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zurück vom Einsatz: Julia Pereira Dias


Du bist seit kurzem zurück. Hattest du nach deiner Rückkehr einen Kulturschock?

Ich bin noch nicht lange zurück, um das beurteilen zu können. Wahrscheinlich ist es bei mir mehr das Vorurteil, das ich bereits gegenüber meinem eigenen Land habe, vor allem, was den Umgang mit Kindern angeht. Ich habe es in Uganda sehr genossen, dass meine Kinder überall immer willkommen waren und die Menschen sich über sie gefreut haben. Ob im Supermarkt, im Restaurant oder in der Arbeit – die Leute haben sich gefreut, die Kinder zu sehen und haben sich mit ihnen beschäftigt. In Deutschland sind Kinder sehr viel schneller ein Störfaktor. Ob und inwieweit Kinder Teil des Lebens sind, wird sehr polemisiert diskutiert, wobei es bei den Diskussionen letzten Endes um die Eltern (oder Nicht-Eltern) geht, nicht um die Kinder. In Uganda wird es überhaupt nicht thematisiert, da sind Kinder einfach da (was ja auch nicht überraschend ist, wenn man bedenkt, dass das Durschnittsalter in Uganda 14 ist).

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig? Persönliches Resumee?

Ich halte mich hier an die Aussagen, die mir viele MitarbeiterInnen von JCU gegeben haben, als wir meinen Abschied feierten. Ja, das technische Wissen ist vorhanden; viele nützliche Systeme für M&E etabliert und angewandt. Das Entscheidende aber sind nicht die technischen Beiträge – ich denke, das waren sie nie in all den Jahren, die ich im Ausland gearbeitet habe. Was wirklich bleibt, ist die menschliche Bereicherung, das wurde auch stark zum Ausdruck gebracht. Viele sagten mir, sie fühlten sich so gestärkt im Glauben an sich selbst und an dem, was sie in ihrer Arbeit und ihrem Leben erreichen können.

Eine weitere, unerwartete Wirkung ergab sich dadurch, dass ich seit der Geburt meiner dritten Tochter diese immer bei mir in der Arbeit hatte. Wenn es möglich war, habe ich auch die anderen bei Dienstreisen oder Veranstaltungen dabei gehabt. Dadurch wurde das Bewusstsein in meiner Partnerorganisation für die Bedeutung der Familie und der Möglichkeit, beides zu vereinbaren sehr verstärkt. Tatsächlich nehmen jetzt mehrere JCU-Angestellte ihre Babies mit in die Arbeit. Andere, auch Männer, sagten aus, dass sie eine andere Einstellung zu ihrer eigenen Familie und ihren Kinder bekommen hätten. Ich bin sicher, das sind die Dinge, die bleiben.

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert?

Sowohl durch die Arbeit mit JCU, die ja auch in Gefängnissen, Polizeistationen und Kinderheimen stattfindet, als auch im Privatleben in einer Umgebung, in der arm und reich sehr eng beieinander leben, war ich tagtäglich mit dem Ausmass der Armut und der Gewalt an und Vernachlässigung von Kindern konfrontiert. Soweit es uns als Familie möglich war, haben wir in unserer Nachbarschaft die Familien mit Schulgebühren und Essen unterstützt, was eine wichtige Erfahrung für unsere Töchter war. Ich selbst habe aus dieser Erfahrung eine unheimlich Dankbarkeit mitgenommen: jeden Abend zu wissen, dass meine Kinder gesund, geschützt, satt und trocken in ihrem warmen Bett schlafen, ist ein unglaubliches Geschenk.

Was machst du als nächstes?

Ich mache mich als Coach selbstständig. Sowohl für Führungskräfte in Teamleitung und Kommunikation als auch für Privatkunden, die ein starkes, unabhängiges Selbstvertrauen aufbauen möchten.

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