsatz mit nach Hause nimmst?

Corinna: Ja. Es ist in vielen Lebenssituationen besser, den Glauben über Bord zu werfen, zu wissen, wie Dinge funktionieren. Dass es nicht immer so ist, wie man sich das vorstellt. Man wird dadurch viel offener in Herangehensweisen.

Eine andere Erkenntnis: Arbeitet man mit Menschen, so ist ein Projekt nachhaltiger, wenn man sich dabei Zeit lässt. „Schnell schnell“ bringt nichts.

Was bleibt beruflich von dir im Projekt?

Corinna: Direkt im School Management Projekt habe ich erfahren, dass mein ehemaliger Counterpart die gemeinsame Arbeit selbstständig weiterführt. Im Education Resource Center, wo ich mit meinem anderen Counterpart an der Optimierung der Services für LehrerInnen gearbeitet habe, gibt es auch schon die Rückmeldung, dass sie auf sich allein gestellt das Büromanagement weiterführt.

Was war für dich die größte Herausforderung der letzten 2 Jahre?

Corinna: (denkt nach) Abschied nehmen. Man wird Teil einer Familie, hat Freundschaften aufgebaut, ist in einem Projekt verankert. Da fällt das Zurücklassen und das Abschiednehmen schwer.

Letzte Frage: Was hast du jetzt vor?

Corinna: Das ist noch offen. — Easy easy! (lacht)

Vielen Dank und alles Gute für deine Zukunft!

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