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Besuch bei CONCIUDADANÍA: „Wir brauchen mehr Salvaguardas, hier und überall“


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Eventbericht aus Kolumbien

Ende des Jahres 2021 fand das erste große Treffen des Projekts “Ciudadanía Ambiental para el uso del agua en Antioquia” (zu dt.: Bürger:innenbeteiligung für die Wassernutzung in Antioquia) oder kurz “Salvaguarda” statt. Das Projekt wird von HORIZONT3000 gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Conciudadanía umgesetzt und von der Europäischen Union, der Austrian Development Agency und der Dreikönigsaktion finanziert. Es startete bereits im Jänner 2020, doch aufgrund der Pandemie musste die Eröffnungsfeier, die alle Projektregionen umfassen sollte, verschoben werden. Nun endlich, im November 2021 konnten sich Repräsentant:innen der verschiedenen Subregionen Antioquias treffen um sich über den Stand des Projekts, ihre Erfahrungen und Erfolge sowie Herausforderungen in ihren Gemeinden und Regionen austauschen.

Eventfotos: Kristina Kroyer, HORIZONT3000 & Natalia Calderón, Conciudadanía

Salvaguarda hat 3 zentrale Zielgruppen, mit denen intensiv gearbeitet wird um das Ziel einer gestärkten und effektiven Büger:innenbeteiligung für ein nachhaltiges Wassermanagement in Antioquia zu erreichen:

  • Umweltgruppen, die sich für den Wasser- und Naturschutz in ihren Bezirken einsetzen
  • Regionale Gremien, die für den Schutz der Wassereinzugsgebieten verantwortlich sind
  • sowie gemeinschaftliche Vereinigungen zur Betreibung von Aquädukten für die lokale Wasserversorgung

Um die 70 Repräsentant:innen dieser 3 Gruppen, das Projektteam von Conciudadanía, die Projektzuständige von HORIZONT3000 sowie ein Repräsentant der Delegation der Europäischen Union haben am Event teilgenommen.

„Aufgrund der Pandemie ist dies das erste Mal, dass wir mit allen Zielgruppen des Projekts Salvaguarda persönlich zusammenkommen um voneinander zu erfahren, was wir für den Schutz des Wassers und des Naturerbes in den Gemeinden bisher getan haben.“

— Nelson Restrepo, Projektkoordinator Conciudadanía

Antioquia ist ein Department reich an natürlichen Ressourcen und Biodiversität, doch befinden sich die Naturschätze durch die extraktivistische Industrie in Form zahlreicher Bergbauprojekte sowie die Kontaminierung der Flüsse durch fehlende Entsorgungssysteme in Gefahr. Vor diesem Hintergrund berät das Projekt munizipale und regionale, zivilgesellschaftliche und politische Instanzen und Akteure bei der anwaltschaftlichen Arbeit und der Umsetzung politischer Instrumente für ein nachhaltiges Ressourcen- und Wassermanagement. Ergänzend dazu werden lokale Initiativen und Praktiken des Umweltschutzes unterstützt. Diese reichen von der Erstellung von Sensibilisierungsprodukten und der Realisierung kommunaler Bewusstseinsbildungsaktivitäten bis zu gemeinsamen Wiederaufforstungsaktionen zum Schutz von Wasserquellen und der Verbesserung der Infrastruktur zur Wasserversorgung ländlicher Gemeinden.

Foto: bewusstseinsbildende Gemeindeinitiative in Santa Fe de Antioquia

Die Kombination aus politischer Arbeit, Stärkung der Zivilgesellschaft und praktischen Umweltschutzinitiativen soll die Basis für ein nachhaltiges umweltfreundliches Wassermanagement zu Gunsten der lokalen Bevölkerung bilden.

„Heutzutage sprechen alle Politiker über Umwelt und ein nachhaltiges Wachstum. Was das Projekt hier in Kolumbien tut ist ein langwieriger aber sehr notwendiger Prozess um diese Themen auf die politische Tagesordnung im Land zu setzen.“

— Manuel Fernández, Delegation der Europäischen Union in Kolumbien

Das Event gab seinen Teilnehmer:innen einerseits die Möglichkeit einen Überblick über das Projekt und einen Einblick in die Studie über sozio-ökologische Konflikte in Antioquia zu bekommen, andererseits auch die Fortschritte und Erfolge in den verschiedenen Subregionen zu teilen und somit einen Erfahrungsaustausch zwischen den Territorien zu ermöglichen.

Zu diesem Zweck wurden Videos, Radiobeiträge, Musikstücke, Redebeiträge und vieles mehr gezeigt und diskutiert, und einige der „Salvaguardas“, wie sich die sozialen Leader, die sich im und durch das Projekt engagieren, in Anlehnung an den Projektnamen selbst nennen, vorgestellt.

„Das Fehlen von demokratischen Prozessen für das Management natürlicher Ressourcen ist ein Phänomen, das viele Regionen über die Grenzen Kolumbiens hinweg betrifft und zu territorialen Konflikten führt, die den ländlichen Gemeinden schaden. Im Glauben an Gerechtigkeit und ein erfülltes Leben für alle ist es daher unerlässlich, dass HORIZONT3000 Kollektive und Gemeinschaften dabei unterstützt, an den Entscheidungen über lebenswichtige Ressourcen wie es das Wasser ist teilzuhaben. Wir brauchen mehr Salvaguardas – hier und überall.“

— Kristina Kroyer, Projektzuständige HORIZONT3000
im Bild, vlnr: Manuel Fernandez (EU Delegation Kolumbien), Nelson Restrepo (Conciudadanía), Kristina Kroyer (HORIZONT3000), Luz Mery Hernández (Conciudadanía) bei einem Projektbesuch in San Francisco, Antioquia

…weitere Stimmen aus dem Event:

„Das Wort Salvaguarda enthält die wichtigste Botschaft für das Erreichen der Ziele des Projekts, nämlich salvar (retten) und guardar (schützen). Es bezieht sich auf die Person, die für den Schutz, die Erhaltung und die Pflege einer Sache verantwortlich ist, sowie dafür zu sorgen, dass ein damit verbundenes Gesetz, oder eine Vorschrift eingehalten wird!“

— Liliana Aristizábal, Regionale Beraterin Conciudadanía

„Wir sollten beginnen statt natürlicher Ressource den Begriff des Naturerbes zu gebrauchen. Solange wir den Begriff Ressource verwenden, werden wir weiterhin an Enteignung denken, während wir, wenn wir an Erbe denken, darüber sprechen, was wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen werden.“

— Nolasco Gómez, Umweltaktivist. Sozialer Leader und Mitglied eines Umweltkollektivs

Mehr zum Projekt auf der Seite der Delegation der Europäischen Union in Kolumbien:

Frauen, die Leben, Wasser und Land in Antioquia schützen, tauschen ihr Wissen zugunsten des Umweltmanagements aus: https://sicec.eu/article/769/

Von Bürger:innen aus Antioquia eingereichte Umweltvorschläge wurden in die kommunalen Entwicklungspläne aufgenommen: https://sicec.eu/article/615/

In 29 Munizipien Antioquias nutzen Bürger:innen Kunst und Bildung, um das Naturerbe zu schützen: https://sicec.eu/article/718/

Das Projekt Salvaguarda startet einen Aufruf zur Unterstützung von 39 Bürger:inneninitiativen zum Natur- und Umweltschutz: https://sicec.eu/article/669/

Mehr zum Projekt im HORIZONT3000 Blog: https://www.horizont3000.at/in-den-medien-die-eu-ueber-unser-projekt-in-kolumbien/

Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Union, gefördert von der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit (ÖEZA) und der Dreikönigsaktion (DKA), und umgesetzt von HORIZONT3000 und Conciudadanía.

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