Reintegration von Flüchtlingen in Papua Neuguinea
1969 wurde das ehemals holländische West-Neuguinea eine offizielle Provinz Indonesiens und bekam den Namen Irian Jaya. Infolge kam es zu Vertreibungen und Einschränkungen für die indigene Bevölkerung, rund 200.000 Papuas kamen ums Leben. 1984 flüchteten zehntausende Menschen über die Grenze nach Papua-Neuguinea und ließen sich in improvisierten Camps nieder, welche meist bis heute bestehen. Die Diözese Kiunga arbeitet als einzige Institution mit den Border-Camps und fokussiert sich auf die Integration der Flüchtlinge.
Pamela und Bernhard
Bernhard Strasse ist gelernter Kindergärtner und Sozialarbeiter, er betreute in Kiunga das Vorschulprogrammes der Flüchtlingsdörfer in der Diözese. Darüber hinaus war er auch für Jugendarbeit mit männlichen Schülern zuständig und kümmerte sich um das Projekt der selbstverwalteten SchülerInnen-Unterkünfte für jugendliche Flüchtlinge in Kiunga.
Pamela Pichlbauer-Strasser stammt wie Bernhard aus der Steiermark und ist Sozial-, Sonderschul- und Sprachheilpädagogin und Ausdruckstanz-Pädagogin. Ihr Hauptverantwortungsbereich in Kiunga betraf das Pidgin Alphabetisierungsprogramm für Frauen, aber auch Jugendarbeit mit weiblichen Flüchtlingen und die Entwicklung und Durchführung von sprach-heilpädagogischen Fortbildungen für LehrerInnen und BetreuerInnen von Behinderten.

Tagestrip per Boot zum nächsten Dorf
Die Region rund um Kiunga liegt recht abgeschieden im Regenwald, es gibt eine Straße, die zur Mine 'Ok-Tedi' führt, die umliegenden Dörfer sind meist nur über den Fluss per Boot oder auf schmalen Pfaden durch den Dschungel zu erreichen. Will man in andere Städte Papua Neuguineas, muss man fliegen.
„Diese Tagestrips in die Dörfer waren sehr anstrengend, acht Stunden in einer kleinen Nussschale von Boot ohne Dach in brütender Hitze und extremer Luftfeuchtigkeit waren keine Seltenheit und vor allem am Anfang gewöhnungsbedürftig“, erinnert sich Pamela Pichlbauer-Strasser an ihre Touren zu Beginn ihres Aufenthaltes.

Sich zurücknehmen, entschleunigen…
Dass der Alltag im Busch von Papua Neuguinea anders sein würde, als zu Hause, war klar. Aber abseits von äußerlichen Rahmenbedingungen wie Klima, Infrastruktur, Essen… galt es auch, sich der Mentalität der Menschen dort anzunähern und einen Weg zu finden, gemeinsam mit ihnen zu arbeiten.
"Man muss aufpassen, den Menschen nicht die eigenen Ideen aufs Auge zu drücken. Damit kommt man nicht weit, es gibt zwar ein höfliches Nicken, damit wollen sie ihr Gegenüber für den Moment zufrieden stellen, aber das hat keine Verbindlichkeit“, erzählt Pamela Pichlbauer-Strasser. „Viel besser funktionierte es, wenn wir die Menschen selbst Vorschläge machen ließen und sie bei der Umsetzung begleiteten und unterstützten.“

Projektverankerung über Frauen
Bei offiziellen Anlässen und Empfängen durch die Dorfgemeinschaften stehen zwar die Männer im Vordergrund. Die Frauen aber verfügen über die wirtschaftliche Macht - das Geld - sie sind es, die am Markt ihre Waren verkaufen und damit auch starken Einfluss auf Entscheidungen im Dorfgeschehen haben. Wollte man sichergehen, dass ein Projekt auch wirklich in der Gemeinde verankert war, musste man sich an die Frauen wenden.

Akzeptanz und Vertrauen
„Das Um und Auf in unserer Arbeit war die Beziehungsarbeit. Ohne eine Basis von gegenseitigem Vertrauen und Akzeptanz hätten wir nicht so erfolgreich arbeiten können“, stellt Bernhard Strasser fest. “Dazu war es wichtig, sich auf demselben Level zu begegnen und nicht von oben herab zu kommunizieren“, ist sich Pamela Pichlbauer-Strasser sicher, „die fachlichen Qualifikationen können erst dann zum Einsatz kommen, wenn eine Beziehung hergestellt ist.“
„Die Frauen haben oft über mich geschmunzelt, wenn ich Dinge, die für sie selbstverständlich waren und alltäglich waren, nicht wusste. So schaffte ich es auch nach zwei Jahren immer noch nicht, die richtige Sorte Bananen für das jeweilige Gericht zu finden“, erinnert sich Pamela. Umgekehrt bereitete beispielsweise den TeilnehmerInnen der Workshops oft das Anlegen eines Ordners große Schwierigkeiten.

Material für die Kurse mit Behinderten
Pamela Pichlbauer-Strasser bei einem Workshop für BetreuerInnen von behinderten Kindern und Erwachsenen. Thema des Seminars waren Methoden und Material zur sprachlichen Förderung von Menschen mit Behinderungen – es gibt keine Ausbildung zu Sprachheilpädagogik in Papua Neuguinea.

Backen im 'Drumoven'
Neben Nähkursen und der Anfertigung von Bilums - traditionelle Tragetaschen - konnte man auch die Herstellung von Erdnussbutter oder das so genannte Drumoven-Baking erlernen. Zwei alte Blechtonnen wurden zu einem Backofen zurechtgesägt In der unteren Tonne wird Feuer gemacht, in der oberen ein Rost eingebaut. Nach selbstkreierten Rezepten backten die jungen Frauen Bananen- und Cassavakuchen.

Bush-Weekend: Rückbesinnung auf Traditionen
Bush-Weekend für die High School Schüler aus den Flüchtlingsdörfern. Thema dieses 'Survival-Wochenendes’ war die Rückbesinnung auf lokale traditionelle Fähigkeiten: der Schlafplatz wurde aus Buschmaterialien gebaut und verfügte über einen komfortablen Boden aus Baumrinde und ein wasserdicht gewobenes Dach aus Palmenblättern. Zu essen gab es frischen Fisch - mit selbst geschnitzten Speeren erlegt - und Früchte aus dem Dschungel. Eine reine Männersache übrigens.

Alphabetisierungskurse für Frauen
Mit Frauen aus den Flüchtlingsdörfern aber auch mit in Kiunga ansässigen Frauen wurden Alphabetisierungskurse in Pidgin durchgeführt. Die Kurse organisierte Pamela Pichlbauer-Strasser gemeinsam mit der Frauengruppe der Pfarre, die Ausbildung der TrainerInnen übernahm ein lokaler Lehrer.

Erste praktische Erfahrung mit Gartenbau
Bernhard und Pamela beim Aussäen für den Schaugarten, in dem die Jugendlichen ihre ersten praktischen Erfahrungen mit Gartenbau machten, Komposthaufen anlegten und verschiedenes an Gemüse anbauten – Kürbis, Bohnen, Melanzani, Süßkartoffeln, Bananen.
Info: peter.pober@horizont3000.at
Fotos: Strasser, Zerche
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