Zuckerfrucht & Chili: Sechs Jahre in Papua Neuguinea

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Von 2004 bis 2010 war die gelernte Köchin, Hauswirtschaftslehrerin und landwirtschaftliche Facharbeiterin Margarete Wallner im Maria Kwin Senta im Hochland Papua Neuguineas tätig. Finanziert wurde der Einsatz von der OEZA Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.
Die vormalige Mädchenschule der Sisters of Notre Dame wurde im Jahr 2001 in ein Women’s Resource Centre (Kurzkurszentrum) umgewandelt. Mit Kursen in Kochen, Backen, Handarbeiten, Hygiene, Fischzucht, Reisanbau und vielem mehr werden der Bevölkerung in den entlegenen Gebieten Möglichkeiten zur selbstständigen Lebensgestaltung innerhalb der eigenen, dörflichen Gemeinschaft geboten. Mittlerweile ist das Maria Kwin Senta ein vom Staat anerkannter Schultyp, der bis über die Grenzen der Western Highlands Province große Bekanntheit hat . Dem Centre angeschlossen ist  das bekannte VCT (Voluntary Counselling and Testing) Shalom Care Center für HIV positive Menschen. Das VCT wurde von der bekannten Pionierin in Sachen HIV/Aids, Sr. Rose Bernard Groth aufgebaut.


Die richtige Mischung

Für die HORIZONT3000-Mitarbeiterin Margarete Wallner hieß es besonders in der Anfangszeit, Aufbauarbeit zu leisten. Das meisterte die Steirerin mit einer erfolgsversprechenden Mischung: Als Tischdekoration bei einer der zahlreichen Abschiedsfeste wurden ihr Zuckerfrucht und Chili symbolisch für ihr „hart, aber herzlich“ und ihren Papua Neuguinea-kompatiblen Humor überreicht.


Maria Kwin Center

Maria Kwin Center

HORIZONT3000: In Papua Neuguinea und vor allem dem Hochland, in dem du warst, ist man mit vielen Problemen konfrontiert: Wenig Bildung, dadurch kaum eigenes Einkommen, schlechte Ernährungsgewohnheiten und Hygienebedingungen, hohe HIV/Aids-Raten und enorme Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen. Was hat dich bewogen, dort tätig zu werden?

Wallner: Papua Neuguinea war nicht innerhalb meines Denkhorizontes: Ich hatte mich vor zirka 16 Jahren bei der Vorgängerorganisation von HORIZONT3000 beworben, doch es gab nie etwas Geeignetes für mich. Ich habe Zusatzausbildungen gemacht, bin ins Ausland gegangen, und 2004 hat es schließlich endlich geklappt! Ich hatte keine Präferenz über den Ort des Einsatzes, aber als ich Papua Neuguinea hörte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich wusste nichts über dieses Land. Man hört nie etwas darüber. Eine andere Welt…


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HORIZONT3000: Aber dir scheint es in Papua Neuguinea gefallen zu haben, schließlich hast du deinen Einsatz zweimal verlängert!

Wallner: 
Ja, ich habe eine sehr gute Beziehung zu den Menschen aufbauen können. Ich habe auch immer wieder verlängert, weil das Projekt noch nicht abgeschlossen war. Entwicklung geschieht hier in Mikroschritten und braucht sehr viel Zeit und Langmut.  Der damalige Koordinator Andreas Siedersleben hat uns vermittelt: „Schaut einmal nur zu, ohne zu kritisieren und ohne etwas zu erwarten. Lasst euch Zeit! Redet mit dem Menschen, knüpft Beziehungen, erzählt von euch!“ Das Wichtigste in Papua Neuguinea ist Beziehung. Man muss sehr viel Zeit und Energie in Beziehungsarbeit, in Kommunikation investieren. Es kann sonst nicht zu zufriedenstellenden Resultaten kommen.


Kurs in Beon

Kurs in Beon

HORIZONT3000: Wie hat denn deine Aufgabe genau ausgesehen?

Wallner:
Wir haben damit begonnen die Infrastruktur des Maria Kwin Centers aufzubauen. Sehr bald bekam ich die erste Gruppe von Frauen, die für die Catering-Abteilung ausgebildet wurden. Die Frauen mussten Gruppen von bis zu 70 Personen in Vollpension halbwegs abwechslungsreich versorgen können. Dazu haben wir über die Jahre eine beachtliche Rezeptsammlung erarbeitet, die auch für das Radio aufgenommen wurde. Das Center war von Anfang an sehr gut gebucht. Der Seminarbetrieb ist jenes Standbein, das Maria Kwin zum großen Teil den Selbsterhalt ermöglicht. Inzwischen hat eine lokale Schwester das Catering übernommen.
Parallel zum Catering habe ich auch versucht so viele Kurse wie möglich zu halten, um meine „Samen“ so breit wie möglich zu streuen. Ich wurde auch einmal pro Jahr in ein Gefängnis an der Küste eingeladen, um dort Kurse abzuhalten. Alle diese Rezepte und Unterrichtsmaterialien haben wir auch als CD an die Communities weiter gegeben.
Erst im letzten Drittel meines Einsatzes sind dann eine Näh- und eine Hauswirt-schaftslehrerin dazu gekommen.


Anna, erste Köchin

Anna, erste Köchin

HORIZONT3000: Wie haben die Frauen und Männer das Angebot genutzt?

Wallner:
Das vorrangige Ziel der Ausbildung ist nicht, Frauen für den Arbeitsmarkt auszubilden, schließlich gibt es in den ländlichen Regionen Papua Neuguineas kaum Arbeitsplätze. Außerdem haben die Frauen ihre Rollen in den Communities, die sie nicht so einfach verlassen können. Unser Ziel ist, dass sie ihr erhaltenes Wissen in die Familien, in ihre Gemeinden tragen. Wir haben sehr viele Rückmeldungen bekommen, wie stark sich das Bewusstsein und Leben dort auf Grund unserer Kurse verändert hat.


Kurse in den Dörfern

Kurse in den Dörfern

HORIZONT3000: Hast du Beispiele für uns: Was haben die Frauen und Männer mit der Ausbildung getan, und was hat sich für sie oder ihre Familien geändert? 

Wallner:
Nach sechs Jahren vor Ort würde man meinen, die Region sind jetzt voller florierender Kleingewerbebetriebe. Das ist nicht so. Eine solche Entwicklung wäre vergleichbar mit einer in die Wüste gesetzten Hühnerfarm. Die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten müssen von der Bevölkerung überprüft werden: Ist das etwas, in das sich die Investition gelohnt hat? Wie kann ich das in meiner Familie oder Gemeinde fruchtbar einsetzen? Dieser Bewusstseins- und Entscheidungsprozess dauert!  
Es gibt aber einige konkrete Beispiele: In einem Dorf wird gemeinsam mit Kindern für einen wöchentlichen Kaffeeabend gebacken und verkauft. Das eingenommene Geld verwenden die Frauen für ihr Dorfzentrum. Eine andere Frau produziert und verkauft Seife.
Sehr beeindruckend ist das Zeugnis eines Streetboys namens David, der fast täglich kam, um sich überschwänglich bei mir zu bedanken. Sein Leben hat sich nach einem Hygiene- und Seifenkurs völlig geändert. Er hat die praktische Bedeutung meines allen Kursen zugrunde liegenden Leitmotivs „Liebe und Respekt“ begriffen. Diese Veränderung wiederum zieht Kreise.


Schwestern leiten das Maria Kwin Senta

Schwestern leiten das Maria Kwin Senta

HORIZONT3000: Was waren für dich deine persönlichen Erfolge?

Wallner:
Zum Beispiel der eben erwähnte zirka 24jährige David, der durch Drogen, Gefängnis und diverse dörfliche „Verstrickungen/Verzauberungen“ geistig auf dem Level eines 14jährigen steht und ohne jegliche Bildung ist. Seine Veränderung ist stellvertretend für die Veränderungen und Bewegungen, die im weiten Umkreis zu beobachten sind. Als einen Erfolg werte ich generell die so gut gelungene Beziehung zu den Menschen und den Schwestern. Durch die Kurse konnten wir sehr, sehr viele Menschen erreichen. Bei meinem Abschied haben die Menschen ihre Dankbarkeit und Zuneigung in einem überwältigendem dreitägigen Fest zum Ausdruck gebracht. Sie haben mit mir eine Brautzeremonie gemacht, mit der normalerweise die Braut vor der Heirat von einem Clan in die Gemeinschaft ihres zukünftigen Mannes übergeben wird.


Stolz auf selbstgebackenes Brot

Stolz auf selbstgebackenes Brot

HORIZONT3000: Wie hast du es geschafft, diesen Zugang zu den Menschen zu finden?

Wallner:
„Die Papua Neuguineas, die ticken anders“, so der O-Ton von Andreas Siedersleben. Ich hatte drei Brücken: Erstens der gemeinsame Glaube be-ziehungsweise der große Respekt vor der durch und durch religiösen Grundhaltung der Menschen; zweitens der Humor, der „Schmäh“, und außerdem noch meine kleinbäuerliche Herkunft, durch die ich praktisch zupacken kann. Das ist eine gute Mischung, die keine Berührungsängste entstehen lässt, die einen authentisch macht, sodass man auch über sich lachen kann und die einen ermutigt, auch Risiken einzugehen. Ich habe mich beispielsweise oft lautstark eingemischt, wenn Frauen geschlagen wurden oder wenn diktatorische Tendenzen in der Küche aufkamen. Wir waren mit drei archaischen, auf der ganzen Welt verbindenden Tätigkeiten beschäftigt: Gemeinsame Arbeit in Garten und Küche, gemeinsam beten und essen. All das auf der Basis meines Leitsatzes „Liebe und Respekt“. 


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HORIZONT3000: Nach sechs Jahren Papua Neuguinea, wie geht es dir jetzt hier in Österreich?

Wallner:
Es geht mir gut, doch der Wechsel von einer religiösen in die hiesige säkulare, gleichgültige, beziehungsarme Atmosphäre ist  im ersten Moment schmerzlich. Die Menschen fehlen mir, ihre Herzlichkeit, ihre Originalität, ihre Lernbereitschaft, ihr spiritueller Hunger, die Freude  über Erleichterungen, die sie durch Kurse erlangt haben, das Lachen…
Ich bin aber mit dem Ansinnen des Teilens in die Entwicklungszusammenarbeit gegangen und komme damit auch wieder zurück - insofern geht es mir sehr gut!

HORIZONT3000: Danke für das Gespräch und viel Glück für deine Zukunft!


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Konzert & Jam Session mit Sambattac und Oficina Art Vienna

Freitag, 17. September 2010, um 17 Uhr beim Platz vor dem MQ (Ecke Mariahilferstraße).
Die Veranstaltung findet nur bei trockener Witterung statt.


African Press Day 2010

23. - 24.9.2010

Radio Afrika TV nimmt die Fußball WM zum Anlass, die österreichische Medienpolitik Afrika bzw. AfrikanerInnen betreffend zu analysieren. Ziel ist es, dass sich besonders die Medienentscheidungsträger sowie die öffentliche Meinung in Österreich, mit Ereignissen und Entwicklungen in Afrika sowie mit der Lage der AfrikanerInnen in ihrer Heimat oder in Gastländern, und auch mit der medialen Berichterstattung darüber, auseinandersetzen.

Teilnahmegebühr: 100 Euro (StudentInnen ermäßigt)
Anmeldung unter: office@radioafrika.net
Anmeldeschluss: 05.09.2010

Details und Anmeldung unter: http://www.radioafrika.net/2010/08/10/african-press-day-afrikas-dimension-in-der-westlichen-medienlandschaft/


Oikocredit MultiplikatorInnen-Workshops

3.9.2010 in Wien und 24.9.2010 in Graz

Oikocredit bietet in Österreich eine Möglichkeit, Geld sozial nachhaltig zu veranlagen und Mikrokredit-Projekte in 70 Ländern weltweit zu fördern. Bei den MultiplikatorInnen-Workshops erhalten Sie detaillierte Informationen über Oikocredit, können einzelne Fragen diskutieren und es wird gemeinsam überlegt, wie wir den Bekanntheitsgrad dieser Initiative in Österreich steigern können.

Nähere Informationen und Anmeldung unter http://www.oikocredit.org/site/at/


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