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Erwin Eder über seinen Fachbeitrag im Buch „Religion und Entwicklungszusammenarbeit“


Kategorien Allgemein, austria
Geschäftsführer Erwin Eder

Erwin, wie ist es dazu gekommen, einen Fachbeitrag für die Bayreuth Studies in Politics and Society in Africa beizusteuern?

Ich durfte im Dezember 2019 an den Weingartner Afrikagesprächen teilnehmen, die jährlich von der Universität Bayreuth und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart veranstaltet werden. In einem wunderbaren Rahmen findet dort ein Austausch zwischen Wissenschaftler:innen und Studierenden aus den Bereichen Religionswissenschaften und Afrikastudien mit Praktiker:innen zu brandaktuellen Themen statt. Als ein Ergebnis dieser Tagung wird jährlich ein Studienband erstellt, an dem ich mitarbeiten durfte.

Hat es dir Spaß gemacht?

Die Gespräche in Weingarten waren sehr interessant, bereichernd und haben auch großen Spaß gemacht. Es war eine Freude zu sehen, wie wichtig der Diskurs zu „Religion und Entwicklung“ in Deutschland in den letzten Jahren geworden ist, während Religiosität in der EZA-Community lange Zeit ein eher tabuisiertes Thema war und es in Österreich noch immer ist. Die Ausarbeitung des Fachbeitrages war natürlich viel Arbeit. Aber es war mir ein Anliegen mein Plädoyer für „Religion als Motor der sozial-ökologischen Transformation“ zu Papier zu bringen.

Um was geht es in deinem Beitrag?

Ich habe aufgezeigt, dass Religionsgemeinschaften über gewaltige Potenziale verfügen, um die sozial-ökologische Transformation voranzutreiben. Angesichts der Dramatik der Klimakrise habe ich dafür plädiert, dass sich religiöse Akteure der Entwicklungszusammenarbeit heute immer auch als Akteure der ökologischen Transformation verstehen und betätigen müssen. Mein Plädoyer hat zu intensiven Diskussionen bei den Weingartner Gesprächen geführt und es freut mich, dass bei der Folgeveranstaltung im Dezember dieses Jahres (2020 ist wegen Corona ausgefallen) „Umweltwandel in Afrika“ als Thema ausgewählt wurde.

Du sprichst die Potenziale von Religionen an. Welche sind das im Konkreten?

Religion ist immer eine starke Ressource für Normativität und kann dadurch enorm zur Beharrung, aber auch zur Mobilisierung von Menschen beitragen. Insofern ist es ganz  wichtig Religionsgemeinschaften bei der sozial-ökologischen Transformation im Boot zu haben. Bei allen großen Religionsgemeinschaften, aber auch bei vielen kleineren Religionen, sind Ganzheitlichkeit, Schöpfungsverantwortung und Verzicht tief in der DNA verankert, diese Bezüge können und müssen für den Mobilisierungsprozess genutzt werden. Zudem verfügen die Religionsgemeinschaften auch über enorme personelle und materielle Ressourcen. In vielen Ländern Afrikas sind fast die Hälfte der Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen religiöse Einrichtungen. Alleine die Ökologisierung der Infrastruktur religiöser Einrichtungen hat schon gewaltiges Potenzial. Auch in der österreichischen Kirche ist dieses Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

Danke fürs Interview!

Link zum Buch: https://www.nomos-shop.de/nomos/titel/religion-und-entwicklungszusammenarbeit-id-98529/

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