Wiederaufbau nach Hurrican Felix

Zerstörungen durch Felix
Am 3. September 2007 verwüstete Hurrikan ‚Felix’ große Teile der Autonomen Atlantikregion Nicaraguas, insbesondere die Gebiete um die Stadt Bilwi entlang des Rio Coco wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Über 100 Menschen starben, 9000 Häuser wurden zerstört, zahlreiche Felder und Waldgebiete vernichtet und infrastrukturelle Einrichtungen beschädigt. Gemeinsam mit der lokalen NGO FADCANIC machte sich HORIZONT3000 unmittelbar nach der Katastrophe an den Wiederaufbau der beiden indigenen Dörfer Yuluntingi und Tuapí.

Gerüst eines traditionellen Holzhauses
Rascher Wiederaufbau dank schneller und solidarischer Hilfe
Ermöglicht wurde dieser rasche Wiederaufbau durch die schnelle und solidarische Hilfe und Unterstützung zahlreicher privater SpenderInnen, aber auch durch Mittel der Aktion ‚Sei so Frei’ von der KMB Oberösterreich, der oberösterreichischen Landesregierung, der katholischen Frauenbewegung und der Dreikönigsaktion.
Das HORIZONT3000 Nicaragua-Team möchte sich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken!

Wiederaufforstung
Zügige Bestellung der Felder lebensnotwendig
Insgesamt wurden in diesem Projekt 150 Bäuerinnen und Bauern der Ethnie Mískito unterstützt. Da die Bevölkerung der beiden Dörfer in erster Linie von Subsistenzwirtschaft lebt, standen neben dem Wiederaufbau der Häuser, der Errichtung von Latrinen und Brunnen auch die Bereitstellung von Saatgut und Pflänzlingen sowie Wiederaufforstungsmaßnahmen am Programm. Dabei kamen ein an die lokalen Umweltbedingungen optimal angepasstes Agro-forstsystem und alternative, biologische Düngemittel zum Einsatz. Dieses Agrarsystem fördert die Artenvielfalt, stabilisiert den Wasserhaushalt und schützt den Boden vor Erosion.

Fundament Haus Minirock
Haus ‚Minirock’
Für die Konstruktion der 50 neuen Häuser wurde auf Wunsch der Bevölkerung ein neues Modell eingeführt – Minifalda - Minirock genannt. Die obere Hälfte dieser Häuser ist aus Holz, das Fundament besteht aus Betonziegeln. Diese Bauart ist stabiler als die reine traditionelle Holzbauweise und bietet mehr Sicherheit bei künftigen Umweltkatastrophen. Gutes Bauholz war zudem rar, da die meisten Bäume durch den Hurrikan zerstört und umgeknickt waren - die Ziegel konnten in den Dörfern selbst gefertigt werden.

Sandbeschaffung zur Ziegelproduktion
Gesamte Dorfbevölkerung am Wiederaufbau beteiligt
Den Aufbau der Häuser übernahm die Dorfbevölkerung selbst, lediglich die Materialien und Werkzeuge – soweit nötig – wurden aus dem Projekt zur Verfügung gestellt. Wer zu alt und gebrechlich war, um selbst mit Hand anzulegen – übernahm die Verpflegung für die Bautrupps und auch die Frauen des Dorfes waren in die Entscheidungen und den Wiederaufbau mit einbezogen. Keine Selbstverständlichkeit in einer vom Machismo stark geprägten Gesellschaft.

Traditioneller Schachtbrunnen
Neues hygienischeres Brunnenmodell
Nachdem die händisch gegrabenen Brunnenschächte aufgrund der schweren Regenfälle und des instabilen Bodens immer wieder einbrachen, kam ein neues Brunnenmodell zum Tragen. Anstelle eines etwa ein Meter breiten Schachtes, in den ein Kübel an einer Schnur hinuntergelassen wird, wurde lediglich ein Rohr in den Boden getrieben – das erwies sich als stabiler und auch hygienischer, da es kaum Verunreinigungen ausgesetzt ist.
Weiterere Projekte
Ein weiteres Projekt - finanziert durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit OEZA und die Liechtensteinische Fundation MEDICOR - war dem Wiederaufbau des verwüsteten Campus Bilwi-Kambla der indigenen Universität URACCAN in der Autonomen Nördlichen Atlantikregion gewidmet. Darüber hinaus wurde die Bevölkerung der umliegenden indigenen Dörfer mit infrastrukturellen Maßnahmen unterstützt, um die seit Jahren erfolgreiche Kooperation im Rahmen eines kommunalen Betreuungsmodells der Universität weiterzuführen.
Info zu den Projekten: edith.fauland@horizont3000.at

Notfall-Komittee
Umfangreiches Ausbildungsprogramm
Der Bau der Latrinen wurde von einer massiven Aufklärungskampagne zum Umgang mit Wasserressourcen und Hygiene begleitet. Neben der adäquaten Entsorgung von Müll, um Trinkwasser und Umwelt nicht zu kontaminieren wurden auch Regeln zur Vermeidung von Infektionskrankheiten – etwa Händewaschen nach dem Besuch der Latrine - aufgestellt. Zudem gibt es in jedem Dorf nun speziell geschulte Notfall-Komittees, die zum einen für präventive Maßnahmen zuständig sind, aber auch im Falle einer neuerlichen Umweltkatastrophe ein rasches und organisiertes Katastrophenmanagement ermöglichen sollen.
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