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Zurück vom Einsatz: Brigitte Baumann


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Brigitte Baumann ist bereits seit 1990 mit Tansania verbunden. Mit ihren Eltern und Geschwistern verbrachte sie drei Jahre in Karagwe und war danach zwei Mal als Volunteer in verschiedenen tansanischen Einrichtungen tätig. Nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit in Freiburg sammelte sie als Sozialpädagogin in einem Jugendamt mehrere Jahre Berufserfahrung. Für HORIZONT3000 war sie drei Jahre bei MAVUNO in Karagwe, Kagera Region, Tansania, als Beraterin für Monitoring & Evaluation und Organisationsentwicklung tätig. Im April 2015 endete ihr Einsatz.

Welches Projekt hast du bei MAVUNO realisiert?

Brigitte Baumann: Als ich ankam, gab es kein Monitoring-System. Es wurde zwar immer Mal geschaut, wie das Projekt läuft, aber ohne System dahiner. Das haben wir von Grund auf aufgebaut. Des weiteren konnten wir einiges an den Organisationsstrukturen verändern und verbessern. Es fanden z. B. einige Workshops und Trainings in den drei Jahren statt um die Mitarbeiter weiter zu qualifizieren. Während der wöchentlichen Teamsitzungen konnten wir auch immer wieder Dinge besprechen, die nicht rund liefen oder Verbesserungen benötigten. Einiges konnte so verbessert und verändert werden.

Von unseren Partnerorganisationen ist die Nachfrage von ExpertInnen für Monitoring und Evaluierung stark. Wollen die Geldgeber besseres Projektmanagement oder kommt der Wunsch von den Partnern selbst?

Brigitte Baumann: Zum einen ist dieser Wunsch der Geber sicher da, zum anderen wollen die Organisationen selbst gerne wissen, wie die eigenen Projekte laufen. Ich habe das bei vielen Organisationen mitbekommen, dass sie selbst Interesse an Monitoring & Evaluierung haben.

Wie ist es dir dabei gegangen?

Brigitte Baumann: Das lief total gut. Das System ist aufgebaut und wurde gut angenommen. Nicht nur meine KollegInnen beim Partner haben sehr gut mitgemacht, sondern auch die Menschen in den Dörfern, die eigentliche Zielgruppe.

Wie funktionert das System?

Brigitte Baumann: Es gibt sogenannte focal farmer, die ich ausgebildet habe, damit sie die Fragebögen mit den Bauern ausfüllen. Diese Arbeit wird ab und zu von meinen ehemaligen KollegInnen – den MitarbeiterInnen bei MAVUNO – überprüft. Vor allem, wenn Unklarheiten auftauchen. Die Zielgruppe, also die Bäuerinnen und Bauern stehen ebenfalls ganz hinter diesem System, da sie sich dadurch auch äußern können, wenn etwas nicht richtig läuft. Die gesammelten Daten helfen sowohl bei den Berichten und Projektanträgen, als auch bei Verbesserungen der Projekte.

MAVUNO arbeitet in der Ländlichen Entwicklung, was macht die Organisation genau?

Brigitte Baumann: Das wichtigste ist das Agriculture-Programme, das seit 1993 läuft. Nach und nach kamen weitere Projekte dazu, zum Beispiel das Zisternenprojekt 1995. Heute sind es neun Projekte. Alle sind in irgendeiner Weise mit Landwirtschaft und Bildung verknüpft.

Mit welchen Herausforderungen hattest du zu kämpfen?

Brigitte Baumann: Es ist sehr schwierig, gutes Personal zu finden, weil das Projekt „sehr“ auf dem Land ist. Die guten Leute sammeln höchstens ein bisschen Berufserfahrung bei MAVUNO, aber letztlich springen immer wieder Leute ab und ziehen in die Stadt, wo Karriere-, Verdienst- und Freizeitmöglichkeiten viel besser sind. Das ist allgemein in den ländlichen Organisationen ein großes Problem.

Du bist seit kurzem wieder in Europa – hattest du einen Kulturschock oder bist du aufgrund deiner langen Afrika-Erfahrung schon immun dagegen?

Brigitte Baumann: Früher fiel es mir schwerer, zwischen den Welten zu pendeln, aber heute ist es relativ einfach. Aber natürlich hinterfragt man immer wieder Gewohnheiten – dort wie da. So hatten die Züge von Freiburg nach Wien ein paar Minuten Verspätung. Einige Passagiere regten sich darüber auf, ich dachte mir dagegen, der Zug fährt doch, worüber beschweren die sich denn! Solange ich ankomme, ist es mir egal, wie lange es dauert. (sie lacht)

Hast du einen Tipp für Neu-Ausreisende?

Brigitte Baumann: Für die, die nach Tansania gehen: Lernt Suaheli. Im Allgemeinen sollte man sich auf die Partner und ihre Bedürfnisse einlassen. Und sie nicht überfahren mit dem, was man denkt, das sei jetzt passend. Zuerst einmal gucken und dann erst gemeinsam überlegen, wie man zusammen an die Arbeit geht.

Wie geht es für dich weiter?

Brigitte Baumann: Das weiß ich noch nicht. (lacht) Im Moment suche ich in der Gegend Freiburg oder Offenburg im Sozialbereich einen Job. Irgendwas wird sich schon finden, da bin ich zuversichtlich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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