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Nicaragua: Markus Lemke über die verheerenden Schäden durch die Hurrikans ETA und IOTA


Kategorien Allgemein, vor ort

Dass tropische Wirbelstürme in der Karibik üblich sind, war mir bereits vor meinem Einsatz in Nicaragua bewusst. Dass ich gleich in zwei dicht aufeinanderfolgende hineingeraten würde, nicht.

Am 31. Oktober bahnte zunächst das tropische Tief ETA seinen Weg in Richtung der nicaraguanisch-honduranischen Küste, bevor es am 3. November als Hurrikan Stufe 4 (Windgeschwindigkeiten bis zu 251 km/h) auf das nicaraguanische Festland, südlich von Bilwi (Puerto Cabezas), traf. Die Auswirkungen, die von Zentralamerika bis Florida zu spüren waren, waren in Nicaragua noch gar nicht vollständig dokumentiert, als erneut eine Hurrikanwarnung ausgesprochen wurde. Diesmal sollte dieser weiter nördlich auf die Landspitze Cabo Gracias a Dios treffen, die das honduranisch-nicaraguanische Grenzgebiet markiert. Tatsächlich erreichte der Hurrikan das Festland nahezu an derselben Stelle wie ETA.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger behielt IOTA die Stufe 4 aber länger bei und verursachte wesentlich größere Schäden in Nicaragua, die Richtung Pazifik vornehmlich in Form von heftigen Regenfällen und Überschwemmungen zu spüren waren. Die Region Autónoma de la Costa Caribe Norte, also die nördliche Karibikküste Nicaraguas, wurde diesmal mit voller Härte getroffen. Gleichzeitig ist dies auch die abgelegenste und historisch von Armut am stärksten betroffene Region des Landes, die aufgrund ihres indigenen Charakters marginalisiert und somit am vulnerabelsten ist, wie das Beispiel der Gemeinde Haulover zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=iE_u8mGw7jQ&t=3s

Neben Haulover wurden zahlreiche weitere benachbarte Gemeinden massiv von der zerstörerischen Naturgewalt heimgesucht, deren Ausmaß erst nach und nach über mediale Berichterstattung sichtbar wird: https://www.el19digital.com/articulos/ver/titulo:110283-imagenes-aereas-de-las-comunidades-afectadas-por-los-huracanes-eta-y-iota-en-la-costa-caribe-norte

Da der Radius des Hurrikans weit über 100 km hinausreicht, wurde auch das Ausbildungszentrum CETAA Wawashang meiner Partnerorganisation FADCANIC, in dem ich tätig bin, Opfer der heftigen Windböen. Allein auf den 400 Hektar des Zentrums sind weit über 1000 Bäume am Stamm gebrochen oder wurden gänzlich entwurzelt, was auch Schäden an der Infrastruktur hinterließ.

Es wird noch eine Weile vergehen, bis das Stromnetz, dass sich aus Solarenergie speist, wiederhergestellt wird und es in allen Wohnanlagen wieder Licht und fließendes Wasser gibt. Zum Glück sind gerade Schulferien für die knapp 200 Schülerinnen und Schüler, und es ist noch bis Ende Januar Zeit für die Reparatur. Bis dahin werden auch die betroffenen Familien der Auszubildenden deren Hilfe für den Wiederaufbau ihrer Gemeinden benötigen.

Über Markus Lemke: https://maps.knowhow3000.org/x-19-810/

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