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zurück vom Einsatz: Verena Guggenberger


Du warst 5 1/2 Jahre im Einsatz. War es so, wie du dir die Sache davor vorgestellt hast?

Ich hab mir eigentlich nichts vorgestellt, die Aufnahme vom HORIZONT3000-Team vor Ort war sehr schön, hilfreich und unterstützend. Die ersten Schritte wurden sehr hilfreich begleitet und dann wurde es für mich etwas schwierig, weil ich mit den Partnerorganisationen in der Organisationsentwicklung alles neu aufbauen musste. Organisationsentwicklung war als Thema noch nicht wirklich angekommen. Die Programme Officers haben mich sehr gut unterstützt zu Beginn, ich hatte sehr viel zu tun. Als die dann weg gingen, war ich etwas im luftleeren Raum, die Organisationsentwicklung hatte keinen richtigen Platz – das war etwas unzufriedenstellend, weil alles von mir selbst abhängig war, es war keinem ein Anliegen. Dann wurde ich direkt dem Management unterstellt und ich berichtete direkt, ab da an hab ich gespürt, da geht was weiter und ich hab gespürt langsam wird die Organisationsentwicklung Teil vom Strukturdenken bei HORIZONT3000 in Ostafrika. Die Arbeit mit den Partnerorganisationen war viel wertvoller und bereichernder, als ich mir erwartet habe, und als verstanden wurde, was Organisationsentwicklung kann, ist es wirklich sehr gut geworden und die Ansätze aus der Erwachsenenbildung sind sehr gut angenommen. Es war immer ein wunderbarer Austausch! Was mir sehr entsprochen hat, war das total selbstständige Arbeiten, was ich mir in den Jahren zuvor angeeignet habe.

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert? Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig? Persönliches Resumee?

Die wunderschöne Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen und am Schluss des Einsatzes haben wir eine Reise um den See (Anm. Viktoriasee) gemacht um uns von allen Partern zu verabschieden, das war sehr bewegend. Ich habe in allen 3 Ländern (Tansania, Uganda, Kenia) gearbeitet. Ich habe jetzt das erste Mal in Uganda gelebt und die Leute sind trotz der sehr schlechten Lebensbedingungen immer freundlich und immer entegegenkommend, das herz- und seelenerwärmende Lachen, trotz der oft widrigsten Lebensumstände hat mich sehr beeindruckt und bewegt. Es war auch beeindruckend, wie um eine verhältnismässig teure Schulbildung für das eigene Kind gekämpft werden muss, da diese Leistung eingentlich kostenfrei sein sollte. Auch im Gesundheitswesen, welches gratis bzw. kostenfrei sein sollte, gibt es keine Behandlung ohne Bezahlung, das ist schmerzvoll beeindruckend. Und trotz all dieser Schwierigkeiten gelingt ihnen immer noch dieses wunderbare Lachen. Mich hat auch die Natur und die Szenerie, die Schönheit der Region sehr begeistert, Uganda zum Beispiel hat so viel natürlichen Reichtum, Ressourcen, und Potenzial, das noch genutzt werden kann. Auch die Authentizität des Landes, die vom Tourismus noch nicht so verändert wurde wie zum Beispiel in gewissen Teile von Kenia. Die Zeit in Ostafrika war insgesamt sehr schön und sehr bereichernd!

Was machst du als Nächstes?

Wir sind wieder näher an unserer Familie, das genießen wir im Moment sehr, bringen unser Haus in Kärnten auf Vordermann. Und wir überprüfen in diesem Zuge auch, was wir wirklich brauchen und was wir nicht brauchen. Derzeit ist es schön, das Leben zu geniessen!

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?

Wenn wir neu ausreisen, wissen wir gar nichts, daher müssen wir zu Beginn zuhören, zuschauen, lernen und dann gemeinsam mit den Partnern Wissen aufbauen!

 

Zur Person

Verena Guggenberger-Senn hat sich schon ihr Leben lang für Menschen, Organisationsstrukturen und die Wechselwirkung zwischen beiden interessiert. Beim Fastenopfer der Schweizer Katholiken in Luzern, wo sie nach dem Studium zum Lehramt, dann der Sozialpädagogik und der Ethnologie als Projektreferentin arbeitete, machte sie als Personalsprecherin ihre ersten Erfahrungen mit aktiver Organisationsentwicklung und erlebte, wie sich eine Organisation dadurch modellhaft weiterentwickelte. In Tansania baute sie dann mit der Caritas Mwanza selbst eine Organisation auf. Eine weitere Organisation, diesmal ein Begegnungszentrum für Frauen, entwickelte sie später in Kärnten. Davor aber, in Rwanda, lernte sie Projekte und Organisationen als Konsulentin kennen. Eine profunde Ausbildung in Organisationsentwicklung erlaubte ihr schließlich, ihr langjährig aufgebautes Wissen und ihre Erfahrungen systematisch aufzuarbeiten und in einen passenden Rahmen zu stellen.

Ziel des Projekteinsatzes

Die MitarbeiterInnen unserer Partnerorganisationen sind meistens sehr offen für Innovationen und auch in hohem Maße lernwillig. Was häufig fehlt, ist ein Anlass, Veränderungsprozesse in einer Organisation hinsichtlich einer Effizienzsteigerung der Abläufe in Gang zu bringen. Dazu braucht es die Bereitschaft von Führung und MitarbeiterInnen, über den aktuellen Stand ihrer Organisation nachzudenken und dadurch das Bewusstsein zu erreichen, dass gewisse organisationsverbessernde Maßnahmen hilfreich sind. Das Ziel des Personaleinsatzes ist es, die interne Leistungsfähigkeit von HORIONT3000-Netzwerkpartnern zu erhöhen. Die Partner werden unterstützt, interne Prozesse zu analysieren, Verbesserungspotentiale zu definieren, Lösungen zu entwickeln und diese schließlich umzusetzen. Der Einsatz der Beraterin trägt dazu bei, die Leistungsfähigkeit der Partnerorganisationen durch Veränderungsprozesse und Innovationen zu steigern.

Beschreibung der Partnerorganisationen

Die Beraterin dieses Personaleinsatzes ist Springerin (Flying TA), also keiner festen Organisation zugeordnet, und gestaltet ihre Einsätze nach spezifischen Bedürfnissen der Partnerorganisationen. Viele der Partner des HORIZONT3000-Netzwerkes stehen durch die vielfältigen Aufgaben eines effizienten Managements sowie anderer organisatorischer Aspekte und allfälliger Projektvorhaben vor Herausforderungen, die sich oft erschwerend auf die Erreichung ihrer Ziele auswirken. Um diese Ziele besser erreichen zu können, richten sich die „Springer“-Einsätze von Verena Guggenberger-Senn auf die Strukturen und internen Abläufe der Partnerorganisationen.

Mitgliedsorganisationen