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Interkonfessionelle humanitäre Mission in Kolumbien


Kategorien Allgemein, ziviler Friedensdienst

2016 wurde der Friedensnobelpreis an Juan Manuel Santos, kolumbianischer Präsident von 2010-2018 verliehen. Ein großer Hoffnungsschimmer für ganz Kolumbien. Der Friedensprozess mit der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo ‚Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee‘) wurde mit dem Friedensvertrag 2016 abgeschlossen. Ein neues Zeitalter sollte beginnen. Man sieht vielerorts Touristen, Kolumbien wird als großer Zukufntsmarkt der Europäischen Union und in der Weltwirtschaft gesehen. Es geht bergauf.

Die Ex-FARC-KämpferInnen können sich über staatliche Programme wieder in die Gesellschaft integrieren. Ein relativ erfolgreiches Unterfangen, zumindest auf dem Papier. Die Pandemie hat, wie in vielen anderen Bereichen, die Realitäten aufgezeigt. Da der Friedensvertrag nur mit der Gruppe der FARC-Guerilla geschlossen wurde, sind die FARC kontrollierten Gebiete nun unter Kontrolle von Paramilitärs oder anderen kleineren Gruppen. Die kolumbianische Corona-Politik (Lockdowns über weite Strecken des Jahres 2019) hat dazu geführt, das sich viele der KämpferInnen wieder militarisieren und dem Friedensprozess den Rücken kehren. Das passiert schleichend.

Michaela Söllinger begleitet seit einigen Jahren MenschenrechtsaktivistInnen gegen die Morddrohungen ausgesprochen wurden. Das Konzept des „Acompanamientos“ sieht vereinfacht gesagt vor, dass bedrohte Menschen immer von AusländerInnen begleitet werden, da das mehr öffentliche Aufmerksamkeit und somit Schutz für diese Person bedeutet.

Michaela Söllinger und ein kolumbianischer Menschenrechtsverteidiger auf dem Weg in eine der bedrohten Gemeinden

Derzeit begleitet Michaela Söllinger 3 Prozesse in der Region Antioquia, bei denen MenschenrechtsaktivistInnen die ländliche Bevölkerung zusammengesetzt aus „Mestizo/as“, Indigenen und AfrokolumbianerInnen bei Land- und Wasserrechtsfragen unterstützen. Es gibt reichhaltige Bodenschatzvorkommen. Internationale Minengesellschaften sind bereits vor Ort und paramilitärische Kräfte bringen das Land in ihre Gewalt.

Unsere Friedensfachkraft Michaela Söllinger war die letzten Wochen sehr schwer erreichbar. Sie war mit einer großen interreligiösen Gruppe auf einer speziellen Mission unterwegs.

An der Mission nahmen auch zwei katholische Bischöfe teil. Michaela Söllinger betont die Wichtigkeit der Initiative, die von verschiedenen katholischen Diözesen und Kongregationen, lutherischen, presbyterianischen und methodistischen Kirchen sowie nationalen und internationalen Solidaritätsnetzwerken getragen wird: „Für die Gemeinden ist es wichtig, dass ihre schwierigen Lebensbedingungen und die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, sichtbar gemacht werden.“

Das Netzwerk „Interreligiöse Solidarität in Konfliktzonen in Kolumbien“ (SIZOCC) führte seit Sonntag, 29. August bis Freitag, den 3. September 2021, eine humanitäre Mission in den Gemeinden Frontino und Dabeiba im Westen des Departements Antioquia durch. Der bewaffnete Konflikt hat sich im Land und insbesondere in diesen Gebieten verschärft, wobei es zu schweren Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht sowie Menschenrechtsverletzungen gekommen ist.

In der abschließenden Pressekonferenz versichern die kirchlichen und politischen Würdenträger, dass sie nun weiterhin in der Region mit pastoralen Diensten und weiteren Missionen tätig bleiben wollen und richteten einen Apell an die internationale Gemeinschaft über die immer schlimmer werdenden Menschenrechtsverletzungen zu berichten, damit der lokalen Bevölkerung eine menschenwürdige Zukunft ermöglicht werden kann.

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