von

Resümee Hurrikan „Otto“ – Costa Caribe Sur, Nicaragua


Kategorien Allgemein, vor ort

von Martina Luger

grafik-1Wir waren auf das Schlimmste vorbereitet, während wir auf’s Beste hofften. Bei Alarmstufe Rot und Hurrikan Warnung ist diese Haltung wohl immer eine gute Idee. Hurrikans sind oft unberechenbar und können jederzeit ihre prognostizierte Route ändern. Für uns hier um Bluefields, der Regionalhauptstadt der südlichen Karibikregion von Nicaragua, blieb es zum Glück bei einer Übung. Einer Übung, bei der wir sehr viel lernen konnten.

Im Bezirk Rio San Juan an der Costa-ricanischen Grenze, wo Hurrikan „Otto“ schlussendlich als ein Hurrikan der Kategorie 2 (Saffir Simpson Huricane Scale) auf Land getroffen ist, wurde von heftigen Regenfällen mit Überschwemmungen und leichten Schäden berichtet. Schäden an Häusern in Strandnähe, aufgrund des hohen Wellengangs, wurden in Corn Island, 70 km nordöstlich von Bluefields registriert. In weiten Teilen der Karibikküste Panamas und Costa Ricas sind nach massiven Überschwemmungen leider auch Todesfälle zu beklagen. grafik-3

Die Hurrikan Saison im Atlantik beginnt traditionell am 1. Juni und endet am 30. November. Hurrikan „Otto“ kann als der bislang späteste Hurrikan der Karibik verzeichnet werden, da er Hurrikan „Martha“ überbietet, der sich am 21. November 1969 geformt hat.

„Lección aprendida“ – Lektion gelernt: schnell, organisiert und informiert reagieren, Teamwork und Gelassenheit

Hurrikan Watch – Nicaragua ist umgeben von 2 Ozeanen, ein relativ flaches Land und liegt im südlichen Bereich des karibischen Hurrikan Korridors. Konstantes Monitoring ist deshalb in jeder Institution aber auch privat wichtig und kann einem Vorsprung in den Vorbereitungen verschaffen, um dann anderen helfen zu können.

pic-1Notfallpläne regelmäßig aktualisieren – „Trockenübungen“ werden oft nicht ernst genug genommen. Die Aktualisierung von Notfallplänen wird gerne auf „morgen“ verschoben, „es gibt ja aktuell keine unmittelbare Bedrohung“. Wenn dann aber Alarmstufe rot herrscht, und man merkt, dass sich die Organisation in den letzten Jahren verändert hat (mehr Mitarbeiter, mehr Gebäude, mehr Equipment, neue Partnerorganisationen und andere Ressourcen, etc.) hat man es auf einmal sehr eilig damit.

Ressourcen bereithalten und nutzen – Gut dass hier bei blueEnergy viel Konstruktionsmaterial vorhanden ist. Zinkblech von einem alten Dach, Pressspanplatten und Holzleisten werden aufgehoben, und v.a. Werkzeug ist vorhanden und wichtig. Das erlaubte uns Fenster relativ gut in kurzer Zeit zu verbarrikadieren. Um das nächste Mal noch schneller reagieren zu können, wird Material in der richtigen Größe der Fenster, in den nächsten Wochen zugeschnitten und in den jeweiligen Gebäuden gelagert. Lebensmittel werden eingelagert, Batterien, Kerzen, extra Gastanks, Verbandsmaterial sowie Pläne für Aufräumarbeiten, Reparaturen, etc. gemacht. All das kostet Geld, das schnell zur Verfügung stehen muss. Daher will man hier in Zukunft einen Notfallfonds einrichten der aus Spendengeldern gespeist werden soll.

Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden – Es ist wichtig vernetzt zu sein und Kontakte zu nutzen um Information auszutauschen, sowie um zusätzliche Unterstützung anzubieten.pic-3

Radio, Telefon, Satellitentelefon und Internet, sowie die Notfall-Stromversorgung in Form von Speicherbatterien, Generator und Benzin sind essentiell, vor allem nach einem Desaster, wenn man von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Hurrikans und Klimawandel

Laut dem 5. Sachstandbericht des IPCC (Intergovernmental Panel of Experts on Climate Change, UNO) wird mit fortschreitendem Klimawandel die Frequenz von tropischen Wirbelstürmen global in etwa gleich bleiben, die Frequenz besonders starker Stürme jedoch in manchen Regionen zunehmen. Maximale Windgeschwindigkeiten und Regenfälle in Verbindung mit tropischen Wirbelstürmen werden sehr wahrscheinlich zunehmen. In einer Region die sich in den letzten Jahrzehnten als besonders risikoreich in Verbindung mit klimatischen Extremereignissen hervorgetan hat (siehe Global Climate Risk Index 2017), wird es nötig sein, mehr Ressourcen in die Hand zu nehmen, um sich darauf vorzubereiten.

Auch wenn es diesmal bei einer Übung geblieben ist und zumindest hier bei uns in der Umgebung keine Aufräumarbeiten nötig sind, wird uns „Otto“ sicher noch ein paar Tage beschäftigen. Der Notfallplan wird fertig aktualisiert und Rollen genauer definiert. Materialien zum Verbarrikadieren vorbereitet und gelagert und Büros wieder eingerichtet. Bis zum Normalzustand werden wohl noch ein paar Tage vergehen… Das Wochenende hat uns eine verdiente Pause beschert, Zeit um ein bisschen gemeinsam zu feiern….pic-4

Mitgliedsorganisationen