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Coronabedingt zurück vom Einsatz: Severin Schönberger (PNG)


Severin, willkommen zurück! Wie fühlt es sich an, wieder in Österreich zu sein?
Severin: Immer noch etwas komisch, wobei ich mich nun eingelebt habe, da ich ja nicht lange im Einsatz war. Ich fühle mich vor allem etwas schuldig, die Partnerorgansiation „im Stich“ gelassen zu haben.

Was vermisst du an deinem Leben in PNG? Und was nicht?
Severin: Ich vermisse:
– dass sich die Menschen unterneinander gerne und lange Geschichten erzählen
– dass sich die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, für ihr Land einsetzen und Prinzipien haben
– die Natur in den abgelegenen Gegenden, wo immer noch eine Clanstruktur vorherrscht
– Abenteuer in der Natur: Geländewagen, Boot, Fluss, Meer

Ich vermisse nicht:
– Malaria, Bettwanzen, Kackerlaken
– das große Sozialgefälle
– 24 Stunden für 100 km im Boot und Geländewagen …

Welche Momente und Eindrücke aus deinem Einsatz werden dir besonders in Erinnerung bleiben?
Severin: Die beiden Dienstreisen zu verschiedenenen Clans, um Sprache und Kultur kennenzulernen. Abseits jedweder „Zivilisation“ (ohne Möglichkeit der Telekommunikation, Transport unheimlich schwierig und wenn überhaupt möglich sehr teuer und abenteuerlich). Man sieht, dass dieses Land in vielen Bereichen (noch) einzigartig ist, aber große Risse in der Gesellschaft, die durch Kolonialisierung und Globalisierung enstanden sind. Unsere Vorstellung von Wirtschaft ist mit der Clanstruktur schwer vereinbar und das ist vielleicht gut so, aber die Globalisierung ist unaufhaltbar (will das gar nicht bewertend wissen).

Covid-19 war und ist auch in PNG ein Thema. Wie hast du die Situation insgesamt und speziell in deiner Einsatzregion wahrgenommen?
Severin: Ich habe sie dort kaum wahrgenommen, weil es in meinem Einssatzgebiet kaum ein Thema war. Die Geschäfte hatten offen, sperrten aber um 3 pm statt 5 pm zu und man musste sich überall vorher die Hände waschen, was ich nicht als Problem empfand.

Was nimmst du für dich persönlich vom Einsatz mit?
Severin: Das es wie immer sehr wichtig ist, sich erstmal auf Einsatzland und Partnerorganisation einzulassen. Das ist immer wieder neu bei jedem neuen Einsatz und auch nicht immer einfach.

PNG in 3 Worten?
Severin: Die Bettelnuss gehört zum Land gnauso wie Tok Pisin.
ODER: Viele Möglichkeiten von Personaleinsätzen.
ODER: Land of the unexpected.


Über Severin Schönberger
Agraringenieur mit Schwerpunkt nachhaltige (Land-)Wirtschaftsförderung, ökologische Landwirtschaft und Wertschöpfungsketten. Zertifizierung im BIO- und Fair-Trade-Bereich (4,5 Jahre)
Erfahrung im Bereich Kaffee und Kakao und Methoden (Training of the Trainers). Bisherige Einsatzländer im Entwicklungsdienst: Ecuador (1,5 Jahre), Honduras (6 Jahre)

Partnerorganisation
FORCERT ist eine NGO mit Sitz in Kimbe und Außenstellen in Rabaul und Madang. Insgesamt 18 Angestellte engagieren sich im Bereich nachhaltiger Nutzung von natürlichen Ressourcen und Ressourcenschutz. Gegründet 2004, war die NGO hauptsächlich in Forstzertifizierung tätig und hat nun den Schwerpunkt auf nachhaltige, sozial verträgliche Landnutzungssysteme gelegt.

Ziel des Personaleinsatzes
Auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie ist die Entwicklung eines separaten Organisationsteils geplant, der als soziale Unternehmung funktioniert und den Aufbau sowie den erfolgreichen Betrieb von Vermarktungsstrukturen für nachhaltige und faire Bio-Produkte gewährleisten soll.

Mitgliedsorganisationen