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Einsatzende: Theresa Stourzh im Gespräch


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Du warst 6 Jahre im Einsatz. War es so, wie du dir die Sache davor vorgestellt hast?

Ich hatte vorher keine genaue Vorstellung, da ich die beiden Partnerorganisationen, mit denen ich arbeitete, vorher nicht kannte. Das half mir vielleicht, mich auf die „dinámicas“, die mich in den beiden Organisationen erwarteten, voll einzustellen.

Was bleibt von deiner Arbeit vor Ort übrig? Persönliches Resumee?

Für mich persönlich: Freundschaften, Erinnerung an viel gemeinsames Lachen, aber auch gemeinsam durchgearbeitete Nächte (vor Deadlines), gemeinsam Angst haben, gemeinsam etwas Erarbeiten; viele umterschiedliche Erfahrungen.

Für die Partnerorganisationen: hoffentlich das Gleiche. Ich hoffe, dass ich, genauso wie ich in diesen Jahren viel von meinen Kolleg*innen und auch der Arbeitsweise der Organisationen lernen durfte, auch ein bisschen beitragen konnte – zB das Strukturieren von Information und Dokumenten, aber auch das Stellen kritischer Fragen oder Benennen von Problemen, ohne als „Störenfried“ zu gelten.

Deine größte Herausforderungen, Hindernisse, Probleme?

In manchen Organisationen – auch im Bereich der Zivilgesellschaft – herrschen machistische und teilweilse autoritäre Strukturen, mit denen ich nicht kann.

Abgesehen davon finde ich unsere Rolle als „Berater*innen“ eine permanente Herausforderung, in der wir  einerseits etwas von unserem Können beitragen sollten, uns andererseits aber davor hüten müssen, den Leuten hier Konzepte aufzudrücken, die möglicherweise im Norden funktionieren, aber hier entweder nutzlos sind oder sogar schaden können.

Mir gefällt das Konzept des Wissensaustausches und des von und miteinander Lernens besser („aprendizaje mutuo“).

Was hat dich am meisten persönlich bewegt, geprägt oder verändert?

Der Kontakt mit den einheimischen Kolleg*innen und auch den Menschenrechtsverteidiger*innen, mit denen wir arbeiteten, ihr Mut, ihre Ausdauer, aber auch ihre Empathie und Solidarität gegenüber den Menschen, die sie begleiten, hat mich sehr beeindruckt und ringt mir Hochachtung ab.  – Und manche ihrer Bewältigungsstrategien: die Lachsalven, die in den Mittagspausen oder manchmal auch bei Besprechungen durch das Büro hallten, obwohl wir in unserer Arbeit leider sehr oft mir „Mord und Totschlag“ zu tun hatten, habe ich in Europa nie erlebt. Da können wir uns einiges von den Leuten abschauen, die wir doch „beraten“ sollen…

Was machst du als nächstes?

Ich bleibe im Land – Guatemala – und bin im Moment als freiberufliche „consultora“ im Menschenrechtsbereich tätig. Meine ersten beiden Aufträge kamen „zufällig“ von meiner ehemaligen Partnerorganisation bzw. von verwandten Organisationen. Ausserdem betreue ich auf Wunsch meiner Ex-Partnerorganisation weiterhin ehrenamtlich einen Fall mit juristischer Beratung.  

Was gibst du neuen Ausreisenden als Ratschlag mit auf den Weg?

Man weiss vorher nie, wie es werden wird…

Bescheidenheit, Respekt, Offenheit und Neugier, Bereitschaft von den Einheimischen zu lernen, Zuhören. Nur nicht glauben, dass Dinge, die in Europa funktionieren ( – von Höflichkeitsnormen bis zu politischen „best practices“ – ) deshalb auch im Einsatzland ein Erfolgsrezept sein müssen..

Sich aufs Leben im Einsatzland einlassen und es geniessen!


Zur Person
Theresa Stourzh arbeitete als Juristin in der Flüchtlingsberatung der Caritas Wien und im Österreichischen Familienministerium (Schwerpunkte: Scheidungsrecht, Mediation, Gewalt in der Familie, Sexualstrafrecht). Seit 2008 lebt sie in Guatemala, wo sie zunächst in der staatlichen Ombudsstelle für indigene Frauen mitarbeitete und als Konsulentin der Katholischen Landpastoral die großteils unmenschlichen und das nationale Arbeitsrecht grob verletzenden Arbeits- und Lebensbedingungen der LandarbeiterInnen auf Kaffeeplantagen untersuchte. 2010 bis 2011 leitete sie das Stipendienprogramm “Niños/as en Xela” im westlichen Hochland Guatemalas und nahm 2012 das Nostrifikationsstudium für Rechtswissenschaften an der staatlichen Universidad de San Carlos de Guatemala auf.

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